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sitzen zu lassen. lind schließlich, daß die Konstruktion dieser Sitze den orthopädischen Regeln widerspricht. Die Sitze sind so breit, daß die Kinder entweder die Füße nicht aufstellen oder den Rücken nicht anlehnen können (ein Fehler, der sich so ziemlich bei allen Sitz- und Sportwagen findet). Durch eingeschobene Kissen läßt sich der Fehler gewöhnlich nicht gut machen, denn weiche Kissen verändern ihre Form, harte Kissen gleiten mitsamt den Kindern von der glatten Unterlage ab. Man überzeuge sich auf der Straße, wie jämmerlich verkrümmt und bucklig die Kleinen oft dasitzen, und man wundere sich dann nicht mehr über die große Zahl der Wirbelsäulenverkrümmungen.
Der Rahmen des Kinderwagens wird aus Weide, Rohr oder Holz hergestellt. Die geflochtenen Körbe haben gegenüber den Holzkästen den Vorzug besserer Ventilation und größerer Dauerhaftigkeit (das gestrichene Peddig- oder Maschinenrohr ist noch dauerhafter als Weide). Das Geflecht, das möglichst einfach und weitmaschig sein soll, läßt sich leicht durch Abstauben mit einem Pinsel oder durch Abspritzen mit Wasser reinigen. Den freien Rand des Geflechts darf nicht ein Rohrkranz bilden, da sich in diesem leicht Ungeziefer ansammelt, sondern ein glatter Holzstab. Der Boden des Wagens wird am besten gleichfalls aus weitmaschigem, festem Rohrgeflecht hergestellt. Die Farbe des Wagenbehälters ist nebensächlich. Wünschenswert ist ein weißer Anstrich — sofern nicht Vleiweiß verwendet wird — weil er jede Beschmutzung oder Verstaubung des Wagens leichter erkennen läßt und gebieterischer die Reinigung fordert. Die vielfach gemachte Angabe, daß ein weißer Anstrich des Wagens den Augen des Kindes schade, ist unüberlegt, denn das Kind bekommt ja die Außenseite des Wagens nicht zu Gesicht, und die Innenseite ist — wenigstens bei dem Korbwagen — stets mit einem Bezug versehen. Dieser Jnnenbezug besteht gewöhnlich aus Ledertuch, angeblich um die leichtere Reinigung des Wagens zu ermöglichen. Wie uns aber unser Riechorgan jederzeit überzeugen kann, gestattet das Wachsoder Ledertuch keine genügende Ventilation des Wagens, hat auch an sich schon einen üblen Geruch. Diese Nachteile findet man in erhöhtem Maß bei den — glücklicherweise sehr teueren — hocheleganten Wagen, deren Innenwände und Boden mit dicker, ledertuchbespannter Polsterung versehen sind.
An Stelle dieser gesundheitschädlichen Bezüge sollte ein solcher aus Waschstoff treten, der eingeknöpft und bei Beschmutzung leicht herausgenommen und gewaschen werden kann. Aus Reinlichkeits- und Gesundheitsrücksichten wäre er aber ebenso oft zu wechseln wie die übrige Wagenwäsche. Erfahrungsgemäß bietet ein solcher Bezug genügend Schutz. Wolle ist weniger geeignet wegen der leichteren Staubansammlung und schwierigen Reinigung.
Die übrige Einrichtung des Wagenbehälters muß die nämliche sein wie die eines Betts.
Die Kinder werden im Tragkissen, spätestens nach dem dritten Lebensmonat mit Windelhöschen, Strümpfen, gestrickten Schuhen und einem Flanellhängerock bekleidet in den Wagen gelegt. Letztere Bekleidung ermöglicht den Kleinen die sehr wünschenswerte völlig freie Beweglichkeit ihrer Gliedmaßen. Zum Schutz legt man im Sommer eine wollene Decke, im Winter außerdem noch ein Federbett auf, das aber nur so weit gefüllt sein darf, daß es sich überall der Gestalt des Kindes anschmiegt, und nicht etwa wie ein prall gefüllter Ballon auf dem Leib des Kindes hin und her schaukelt und zu beiden Seiten Luft Zuströmen läßt.
