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Hörst? Aus! Von diesem Augenblick an. Bescheid werd' ich ihm geben. Du unterstehst dir nich und sprichst noch ein Wort mit ihn! Du siehst ihn nie wieder. Das swörst mir."
Sie stand reglos unter seinem Griff. Aber der Schmerz in ihrem Blick verwandelte sich in Harte. „Und wenn du mich umbringst — so lang' ich leb', so lang Hab' ich ihn lieb."
Über Janfredrik kam plötzlich ernüchternd die Erinnerung. Hätte er denn anders gesprochen damals? Spricht jemand anders, dem die höllische Hexerei der Leidenschaft im Blut brennt? Narr, der er war, mit einer Närrin Vernunft reden! Anders, anders mußte er's anfangen.
Da ließ er das Mädchen los. Fast ruhig sprach er in der wilden Entschlossenheit, die über ihn gekommen war:
„Du bist krank. Das hatt' ich eben vergessen. Mit kranke Menschens schilt man nich. Die kuriert man. — Geh hinaus."
Aber Trina blieb stehen, zurückgehalten von der seltsamen Wandlung in seinem Wesen.
„Onkel Holm! Onkel Holm!" schrie sie auf.
„Geh hinaus", widerholte er.
Da ging sie aus der Tür.
Janfredrik sah sich mit rollenden Augen um. Also das war das Ende. Dem Bruder des Weibes, das ihn zum friedlosen Mann gemacht hatte, sollte er sein Bestes geben, die letzte Blume seines Herbstes, das letzte Abendrot seines Tags, das Stückchen Freude in seinem Büßerleben, ihm hingeben, damit er es zerfledere, wie böse Buben einen Schmetterling Zerfledern?
Seine Tochter! — An der Empörung in seiner Brust fühlte er, daß sie es ihm war. Er hatte immer Kinder liebgehabt. Daß er keine eigenen großziehen sollte, war ihm ein nie verwundener Schmerz. Aber die Liebe Zu Brüns Nichte hatte sich allgemach ihm ins Herz geschlichen, sacht, Tag um Tag und jedes Jahr mehr, bis es ihm schien, als wäre dies blonde, kraftvolle Mädchen Blut von seinem Blut, wäre wirklich sein. Und war er denn nicht mehr ihr Vater als Swensen, der Trottel, der ihr das Leben gegeben hatte? Zu einem vor Gott und Menschen wertvollen Geschöpf hatte doch nur er sie gemacht. Mit Vaterliebe umfaßte er sie. Und sollte ruhig zusehen, wie Sophees Bruder sie verdarb, wie einst Sophee ihn?! Besseres war er Brüns Andenken schuldig! Selbst gegen ihren Willen rettete er sie. Er fragte auch nicht nach dem Preis, wenn es ihre Rettung galt.
Er setzte die Mütze auf, ging zur Tür.
„Wir wollen das gleich in Ordnung bringen."
Im Hinausgehen streifte sein Blick die Flinte, die über der Tür hing. Nur einen Augenblick zögerte er. Dann nahm er sie vom Nagel, prüfte den Lauf, lud und warf sie über die Schulter.
Es gab keinen andern Ausgang aus der Stube als über das Flett, wo der Haushalt beim Abendbrot saß. Ohne ein Wort ging Janfredrik an den Essenden vorüber. Die Knechte stießen einander an. Es war nie vorgekommen, daß bei einer Mahlzeit Janfredrik an seinem Platz am oberen Ende des Tisches fehlte.
„Warum hat der Holm denn sein Schießgewehr mit?" fragte Margret Swensen grämlich. „Wo er doch nich auf die Jagd geht. O, Kinners, was is es für ein Mann! Nu hat er auch mit dich was vorgehabt, Trina, un du kannst doch sonst so gut mit ihn — was ich von mich ja nich behaupten will."
Trina konnte keine Silbe Hervorbringen. Die Wände drehten sich um sie. Vor Schreck stockten ihr sogar die Gedanken. Mit hängenden Armen saß sie, totenblaß, sah nicht, hörte nicht. Erst nach Minuten setzte die Tätigkeit ihres Gehirns wieder ein.
Ihn warnen! Das Gräßliche abwenden! Sich zwischen ihn und die Kugel werfen, wenn es keine andere Rettung für ihn gab!
Sie sprang auf. Ohne ein Wort lief sie hinaus, die Wiese entlang über die Brücke auf die Dorfstraße. Vielleicht war er heimgekehrt, saß bei Ehlers. Er durfte das deckende Haus nicht verlassen. Er mußte abreisen, morgen schon. Sie kam ihm nach, wenn er ries. Wie ein Wirbelwind drehten sich die Vorstellungen ihr im Kopf, während sie lief mit dem Schicksal, mit dem Tod um die Wette.
Nach Luft ringend, stürzte sie bei Ehlers über die Schwelle. Ihre Augen suchten. Er war nicht unter denen, die auf dem Flett saßen. Er war nicht in der Stube. Endlich konnte sie sprechen. „Is — is Gerd Klünders zu Haus?"
„Nee. Wat schall he denn? — Trina! Dern! — Wat is d'r to dohn?"
Sie antwortete nicht. Sie hatte die Tür schon wieder in der Hand, rannte am Brunnen, am Garten vorbei, den Grasweg entlang, den Gerd heut nachmittag gewandert war.
„Gerd!" Die Stimme hatte keinen Klang. „Gerd!" — Die hohen Halme schlangen den zitternden Laut ein. Nur die Heuschrecken im Gras hörten ihn — „Gerd!"
Sie bog um die Kornbreite. Da lag das Moor. Noch hing die lange weilende Sonne des Juni über seinem Rand, goß Purpurglanz über das Schneefeld der Flockengräser, den Wildbruch. Kein Mensch, kein lebendes Wesen, so weit die Blicke trugen.
Sie hastete weiter, an den Kornfeldern von Schmalenbeek hin, weiter, ins Moor hinaus, dem Birkenbusch zu. „Gerd! Gerd!"
Und immer im lauschenden Ohr die Vorahnung des scharfen Flintenknalls, vor dem sie bebte.
Aber wie sie horchte, wie sie spähte, nicht Gerd, nicht Janfredrik. Und kein Laut als das Zirpen der Grillen, der Glockenton der Unken in den Tümpeln.
Sie lief, bis die Sonne hinunter war, die Sterne am tiefdunkeln Himmel aufzogen, von Torfstich zu Torfstich, von Virkenbusch zu Virkenbusch — bis die müden Füße im Kraut strauchelten und sie zur Erde stürzte.
Dort lag sie, von Erschöpfung an den Boden gekettet, mit keuchender Lunge, mit zum Zerspringen klopfendem Herzen. Es dauerte lange, bis sie aufstehen und sich nach Hause schleppen konnte. (Schluß folgt.)
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Sturmwind, du mächtiger, Toller Geselle,
Trotziger, wilder. Erprobter Kumpan,
Du in den schaffenden Lüften geborener, Sturmwind, du Herrscher, Dich rufe ich an!
Sturmlied.
Löf' mich aus lähmender. Bleierner Fessel, Atemberaubter, Todbergender Ruh',
Füll' meine Seele Mit brausendem Odem, Weit soll sie werden Und kraftvoll wie du!
Dort aus den Wolken Und Bergen der Heimat,
Deiner wie meiner,
Komm' endlich herbei,
Frei lass' uns jagen In sel'gem Vereine,
Lachend der Fliehenden, Sturmwind, juchhei!
Gertrud Letd.