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Etwas länger wollen wir jedoch bei den Orangenbäumen verweilen. Für den Parfümfabrikanten sind ihre Blüten sehr wichtig und für uns höchst lehrreich, denn gerade an ihnen können wir die verschiedensten Arten der Parfümgewinnung studieren.
Die Orangen-, Apfelsinen- und Zitrouenbäume, Angehörige der Gattung 0itru8, haben sich im Lauf der geschichtlichen Zeit aus ihrer ostasiatischen Heimat allmählich über die wärmeren Länder Europas verbreitet. Hauptsächlich werden sie ihrer Früchte wegen angebaut, die wichtige Genußmittel bilden, sie sind aber auch dem Pariümfabrikanten willkommen wie kaum eine andere Pflanzenart, denn ihre Blätter, Blüten und Fruchtschalen sind reich an verschiedenen Riechstoffen.
Alle diese Teile der Citrusbäume werden auch ausgebeutet. Am einfachsten gestaltet sich die Gewinnung bei den Fruchtschalen. Man erntet sie im grünen unreifen ..
Zustand, bringt sie in besondere -
Apparate, in denen sie Zerstochen und zerschnitten werden und
unter Pressung ihr ätherisches Öl abscheiden. Auf diese
Weise erhält man aus .
den Schalen der Ber- gamottenorange das wohlriechende Bergamotteöl, das u. a. einenBestandteildes Kölnischen Wassers bildet, aus den Schalen der Zitronen das Zitronenöl, und aus den Apfelsinenschalen das liebliche Apfelsinenöl.
Viel feiner sind Riechstoffe, die uns die Blüten der Orangenbäume liefern.
In dieser Hinsicht wird namentlich die Bigaradie oder Pomeranze, der Orangenbaum mit bitterer Frucht, hochgeschützt.
Seine Kultur ist wohl lohnend, denn die Bäume beginnen schon im fünften Jahre zu blühen. Anfangs ist die Ernte an Blüten gering, aber sie steigert sich von Jahr zu Jahr, bis der Baum in seinem vierzigsten Lebensjahr die Vollkraft erreicht und jährlich bis Zu einem Zentner Blüten erzeugt. So fruchtbar ist der Apfelsinenbaum nicht, man kann schon zufrieden sein, wenn er auf der Höhe seiner Entwicklung etwa die Hälfte, also 20 bis 25 Kilogramm Blüten liefert.
So einfach wie die Fruchtschalen lassen sich aber die zarten Blumen nicht behandeln; man kann ihnen das feine Ol nicht abpressen, muß vielmehr zu einem anderen Verfahren greisen. Die meisten ätherischen Öle sieden erst bei etwa 250 Grad Celsius; bringt man sie aber in kochendes Wasser, so werden sie von den entsteigenden Dämpfen Zum Teil mitgerissen. Dank dieser Eigenschaft kann man sie abdestillieren. Auf diese Weise wird das kostbare Rosenöl gewonnen; in früheren Zeiten warf man Blätter der Rosenblüten in kupferne Destillierblasen, goß Wasser darüber, setzte die Blasen auf offenes Feuer und sammelte die entweichenden Dämpfe in einem Kühler. Ebenso verfahren noch heute die Einwohner der französischen Alpen bei der Gewinnung des Lavendelöls. Dort gedeiht die echte Lavendelpflanze (Uavanäula vera) oft in hohen, bis 2000 Meter über dem Meere gelegenen Lagen. Im Juli treibt sie ihre Blütenähren und ist dann besonders reich an ätherischem Öl; sie verträgt aber keinen längeren Transport, und die Destillation muß möglichst in der Nähe des Ernteplatzes erfolgen. So gehen denn im Hochsommer die Einwohner mit ihren primitiven Destillierapparaten in die Hochtäler und arbeiten, immer höhere
Destillation des Lavendelöls in den französischen Alpen.
Gebiete aufsuchend, bis in den August hinein. Unsere untenstehende Abbildung zeigt eine solche fliegende Destillations- anstalt in der Gegend von Castellane. Auf eisernen Dreifüßen stellen die Blasen; man heizt mit Holz und benutzt Tonnen als Kühlgefäße, die man mit dem Wasser einer nahen Quelle füllt.
Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß man bei diesem Verfahren feines Öl nicht erhält. Die kupfernen Blasen, die über offenem Feuer stehen, werden überhitzt. An ihren Wänden werden nun Pflanzenteile und Spuren ätherischen Öls durch die übermäßige Hitze Zersetzt, und das Destillat zeigt einen mehr oder weniger brenzligen Beigeruch. Man verwendet darum heute in allen besseren Anlagen die Dampfdestillation: man läßt über die in einem verschlossenen Behälter aufgehäuften Blüten oder Pflanzenteile überhitzten Dampf streichen und sammelt ihn in Kühlgefäßen. Dort verdichtet er sich zu Wasser, und auf diesem schwimmt das mitgerissene ätherische Öl. Nach diesem Prinzip hat man eine ganze Anzahl verschiedener Apparate konstruiert, : S , T über deren Wert Erfinder und
' " Fabrikanten streiten. Wie
' groß aber die Anlagen
in Fabriken sind, in denen dieBlüten zentnerweise verarbeitet werden, darüber be- t lehrt uns ein Blick in die Destillierhalle einer der berühmten Parfümfabriken in Graste. (Vergl. die Abbildung auf der folgenden Seite.)
Wer das Beste leisten will, muß dafür sorgen, daß die Blüten in reinstem Zustande in die Apparate gelangen. So sammelt man die Rosen möglichst früh am Morgen, bevor in der Sonnenwärme ein Teil des ätherischen Öles verduftet ist; dann werden in großen Sälen die Blumen von grünen Blättern und Stielen befreit, so daß nur Rosenblumenblätter, die Träger des herrlichen Duftes, in die Apparate kommen. Freilich gibt es auch in dieser Industrie Fälscher, ja, man sagt, daß sie in der Parfümerie ganz besonders ihr Unwesen treiben. Solche Fabrikanten minderwertiger Waare üben mitunter schon beim Destillationsprozeß ihre bösen Künste und destillieren z. B. das billige Geraniumöl über Rosenblättern.
Auch die Orangenblüten wandern in jene großen Apparate, und das aus ihnen gewonnene Destillat Zeichnet sich durch einen besonders lieblichen Geruch aus. Im Handel wird es Neroliöl genannt, aber selten nur erhält man unter diesem Namen echtes Orangenblütenöl. Wir haben schon mitgeteilt, daß auch die immergrünen Blätter der Citrusbäume, namentlich die der Bigaradie und der Apfelsine, Riechstoffe enthalten. Man nimmt nun Blätter und junge Schößlinge dieser Bäume und destilliert aus ihnen das Petitgrainöl, das aber weit weniger angenehm als das Neroliöl riecht. Häufig werden nun beide Öle gemischt, und die Mischung wird als echtes Neroliöl verkauft.
Renommierte Firmen wollen aber nur das Beste erzeugen. Ihnen ist selbst das Destillat aus Orangenblüten nicht fein genug. Sie wollen den Duft noch reiner haben.
Die alten Ägypter wußten wohl, warum sie gerade Salben mit Wohlgerüchen versetzten. Das Fett ist ein vorzüglicher Duftfänger. Das erfährt mitunter die Hausfrau, wenn auch nicht Zu ihrer Freude. Die Butter nimmt begierig alle Gerüche der Umgebung auf und leider nur zu oft die üblen eines modrigen Kellers oder einer schlecht gelüfteten Speisekammer. Diese Eigenschaft der Fette macht sich der Fabrikant zu Nutze,