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Janfredrik liebte solch Überdiesträngeschlagen nicht, besonders nicht in der Zeit des Torfstechens. Er gedachie, ein wenig die Zügel anzuziehen, mit aller Vorsicht: Brün war ein hartmäuliger und bockiger Gaul. Er schob die Asche in seiner Pfeife zusammen und sagte bedächtig: „Klock Zwei geht das
morgen im Torfstich los. Kannst dir man beizeiten aufs Ohr legen."
Brün blieb stehen, nahm die Mütze ab, wischte den Schweiß von der Stirn. „Zu mein' Vergnügen lauf ich auch nich seit zwei Stunden zwischen die Äckers herum."
„Zu was denn?"
„Ein' muß nach dem Rechten sehen. Wenn du das nich mehr kannst, denn so muß ich's. Oder willst du dir von der Dem, der Trina, auf der Nase herumtanzen lassen?"
„Nich' von ihr un nich von dir, mein Jung', un von kein'. Aber es scheint, daß du mir was sagen möchtst. Denn so schieß man los."
Brün sah Janfredrik unruhig von der Seite an. Sein Eifer flaute etwas ab. „Ich mein', du müßtest's mir Dank wissen, Onkel Holm. Wenigstens einmal hast du mir ein Vorwurf gemacht, daß ich dir's nich früh genug angesagt Hab."
„Sag man, was du zu sagen hast."
Brün köpfte mit seinem Stock eine Kleeblüte. „Du hast doch heute den Stadtfratz, den Gerd Klünders, aus dem Haus geworfen ..."
„Vielmehr, ich Hab ihm nich hineingelassen."
„Mit den is Trina."
„Was?!" Aber Janfredrik zwang gewaltsam das auf- steigende Blut nieder, sprach gelassen: „Ich versteh dir woll nich ganz gut, mein Jung'. Das mußt' mir mal genauer sagen."
„Ich Hab schon seit zwei Tagen gemerkt, daß der Dem was im Kopf steckt. Wie sie denn heut mittag so Hastenich- gesehn ohne Hut durch den Garten ins Moor 'nausflitzt, bin ich ihr nachgegangen. Da Hab ich sie gesehen mit dem Menschen. Er hielt sie im Arm und küßte sie — und sie ihn auch."
Er brach ab. Janfredrik war ganz braun im Gesicht, und die Adern auf seiner Stirn schwollen. „Mit Gerd Klünders?"
„Ja, und das erstemal ist's woll nich gewesen."
„Es is gut. Wenn dein' Swester Trina heimkommt, schick sie in mein' Stube."
Steifbeinig stand er auf, ging langsam in die Haustür und über die Diele, die Füße nach sich ziehend wie ein Alter.
Verwundert sah Brün ihm nach, ein bißchen unsicher und beklommen. Hätte er lieber den Mund halten sollen? Aber das wäre gegen sein junges Mannesbewußtsein gegangen: Dirnen sollen Order parieren. Warf Janfredrik einen Kerl zum Hause hinaus, dann durfte kein Mädchen des Hauses heimlich mit ihm verkehren. Denn der Hausherr gibt das Gesetz für die Familie, besonders für die Weiber der Familie. Darin mußten alle Männer einander beistehen. Mochte Onkel Holm nur seinem Liebling den Kopf waschen.
Als Trina heimkehrte, ihr ganzes Wesen noch getaucht in eine Glut, so warm wie die, mit der die Sonne die Rückwand des Hauses vergoldete, fing Brün sie am Eingang ab.
„Du sollst zu Onkel Holm in sein Stube kommen."
Hochmütig warf sie den Kopf in den Nacken. „Hast mich wieder verklatscht? Ja? Hab ich den Kälbern zu viel Milch gegeben nach deiner Meinung?"
„Das wirst ja sehen."
„Ich seh's leider alle Tag, daß du kein' lebendige Kreatur ein' Bissen gönnst. Schämen tu ich mich für dich."
„Das kannst für dich selbst", murmelte er ihr nach.
Sie hatte die Tür von Janfredrik Holms Stube schon hinter sich zugezogen.
