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und mit seiner Hilfe entzieht er den Blumen die feinsten Wohlgerüche, die sich auch in den besten Destillierapparaten nicht fangen lassen. Zu diesem Zweck verwendet er reines Schweinefett, Rinds- oder Hammeltalg oder auch Mischungen verschiedener Fette. Die Masse wird in eigens dazu eingerichtete Kessel, die durch Wasserdampf sich auf etwa 66 Grad Celsius erwärmen lassen, gebracht, und in das flüssige Fett schüttet man Blumen hinein. Sie verbleiben darin mehrere Stunden, worauf sie herausgenommen und durch frische Blüten ersetzt werden, bis sich das Fett völlig mit dem Duft gesättigt hat. Die Operation dauert 24 bis 48 Stunden. In großen Parfümerien fassen die Kessel 100 bis 150 Kilogramm Fett; sie werden „Brigadiers" genannt, und diese Gewinnungsart der Riechstoffe heißt Mazeration oder Jnfusionsverfahren. In solche Kessel wandern nun Körbe mit Orangenblüten; in ihnen wird auch Veilchen,
Rosen, Akazien- und Heliotrop- blüten der Duft entzogen. Wie groß derartige Anlagen in den Fabriken Südfrankreichs sind, zeigt unsere oberste Abbildung S. 501, die uns eine Mazerationshalle vorführt, in der gerade Veilchen behandelt werden.
Aber selbst bei diesem Verfahren kann es Vorkommen, daß weniger angenehme Riechstoffe, die in den grünen Teilen der Blüten enthalten sind» sich dem Fett mitteilen und das Parfüm einen wenn auch sehr schwachen Beigeruch nach Gras oder Kräutern erhält. Um auch dieses zu vermeiden und die Düste, welche die Blüten aushauchen, in reinster Form zu fangen, bedient man sich einer anderen Methode. Die frischen Blüten werden in kleinen Kästen ausgebreitet und mit einer Glastafel geschlossen, deren Innenseite mit Fett bestrichen ist. Die Blumen und das
Fett berühren einander nicht, nur der Duft dringt in das Fett ein. Die Blüten werden so lange erneuert, bis die
volle Sättigung des Fettes erfolgt ist. „Enfleurage" oder Absorbtionsverfahren nennt man diese Methode. Sie dient zur Gewinnung der feinsten Wohlgerüche und wird vor allem
bei der Tuberose, dem Jasmin, Flieder, bei Narzissen, Maiglöckchen u. a. angewendet. Diese wohlriechenden Fette nennt der Fabrikant „Pomaden", und aus ihnen bereitet er seine feinsten „Extraits". In geeigneten Gefäßen wird die Blütenpomade mit 80prozentigem Spiritus versetzt und gründlich geschüttelt; der Alkohol entzieht dem Fett die Riechstoffe und wird abgezogen. Außer den Duftstoffen hat sich aber auch etwas Fett in ihm aufgelöst, und man muß es entfernen, da es eine unwillkommene Beigabe bildet. Diese Trennung wird dadurch erzielt, daß man die weingeistigen Auszüge in Kältemischungen von —18 Grad bis —20 Grad Celsius stellt. Das Fett scheidet sich vom Alkohol ab, es friert aus, und durch vorsichtiges Abgießen und Filtrieren
erhält man die feinste Blüten- essenz. Verschiedene dieser Essenzen kommen rein, nur mit Spiritus verdünnt, als Parfüm in den Handel. Es sind dies dann die wirklich echten Veilchen-, Reseda, Heliotrop- u. a. Extraits, die natürlich im Preise hoch stehen. Die Kunst des Parfümerie- fabrikanten geht aber weiter, er bereitet aus verschiedenen ätherischen Ölen und Essenzen Mischungen, stellt sie zu „Bouquets" zusammen, die uns nicht den Wohlgeruch einer Blume, sondern den Duft eines Vlütenstraußes bieten.
Seit geraumer Zeit sind die Chemiker eifrig damit beschäftigt, Blütenduft in ihrer: Retorten herzustellen. Sie haben auch in dieser Hinsicht große Erfolge gehabt. Wir besitzen künstliches Vanillin. künstliches Cumarin, den Duftträger des Waldmeisters, im Jonon einen Stoff, der dem natürlichen Duftstoff des Veilchens sehr nahesteht, u. a. m.; man kann aber nicht sagen, daß dadurch die Gewinnung der natürlichen Wohlgerüche beeinträchtigt worden wäre. Sie bleiben unübertroffen, und die feinsten Blütenessenzen in konzentrierter Form, wie sie in Grasse und Nizza bereitet werden, stehen hoch im Preise; bezahlt man doch für 1 Kilogramm dieser gefesselten Düfte Tausende, ja selbst bis zu 20 000 Mark!
Destillierhalle.
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Der Kleinstadt Erwachen
Da liegt sie nun, die kleine Stadt,
Vom Morgenlicht umflossen, und schläft Noch hallt kein Schritt vom Stein,
Nur ein geschwätzig Wäfferlein Läuft eilig durch die Gossen.
Flugs wird das liebe Leben wach. Es rührt sich allerorten;
Die Jugend lacht sich ins Gesicht, Das wundervolle Sonnenlicht Strömt ein in alle Pforten!
Mit roten Kappen aus dem Haupt, Ein Häuflein grauer Zwerge,
Schart sich der Häuser Doppelkreis Ums Kirchlein, das zu Gottes Preis Herniederschaut vom Berge.
Schon wallt der Essen blauer Nauch Behaglich hin und wider.
Der Taubenschwarm vom Nathausdach Fliegt rauschend aus, der Star wird wach Und putzt sich das Gefieder.
Mit zittrig altem Stimmchen hebt Die Turmuhr an zu schlagen:
„Ans Werk, ihr Kinder, nicht gesäumt! Ach — zu viel schöne Zeit verträumt Der Mensch von seinen Tagen!"
Und Kaffeeduft und Fliederduft,
In lieblichem Gemenge,
Wogt auf und ab von Haus zu Haus Und wandert weit vors Tor hinaus:
Der Weihrauchduft der Enge.
Anna Ritter.