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(Zieler) und der Schutzdächer herzurichlen. Die Schützenstöcke sind in den Boden eingerammt und mit zwei Laufrahmen vergehen, für die in München 680 Scheibenrahmen zum Gebrauch standen. So lange bis der Schütze im Stand seinen Schuß abgegeben Hatz wird der eine der in die Höhe geschobenen Scheibenrahmen festgehalten, und zwar durch Gewichtsausgleich. Am Stand sitzt ein Schreiber, der durch ein elektrisches Glockenzeichen den Zieler im Zielergraben über den Schuß verständigt, dieser zieht die Scheibe herab, sieht, wo der Schuß sitzt, und zeigt dem Schützen mit dem Zeiger an der betreffenden Doppelscheibe die Stelle an, wohin der Schuß getroffen hat. Dann wird diese Stelle mit weißen oder schwarzen Blättchen verklebt und die Scheibe selbst wieder hochgezogen. Bei einem Fehlschuß winkt der Zieler mit dem Zeiger ab. Diese Zielergräben, in denen abkommandierte Soldaten ihres Amtes walteten, waren so tief, daß ein stehender Mann mit hochgehobenen Händen noch vollständig gedeckt ist. Das Amt war völlig ungefährlich, aber sauer, wenn man bedenkt, daß nicht weniger als 5000 Schützen in München in den Schießstand traten.
Hin Schiller-Denkmal' im deutschen Hsten. (Zu der vor- seitigen Abbildung.) Zu Teschen in Österreichisch-Schlesien wurde am 6. Juni ein Schiller-Denkmal enthüllt, um dessen Zustandekommen sich hervorragende Männer bemühten mit um so dankenswerterem Erfolg, als an diesem Schiller-Denkmal viel nationale Bedeutung hängt. Fast wie eine deutsche Sprachinsel liegt die Stadt Teschen inmitten polnischer und tschechischer Bevölkerung, in ihrem deutschen Charakter mitunter ernst- lich gefährdet und bedroht. Das Verlangen nach einem Wahrzeichen deutscher Kultur war darum doppelt begreiflich. Der Begeisterungssturm, der im vorigen Jahr durch alle deutschen Herzen zog, gab dem Wunsch unserer Brüder im Osten den Namen Schiller. So entstand das jetzt enthüllte Denkmal in Teschen. Der dort heimische Bildhauer Hans Schwache schuf das Monument in kararischem Marmor, das das Haupt Schillers in Relief gearbeitet zeigt. Sein Genius mit gebrochenen Fesseln in der Hand steht zur Rechten, links sitzt eine sinnende Frauengestalt, die dem Dichter Rosenkränze windet. Die Verkörperung des Gemeinen, ein Ungeheuer, entflieht unter den Füßen des Jünglings.
Hine Hrmnerrmgsftätte in St. privat. (Zu der obenstehenden Abbildung.) Die kleine katholische Dorfkirche von St. Privat war während der heißen Schlacht am 18. August 1870 der Zufluchtsort für Hunderte von verwundeten und sterbenden französischen Kriegern. Alle Bewohner des Dorfes waren beim Beginn des Kampfes in die nahe Festung geflohen, nur der mutige Ortsgeistliche blieb im wildesten Kriegs-
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Alte Kirche von St. Privat
nach der Schlacht vom 18. August 1870.
gelümmel ans seinem Posten, unbekümmert um die neben ihm ein- fchlagenden Geschosse waltete Pfarrer Bau rin in der Kirche seines hohen Amtes als Tröster der Sterbenden und als Helfer der Verwundeten. So fanden ihn am Ende des fürchterlichen Kampfes die ersten eindringenden deutschen Offiziere und wurden Zeuge seiner aufopfernden Liebe. Edelmütig boten sie ihm ihre Hilfe an, und dankbar und bewundernd hat es Pfarrer Baurin anerkannt, wie Preußen und Sachsen, da kaum der Kampf um die letzten Häuser und Mauern verstummt war, die dem Tode des Verbrennens preisgegebeneu Feinde in wahrer christlicher Nächstenliebe und Barmherzigkeit mit eigener Lebensgefahr aus dem brennenden Gebäude hinaustrugen. Ein neues Gotteshaus wurde der Gemeinde St. Privat zuteil, noch während 30 Jahren versah hier der brave Pfarrer fein Amt. Seine Dankbarkeit gegen das neue
Vaterland bewies er durch treue Gesinnung und durch innige Teilnahme bei allen Denkmalsweihen für deutsche Krieger auf dem Bann von St. Privat. Bei solcher Gelegenheit war es, wo der frühere Bezirkspräsident von Lothringen, nachmaliger Minister von Hammerstein, das Lob des braven Mannes laut verkündete. Als vor einigen Jahren Pfarrer Baurin seine Erdenlaufbahn beschloß, regte die Metzer Bereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler unter Bereitstellung eines Zuschusses den Gedanken an, auf der Trümmerstätte der alten Kirche em von gärtnerischen Anlagen umgebenes Gedenkzeichen zu errichten. Dank der Unterstützung von Regierung und Gemeinde wurde dieser Gedanke zur Tat, und am 11. Juli dieses Jahres fand in schlichter Feier die Weihe des zur Erinnerung an den treuen Pfarrer Baurin auf dem Ehrenplatz von St. Privat errichteten Denksteins statt.
Die Nestspiele auf dem Kohentwiet. (Zu der untenstehenden Abbildung.) Wir haben kürzlich über die Reise des Deutschen Kaisers nach dem Hohentwiel und seine Besichtigung des dort errichteken Schauspielhauses berichtet. Heute bringen wir nun ein Bühnenbild aus dem vor einigen Tagen zum erstenmal zur Aufführung gebrachten Festspiel: „Unter der Reichssturmfahne", dessen Stoff der Verfasser R. Lorenz der reichen Geschichte des Hohentwiel entnommen hat. Das Theater selbst mit feiner ganz aus Holz, ohne Säulenstützen durchgeführten Dachkonstruktion und dem als „Burghof" gedachten Zufchauerraum, der amphitheatralisch auf natürlicher Bodenerhebung ansteigt, ist eine Sehenswürdigkeit, und die Festspiele werden das ihre tun, die Reisenden nach der kühnen Felsenburg, die schon den Römern bekannt war, zu locken. Hat Scheffel ihr doch in seinem „Ekkehard" unsterblichen Glanz und Schimmer verliehen.
Verleihung der Reichssturmfahne- ^t. Inst. Oreli FMi, phot
Von den Lohentwielspielen.
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