Eine leichte, über den Wagen gebreitete Decke schützt das Wageninnere vor Verstaubung. Sie mag in Grau, Grün oder Mattblau gewählt werden, keinesfalls aber darf sie von weißer Farbe sein, da die hiervon stark reflektierten Sonnenstrahlen die Augen des Kindes reizen und schädigen.
Um das Kind im Freien vor Wind, Regen und zu grellem Licht zu schützen, ist am Kopfende des Wagens ein Klappverdeck angebracht. Die Ausführung dieses Verdecke ist nun meist recht unhygienisch. Es wird fast ausnahmslos von Ledertuch hergestellt, gestattet also ebensowenig wie der übliche Bezug des Korbes die notwendige Zirkulation der Luft. Brennt die Sonne auf ein solches Verdeck, so entsteht im Wagen eine geradezu unerträgliche Atmosphäre, zumal, wenn noch die höchst überflüssigen Vorhänge zugezogen werden. Eine Spazierfahrt unter diesen Verhältnissen nützt natürlich den Kindern nichts, schadet ihnen vielmehr, denn sie liegen der frischen Luft völlig beraubt, kongestioniert und schwitzend in ihrem sehr unbehaglichen Gefängnis. Um diese Mißstände zu beseitigen, sollte man als Material des Daches grobmaschige Leinwand verwenden, die die Sonne abhält, dabei doch genügend Luft zutreten läßt und nur bei eintretendem Regen mit einem (sonst niedergeklappten) Ledertuchbezug versehen werden kann.
Vorhänge am Verdeck sind nicht nur überflüssig, sondern direkt zweck widrig und gesundheitschädlich. Das Gleiche gilt von dem beliebten Besatz des Dachrandes mit Klunkerchen und Troddelchen, die von den Kleinen sehr häufig losgerissen und in den Mund gesteckt werden. Ganz energisch muß auch davor gewarnt werden, baumeln des Spielzeug am Wagendach anzubringen. Bei den anstrengenden Versuchen, den in steter Bewegung befindlichen Gegenstand zu fixieren, werden die Kinder schwindlig und fangen an, stark zu schielen.
Nicht geringere Beachtung als der Wagenkorb verdient das Wagen ge stell. Es ist überflüssig, an dieser Stelle auf alle technischen Einzelheiten einzugehen. Es muß nur an den früher genannten Bedingungen festgehalten werden, daß der Wagen weder zu starke Erschütterungen, noch zu starke Schwingungen auslösen darf. Beides wird nach Aussage von Fachleuten bei Benutzung von deutschen Schwungfedern oder sogenannten Eifedern vermieden, während die früher viel benutzten Arabfedern zu hart, die englischen Vogenfedern, bei denen der Wagen beiderseits in Riemen hängt, zu stark schwingend sein sollen. Sehr wünschenswert ist leichte Gangart des Wagens, der zur Zeit von den Fabrikanten große Beachtung geschenkt wird. Technisch vollendet erscheinen die neuen Bicycleräder mit Tangentenspeichen und Gummireifen. Mit Rücksicht auf die Nerven der Kinder und Passanten sollte dafür gesorgt werden, daß die Rüder keine üble Musik aufführen, sondern regelmäßig gereinigt und geschmiert werden, was sich neuerdings, da die Räder durch eine einfache Druckvorrichtung mühelos von der Achse abzunehmen sind, leicht bewerkstelligen läßt. Einen Normalkinderwagen, der diese hygienischen Bedingungen erfüllt, stellt die obenstehende Abbildung dar.
Es erübrigt noch, einige Worte über die Benutzung des Kinderwagens zu sagen. Solange die Kinder zu jung sind, um ausgefahren zu werden, oder sooft schlechtes Wetter dies verhindert, sollte man die leichte Beweglichkeit des Kinderwagens dazu benutzen, auch den Säuglingen irr: Hause die Wohltat frischer Luft ohne Gefahr der Erkältung recht reichlich zuteil werden zu lassen. In der warmen Jahreszeit, indem man bei offenem Fenster den Wagen an eine vor Zuglust
NormaMnderwagen.
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1906. Nr. 32.