Heft 
(1906) 31
Seite
658
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Äochwafser.

W^s

Gesagt/ getan! Als wir um neun Uhr abends zurück­kamen, war wohl das Sattelzeug da, aber weiter nichts. Mein Baco war fort. Es hätte ihn niemand herausgelassen, sagte man, und das Tor war zu. Also mußte er über den Zaun gesprungen sein, und wir fanden auch beim Schein der Laterne die Spuren des Sprunges, drinnen und draußen.

So, nun hat er mir's aber angestrichen, der Lump! Suche ihn jetzt, wer Lust hat. Womöglich ist er schon zu Hause."

Nimmst halt morgen meinen, wenn wir deinen nicht finden", tröstete der Freund, und ich blieb über Nacht.

Am anderen Morgen guckte aber mein Baco aus dem Stall heraus. Die Stelle, wo er einmal Futter bekommen hatte, war ihm in angenehmer Erinnerung geblieben.

In Begleitung eines jungen Brasilianers ritt ich heim. Es lief alles gut ab, bis vors Haus, bis Zum Rio Preto. Der war inzwischen noch mehr geschwollen. Das Brücken­geländer guckte nur noch mit den oberen Balken heraus und mitten auf der Brücke hing eine Laterne, halb schon im Wasser. Wie ich später erfuhr, hatte meine Frau sie dahin gehängt, als schon das Wasser über die Bohlen ging, für den Fall, daß ich in der Nacht zurückkäme. Mein kleines Bübchen von vier Jahren hatte immer das Wasser mit seinem kleinen Topf wegschöpfen wollen. Es wollte die ganze Nacht arbeiten, wenn's nötig wäre. Die Guten hatten sich geängstigt und wußten nicht, daß der Herr Vater in Lan^ol gerade Billard spielte.

Am anderen Ufer stand die halbe Bewohnerschaft unseres Dorfes versammelt, um die Brücke abgehen zu sehen. Einige Baumstämme, die der Fluß trieb, hatten sich vorgelegt, und ein besonders mächtiger steckte, mit dem Wipfelende empor­ragend, davor. Mit wuchtigen, gewaltigen Schlägen rannte er gegen unsere arme Brücke, die in allen Fugen krachte.

Wollen wir noch drüber?" fragte ich meinen Begleiter. Schlimmstenfalls müssen die Pferde schwimmen!"

Doch da hob sich schon die Brücke in ihrer ganzen Länge,

! legte sich um und schwenkte ab.

Hurra!" rief ich unwillkürlich und schwenkte meinen Hut, undHurra!" tönte es von drüben, als ob das ein so be­sonders erfreuliches Ereignis gewesen wäre.

Bald aber kam die Besinnung, ich mußte doch über den Fluß, zu Weib und Kindern. In unserer Niederlassung hatten wir damals kein Boot, aber ich besann mich, daß ich früher eins in Lan^ol auf dem Teich gesehen hatte. Also zurück, und ich sprach mit dem glücklichen Besitzer des Kanus.

Das kannst' scho' hab'n. Aber kaput is'!"

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