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Festwagen der Glücksgöttin
Begründer der Anilinfarbenindustrie,
William Henry Perkin zum Jubiläum seiner Großtat die wohlverdiente Huldigung darzubringen. Bei diesem Anlaß mag auch der Anteil deutscher Forscher in Erinnerung gebracht werden, die durch die Entdeckung und Prüstmg des Anilins dem genialen Engländer vorgearbeitet haben.
Aerdinand von Saar. (Zu dem vorseitigen Bildnis.) Ein liebenswürdiges Dichterleben hat am 24. Juli mit dem freiwillig gesuchten Tod des österreichischen Dichters Ferdinand von Saar seinen erschütternden Abschluß gefunden. Kein junges Leben mehr, denn der so jäh Verstorbene hatte die Schwelle der Siebzig bereits überschritten, aber ein reiches Leben. Am 30. September 1833 in Wien geboren, trat er sechzehnjährig als Kadett in die österreichische Armee, in der er 1854 zum Offizier ausrückte, aber schon 1859 brach er jeine militärische Laufbahn ab, um den Säbel mit der Feder zu vertauschen. Unter den Dichtern seiner Heimat stand Saar in der ersten Reihe. Seine Gedichte und vor allem seine Novellen verrieten eine feine Eigenart, die sich auch in den festeren Formen seiner Dramen nicht verleugnete. Eine stattliche Reihe von Werken wird das Andenken an den Verstorbenen lebendig erhalten, wir erwähnen seine mehrbändigen Gedicht- und Novellensammlungen und nennen von seinen dramatischen Arbeiten „Kaiser Heinrich IV.", „Die beiden de Witt", „Thassilo" u. a. m. Im Jahre 1902 wurde Saar, der meist in Döbling bei Wien lebte, zum Mitglied des österreichischen Herrenhauses ernannt.
Johann Martin Schleyer- der Erfinder des Jokapük. (Zu dem vorjeitigen Bildnis.) Seit den Versuchen der Philosophen Descartes und Leibniz hat es bis in unsere neueste Zeit hinein nicht an weiteren Bemühungen gefehlt, für den einheitlichen Gebrauch aller Nationen eine künstliche Weltsprache zu schaffen. Im großen und ganzen ist es bei dem Versuch geblieben. Zur weitesten Verbreitung dabei hat es das Volapük gebracht, das viel Aufsehen erregte und dessen geistvoller Erfinder, der Prälat Johann Martin Schleyer, in Konstanz am 18. Juli seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Schleyer legte seinem
System in erster Linie das Englisch zugrunde, nicht wie es geschrieben, sondern wie es gesprochen wird, daneben wählte er auch aus anderen europäischen Sprachen seine Wortstämme. Er soll 80 Sprachen beherrschen.
Are Memörandt-Statue in Aeiden. (Zu der Abbildung auf vorstehender Seite.) Ähnlich wie im Jahr 1905 von der gejamten Kulturwelt an seinem 150. Todestag die Erinnerung an Schiller einmütig gefeiert
wurde, so fanden sich jetzt überall danlbar und freudig gestimmte Seelen
zusammen, die dem Genius Rembrandts zu des Künstlers 300. Geburtstag am 15. Juli ihre Huldigung brachten. Rembrandt-Feiern ohne Zahl — überall das Bemühen, diesen Größten unter den Großen
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Das neu enthüllte Schiller-Denkmal in Teschen.
Ausgeführt von H. Schwache.
Im Zielergraben der Festscheibe. L Co.. München, pyot.
Vom 15. Deutschen Bundesschießen in München.
lebendig zu erhallen, soweit er sich nicht selbst lebendig erhält durch seine unvergängliche Kunst. In Holland waren selbstverständlich diese Erinnerungsfeste besonders warm und feierlich, und dort wiederum in Amsterdam, wo er als armer Mann gestorben, und irr Leiden, wo er geboren war. Hier übergab man u. a. der Tffentlichkeit eine Statue Rembrandts, die am 14. Juli enthüllt wurde und eine Schöpfung des Bildhauers T. Dupuis ist.
Jom 15. Deutschen Bundesschießen in München. (Zu den
obensteheuden Abbildungen.) Mit dem 22. Juli hat das bunte Festtreiben auf der Münchener Theresienwiese seinen Abjchluß gefunden, das am 15. Juli mit einem künstlerisch vollendeten Festzug eingesetzt hatte. In unabsehbarer Fülle zogen die farbenprächtigen Gruppe:: durch die festlich geschmückten Straßen, als eine der gelungensten der vor: acht glänzend ausgeschirrten Schimmeln gezogene Wagen der Glücksgöttin, deren Laune in de:: sieben Festtagen eine so bedeutsame Rolle spielte. Besondere Ausmerlsamkeit verlangten auf dem Festplatz die schießtechni- schen Anlagen, wie die Einrichtung der Ziele rgräben, die auf einer Schießstätte von hauptsächlicher Bedeutung sind. Nicht weniger als 9950 Kubilmeter Erdreich mußten ausgehoben werden, um diese Zielergrüben zur Aufnahme der Scheibenstöcke, der Bedienungsmannschaften