Heft 
(1906) 26
Seite
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Idains Cnlsüknung.

Roman von Luise westkirch.

(4. Fortsetzung.)

evor die Sonne des nächsten Tages Heraufstieg, waren Janfredrik und Brün geschäftig, ihr Torf­schiff zu beladen. Diesmal fuhren sie beide nach Bremen, Vieh und Haus nach ihrer Gepflogenheit dem halbwüchsigen Sohn des Nachbarn anver- trauend. Die inzwischen fertiggestellten Testamente mußten unterschrieben werden.

Brün hatte die Segel geflickt und neu geteert. Sorgfältig schichtete er jetzt frisches Stroh in den Schlafraum vorn im Schiff und verpackte die Eßvorräte, Milch, Schnaps, Brot, Buchweizenpfannkuchen. Peter Petersen, der Wirt am Torf­hafen in Bremen, sollte nur das Bier an ihnen verdienen. Brün pfiff bei der Arbeit.

Aber Janfredrik war versonnen und zerstreut. Was ihm nie zuvor begegnet war mitten im Schaffen stand er still und träumte. Eine wohlige Schlaffheit war ihm von gestern in den Gliedern zurückgeblieben, gleichsam, als hätte das weiche Persönchen, indem es sich an ihn schmiegte, einen Teil der Kraft aus seinen Knochen genommen und dafür einen Schleier von seinen Augen gezogen. Denn er sah Dinge, die er nie zuvor gesehen hatte. Er sah, daß die Sonne, die eben über dem dampfenden Moor Heraufstieg, schön war, sah, daß die Elstern, die am Kanalrand miteinander schwatzten, zierliche weiße Westen und schwarze Frackröcke trugen, die Birkenreihen am Kanal leuchteten wie eine Straße von lauterem Gold.

Zum erstenmal empfand er die herbe Schönheit des Landes, das ihm Heimat geworden war, weil es ihm Brot gab. Der tiefe Himmel, der braunschwarze Boden mit seinem gelben Birkenbusch, seinen blinkenden Tümpeln und schnurgeraden Kanälen, die endlos weite Dichtigkeit, die nur aufsteigende Nebelflore hie und da hemmten, in der Ferne der breite Rücken des Weperberges all' das redete heut zu ihm.

Aber Brün hatte das lange Schiebruder ergriffen, stieß mit geschickter Wendung den plumpen Kahn aus dem Bootshaus in den großen Kanal. Während er mit taktmäßigen Bewegungen das Ruder gegen die steile Böschung stemmend, ihn stromab drückte, sagte er verschmitzt:

Da steht noch immer -Luise^ an das Boot, Janfredrik. Was meinst, soll ich dem mal frisch anstreichen und Mlheitö darauf malen?"

Janfredrik fuhr aus seinem Traum.Nee. Nee. Wo kümmst dorup?"

Ich dacht', weil daß du gestern so lang beim Brunnen mit sie gesnackt hast."

Da wurde Janfredrik zornig.Dohst spioneer'n? Wat geiht dat di an, of ik Alheid friegen doh oder en Anner?"

Das geht mir gar nix an," gab Brün demütig zu.Ich Hab' mir bloß gefreut, weil daß Alheid ein so gute Frau für dir sein würd'."

Darauf antwortete Janfredrik nicht. Er saß neben dem Mast auf dem Segel, das über die Torfladung gespreizt war, und sah unter zusammengezogenen Brauen hervor die einzelnen Gehöfte des Dorfes vorübergleiten, während die überhängenden Birken einen goldenen Regen auf die beiden Männer herab­streuten.

Kein Laut als das Spülen des Wassers am Kiel, das Schwatzen der Elstern auf den Wiesen, ab und zu ein Raben­schrei. Die Sonne stieg. Die Nebel sanken. DieLuise" glitt rüstig stromab mit den beiden Schweigenden. Auf dem Gesicht des Mannes stand eine verbissene Entschlossenheit: Halt' fest! Halt' fest! Sie werden dir's nicht gönnen wollen, dein Glück. Sie zerren dran auch dein Nächster. Halt' du fest. So lang' Leben in dir ist, laß' nicht los!

Er wußte, er hatte keine leichte Hand, das Glück zu fangen. Nun es ohne sein Zutun ihm hineingeflogen war, würde er es eher erwürgen als fliegen lassen. Sie sollten sich in acht nehmen um ihn. Wer die Finger danach ausstreckte, mochte sich hüten! Er sah Blut bei der bloßen Vorstellung.

Aber auf dem hübschen, immer ein wenig erstaunten Gesicht des Jünglings lag Helle Freude, und seine ostseeblauen Augen strahlten, als wäre der Abglanz von etwas sehr Schönem darin zurückgeblieben.

Dann an der nämlichen Stelle reckten beide die Hälse, schärften den Blick. Am Mast richtete Janfredrik sich auf, Brün zog das Ruder ein. Es war Vorsteher Ehlers' Hof, an dem sie vorüberglitten. Aber wie sie schauten und schauten, kein Goldhaar flatterte zwischen goldenem Birkenbusch. Und nur der Rauch, der zwischen den Pferdeköpfen am Giebel hervorwogte, zeigte, daß Leben im Haus sich regte.

Da kauerte Janfredrik sich wieder nieder, und Brün hand­habte das Ruder. Aber das Schweigen wurde drückend.

Plötzlich lachte Brün hell auf.Kuck eins, der Jung'!"

Hinter den letzten Gehöften von Schmalenbeek führte ein grasbewachsener Damm quer durchs Moor, ein Richtweg für

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