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er die leichten, wenig anstrengenden Arbeiten, was einesteils an seiner Faulheit, anderenteils aber auch an der Schwierigkeit liegt, auf den Wanderungen bessere Arbeitswerkzeuge mitzuführen. Ein Hammer und ein Blasebalg sind gewöhnlich seine ganze Ausstaffierung. Den Ambos bildet der erste beste Wegstein, und die Kohlen brennt er sich zur Not auch selber. Über Nägel, Hufeisen und ähnliche Kleinigkeiten wagt er sich selten hinaus, und es wäre zu wetten, daß auch unser Mann auf dem nebenstehenden Bilde an dem großen Kessel nur eine Flickarbeit vorzunehmen hat.
Immerhin ist diese Arbeit doch die einzige, die nach bürgerlichen Begriffen eine wirkliche, ehrbare Arbeit ist, und da es immer die Gatten und Väter sind, die als Schmiede arbeiten, sollte man meinen, daß sie es aus Liebe oder doch aus Pflichtgefühl für die Ihrigen tun. Das ist aber, leider, ein schöner Aberglaube! Der Zigeuner kümmert sich im Durchschnitt blutwenig um seine Familie. Was und wieviel er arbeitet, ist Neigungssache oder richtet sich, wenn er ein übriges tut, nach seinen eigenen Bedürfnissen.
Schon als Kind wird der Zigeunerknabe, durchschnittlich im achten oder neunten Jahr, auf seine eigene Schlauheit angewiesen, Betteln, Stehlen, Musikmachen oder Schmieden hat er gelernt, und damit schlägt er sich als Anhängsel des elterlichen Zeltes durch die Welt. Wenn er nun älter wird, hat man auch keine Schlafstätte mehr für ihn, und die einzige Möglichkeit, sich eine solche zu erwerben, ist für ihn die Heirat. Die durchgängig bei den jungen Zigeunern vorhandene Ehesehnsucht hängt nicht zum wenigsten damit zusammen, wenn die natürliche Anziehungskraft ihrer Mädchen auch das Hauptmotiv bildet.
In jungen Jahren sind beide Geschlechter durchschnittlich schöne, sinnenfreudige Gestalten, die in der Reifezeit der Herrscherin Liebe ebenso huldigen wie die anderer Völker. Eine reiche Volksliteratur, aus der nur viele Obszönitäten entfernt werden müssen, spricht klar und deutlich dafür, daß die melancholische Schwärmerei wie der Verhimmelungsdrang germanischer Verliebter auch in der Brust des Zigeuners zu finden sind. Er findet kaum Bilder genug, um
Schönheit zu besingen: „Ihre" Arme sind wie Weidenzweige, „ihre" Augen wie Blumen, „ihre" Schultern wie Weizenbrot und so weiter. Und mit gleich heftiger Innigkeit hängt die Zigeunerjungfrau an „ihm". Wehe aber, wenn er ihr treu wird oder sie gar verläßt! Ein Zigeunerfluch ist ärger als Scheidewasser, und fluchen kann bei diesem Völkchen auch der rosigste Mund. „Feuer in seine Gedärme!" und „Rabenschnübel in seine Augen!" sind
Brautpaar.
Auf der Wanderung.
zwei Stichproben, an denen wir es uns wohl genügen lassen können.
Wenn beide aber einig sind und auch von den
Eltern des Mädchens keine Kesselschmied.
Einwendungen erhoben werden, dann beginnt für den Burschen die einzige fleißige und sparsame Zeit seines Lebens. Er arbeitet unter den größten Entbehrungen ein halbes Jahr über, um sich das Geld zu verdienen, das die Eltern als Geschenk und seine Hochzeitsgäste für Schnaps verlangen. Kommt dann der Winter, bei dessen Anbruch die Wanderzigeuner sich gewöhnlich in geschütztere Gegenden zurückziehen, um in Erdhöhlen oder in ihren Zelten den neuen Frühling zu erwarten, dann gibt es große Hochzeit, bei der jeder Nüchterne eine ebenso ungewohnte Erscheinung ist wie ein Mondkalb. Der Bräutigam ist natürlich der Fröhlichsten einer, und er hat auch alle Ursache dazu, denn was er aufgibt, ist nur seine Sippe, die sich sowieso nicht viel um ihn kümmert, und was er gewinnt, ist nicht nur eine hübsche Frau, sondern vor allen! auch ein Zelt, ein Obdach, das er als Junggeselle in den seltensten Fällen besitzt. Die Frau bringt ihm alles zu einer Zigeunerwirtschaft Notwendige zu, oder vielmehr, er bringt sich selbst in ihre Wirtschaft. Aufs engste hängt damit der interessante Umstand zusammen, daß der Mann immer zur Sippe der Frau zählt, nicht sie zu seiner.
Der Liebesfrühling des Zigeuners füllt sonnt gewöhnlich in den Winter, und es ist klar, daß die Flitterwochen ganz besonders zärtlich find. Draußen ist es kalt, und wenn
die Frau Ürsache hat, über ihn zu klagen, kann es ihm leicht passieren, daß sie, die immer als Hauptbesitzerin des Zeltes gilt, ihn einfach hinaussetzt. Für dieses Vorrecht
revanchiert er sich freilich wieder dadurch, daß er eigentliche Unterhaltungspflichten weder ihr noch den etwaigen Kindern gegenüber anerkennt. Eine Interessengemeinschaft ist überhaupt nicht vorhanden.