Heft 
(1906) 16
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bloß aus einer einzigen Zelle, und sie genügt vollkommen für ihr ganzes Dasein. Aus der einfachen so belebten Zelle lassen sich alle höheren Lebensformen theoretisch noch heute heraus­rechnen wie ein großes Rechenexempel, und die geschichtliche Entwicklung hat sie zweifellos wirklich einmal so herausgerechnet auch in der Praxis. Alles, was der biblische Mythus hier fordert: Gras und Kraut, fruchtbare Bäume, Wassergetier und Gevögel, Gewürm und Vieh bis zu dein Wesen, in dem jenes uralte Geistprinzip der Welt endlich schauendes Geistesauge wurde, das sich selbst erkannte es war im Wesen gegeben schon mit der ersten Existenz der Zelle. Diese lebendige Zelle ist nun auch, rein physikalisch angesehen, wirklich ein wunder­barstes Kunstwerk. Sie behauptet ihre Form, obwohl sie sich im Lebensprozeß selber beständig verzehrt, innerlich verbrennt gleichsam; aber eben aus diesem Verbrennungsprozeß schöpft sie die Kraft, sich neuen Stoff heranzuziehen, sich in eben dieser Form von innen heraus neu wieder aufzubauen. Wie ein Phönix steigt sie beständig im Stoffwechsel neu aus ihrer eigenen Asche. Und selbst wenn es ihr nicht mehr gelingt, diese ewige Selbstwiederherstellung ganz durchzuführen, wenn es mit der eigener: Reguliermaschine zu hapern anfüngt, so ist sie doch imstande, andere ganz neue Zellen aus sich zu erzeugen, gleichsam neue Lebensflammen an sich zum Weiterbrennen an- zuzünden, die fortbrennen, wenn sie selber auch endlich erlischt. Im letzteren Sinne ist die lebendige Zelle geradezu eine Art von kleinemIMMuuw mobile, das jetzt seit einer ungeheuren Kette von Jahrmillionen schon seine Glut immer weiter gegeben hat, das heute in uns an dem nie reißenden Faden der körperlichen Übertragung noch immer weiterbrennt, den die erste Zellengeneration schon angezündet hat.

Dieser Vergleich der physikalischen Seite der Zelle mit einer Flamme, der sich hier so zwanglos gibt, hat aber selbst eine sehr tiefe Bedeutung. Es besteht in der Tat eine höchst denkwürdige Wesens Ähnlichkeit zwischen der lebenden Zelle und der Flamme, die sich erhält, indem sie sich beständig selbst zersetzt und verbrennt, gerade so aber Wärmekraft auslöst, um sich selber wieder neuen Brennstoff zu schaffen, und die andere

Flammen durch ihre Nähe herauslockt, wo irgend der Stoff sich geeignet erweist. Geheimnisvolle Beziehungen aller Art deuten darauf hin, daß das Leben in dieser eigentümlichen Zellform mit dieser Selbstzersetzung und Selbstregulierung und seinem nie verleugneten Anschluß an Wärme selber auch irgendwie ein Produkt des Feuers sei, daß es entstanden sei auf einem uralten chemisch physikalischen Spielraum, einer vorüber­gehenden, nie in der Folge wieder so gegebenenFeste" zwischen einen: roten Ozean von glühender Lava und einen: weißen Himmel aus heißem Wasserdampf. Pflüger hat darauf hingewiesen, wie die Chemie der Zelle abhängig sei von be­stimmten Cyanverbindungen. Gerade sie aber konnten sich nur bilden unter ganz gewaltigen Hitzegraden.

So wäre die lebendige Zelle in ihrer Urform als das wunderzarteste Feinglas der Natur schon geblasen worden in den: Hochofen jener Tage, als die Erde noch selber als blasser Stern leuchtete. Sie wäre geblasen worden in noch reinem Erdenlicht, auf einer Erde, die von ewiger eigener Helle um geben noch der fernen Sonne nicht bedurfte. Ein Lichtkind, Wärmekind, wäre das Leben doch erst später, als die alte Erde sich verdüsterte, ein Sonnenkind geworden, ein Pflege­kind der Sonne, dem seine Mutter gestorben.

. . . . Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume." Die rote Lavaglut ist verschwunden. Aus der schmeichelnden blauen Welle ragt unter weißen: Dunsthimmel ein flaches Land. Ein Strom kommt in hundert Adern zu breitem Delta zerteilt daraus herab. Da hebt sich von diesen Usern ein neues zauberhaftes Bild. Die alte Glut ist sterbend eingegangen in ein letztes köstlichstes Ding, in den: die feine Flamme in den subtilsten Stoffwechsel verzaubert herrliche Gebilde, schöner als alle starren Kristallformen der Glut, erschafft: grüne Blätter, wie feinste Stickerei ausgestaltet zu kristallinisch schönen und doch mit ganz anderer Lebensbeweglichkeit und Zartheit ausgeführten Farnwedeln. Der Wald des Lebens. Zelle::, zu Bäumen gehäuft. Noch ist es nicht unser Wald. Ein von Menschen­augen nie geschauter Märchenwald: der Steinkohlenwald.

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Die NMärluftsclMer lZörgen und ?Iep.

kine furchtbare kallonfabrt.

Von A S i n h O l

s ist etwas Eigentümliches um den Heldenmut. Viele gibt es, vielleicht mehr als wir glauben, die aus Feigheit mutig sind. Sie fürchten im gegebenen Augenblick die üble Nachrede mehr als die augenblickliche Gefahr, und deswegen entschließen sie sich zu kühner Tat.

Laßt im Angesicht Tausender ein Haus in Flammen auf­gehen, in dem sich ein hilfloser Mensch befindet es wird immer ein Beherzter sein, der in das Flammenmeer dringt, um dem Verlorenen Rettung zu bringen. Stürzt an belebter Straße ein Mensch in die Wasserfluten, so wird sich jemand finden, der in das Wasser springt, um das eigene Leben für das des Ertrinkenden zu wagen. Und mit Recht wird man die Mutigen preisen. Aber man prüfe sich selbst, ob die Mutigen und Tapferen diese Tat wagen würden, wenn niemand sie sieht und wenn sie wissen, daß Rettung für sie selbst nicht in der Nähe ist. Mancher Held würde unter diesen Umständen zun: Feigling werden, er würde sich als Memme erweisen.

. Wer je in seinem Leben in der Lage war, an sich selbst zu beobachten, wie schwierig es ist, in wirklicher Lebensgefahr ein anständiges Gesicht zu machen und Haltung zu bewahren, der wird ohne weiteres zugeben, daß die wirklichen Helden viel dünner gesät sind als wir glauben. Und man wird dann auch die Erfahrung machen, daß oft genug unter den: schlichten Rock des Soldaten, unter der Wolljacke des Schiffers, unter der Bluse des Arbeiters ein tapfereres, besonneneres,

ä Oronheiw.

mutigeres Herz schlägt als unter der gestärkten Brust des Batisthemdes.

Da fuhren neulich zwei einfache Soldaten von: Luftschiffer­bataillon in Berlin mit den: BallonIbis" vom Übungsplatz in Tegel zu einer Übungsfahrt auf. Görgen und Plep heißen die beiden, der eine ist aus Königsberg, der andere stammt aus Köln, und beide sind Handwerker von Berus. Zwei schlichte Jungen aus dem Volk, die sich in nichts von den Tausende:: unterscheiden, die zugleich mit ihnen dem Vaterlande dienen. Und doch haben die beiden auf der denkwürdigen Ballonfahrt, die durch die Tagespresse bekannt wurde, sich als wirkliche Männer erwiesen, die in Not und Tod den Kopf oben be hielten und mit zäher Energie das verteidigten, was ihnen nur noch übrig geblieben war das nackte Leben.

Weit über die deutschen Lande waren sie in: trüben Wolken­meer dahingesaust, und dann kan: die Nacht, die Nacht mit all ihren Schrecken zwischen Himmel und Erde. Man pflegt zu sagen, die Nacht ist keines Menschen Freund. Aber mögen wir auch nachts in rabenschwarzer Finsternis bei wilden: Sturm in unbekannten: Walde irren, so wissen wir, daß schließlich die Sonne die Finsternis besiegen wird und daß bei Tageslicht die Möglichkeit bestehen wird, uns zurechtzufinden aber bei orkanartigen: Schneesturn: zwischen Himmel und Erde schweben und wenn man dann urplötzlich die Gewißheit erhält, daß unten das tobende Meer heult, wenn der Ballon schwerer

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