Janfredrik stand neben dem kleinen Tisch am Fenster, auf dem die Bibel lag, starrte durch die trüben Scheiben in die
untergehende Sonne. Eine ungeheure Aufregung kochte in ihm. Wieder griff einer der Klünders in sein Leben, wieder mit dreister Hand ihm gerade ins Herz. Das einzige, woran er in dumpfer Hoffnung sich festklammerte, war: Der Bursch hat
gelogen. Es ist nicht. Oder es ist anders.
Und nun klang die Tür. Er wandte sich um.
Das Mädchen sah erschrocken sein Gesicht.
„Du hast mich gerufen, Onkel Holm."
„Wo bist du gewesen?"
Sie zögerte. Er sah, es war nicht der Widerschein des Abendrots, was ihr Gesicht rötete.
„Ich war im Moor", antwortete sie leise.
„Allein?"
Sie schlug die Augen nieder.
„Allein?"
„Lieber Onkel Holm, hör' mich an."
Er packte ihr Handgelenk, drückte es zornig. „Nichts! Nichts! — Nur das eine! Warst du mit ihm? — mit dem Maler? — mit Gerd Klünders?"
„Ja."
Janfredrik Holm ließ sie los, lachte wild und laut.
„Ja! Ja! — Also wahr! Wahr!"
Und dann nahm er sich zusammen, klammerte sich an eine letzte Möglichkeit. „Ich Hab' zu heftig gefragt. Du hast nicht gesagt, wie es ist. Er hat dir überrascht. Snacken können die Klünders all'. — Es war nich mit dein Willen, daß er dich geküßt hat? Antworte! Antworte!"
„Ich Hab' ihn lieb, Onkel Holm, er hat mich auch lieb."
„Zum Narren hat er dich! Unglücklich wird er dich machen."
„Er will mich zu seiner Frau machen, Onkel Holm."
„Und das glaubst du?!"
„Ich glaub' alles, was er sagt."
Janfredrik ging aufgeregt durch die Stube, kehrte um, blieb vor ihr stehen. „Du bist ein Kind. Aber ich will mit dir sprechen, als ob du schon verständig wärst. Sieh, was du mit dem Bruder erlebst, das Hab' ich mit sein Swester erlebt. Ich Hab' ihr geglaubt, wie du ihm glaubst, so fest! So fest! Ich wär nich ein einsamen Menschen zwischen Fremdens heut, wenn ich's nich getan hätte. — Dir wird's gehen wie mir, kann sein noch slechter, weil daß du ein' Frau bist. Die
Klünders sind falsch."
„Gerd nich! Onkel Holm, lern' ihn kennen."
„Schweig! — Da is ein tiefen Graben, Trina, zwischen mir un alle Klünders. Un wenn du zu ihn hältst, denn is auch ein Graben zwischen mir un dir, Trina, — ein Graben, über den kein' Brücke je geschlagen wird. Das mußt' dir überlegen. Er oder ich. Er oder ich."
Trina sah ihn erschrocken an. Ihre Lippen bebten. All' die guten Stunden in Janfredriks Haus standen vor ihr auf. Aber daneben sah sie Gerds Gesicht, das sie anblickte mit dem Ausdruck der Liebe, der großen, die nur einmal im Leben aufblüht. „Onkel Holm, ich Litt' dich! Wie kannst von Wählen sagen. Immer, immer muß ich dich liebhaben."
„Denn wirst den Menschen nie Wiedersehen."
„Das kann ich nich."
„Was!?"
Janfredriks Faust schmetterte schwer auf den Tisch. Das Blut brauste ihm in den Ohren, und die alte Flamme des Jähzorns schlug ihm heiß ins Hirn.
„Was? Das sagst mir? — Das hast die Stirn, mir zu sagen? — Aus dem Schmutz Hab' ich sie aufgelesen, von der Straße, sie, und was zu ihr gehört — Hab' sie gefüttert, gewärmt, zu Menschens gemacht, alle drei. Und so wie ein glatter Bube ihr in den Weg kommt, ein hergelaufener Farbenschmierer, ein Lump, ein Lügner — schweig' still! Du wirst zu dein' Schaden sehn, daß er's ist! — kündigt sie mir auf, wie ein Magd ihr Stelle aufkündigt! — Aber noch bin ich kein Kinderspott." Er stürzte sich auf sie, packte ihrer: Arm, rüttelte sie. „Aus is' zwischen Gerd Klünders und dir!