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ru begehen ohne frauenblatt in wöchentlichen Nummern vierteljährlich 2 m. oäer in vierrehntäglichen voppelnummern 3U je ro ?k.r mit frauenblatt in wöchentlichen Heften 2 u je 25 ?f. oäer in vierrehntäglichen üeppellieften ru je 59 ?f.
Ein wunderlicher Heiliger.
(3. Fortsetzung.) Von Rudolph Stratz.
ie können das nicht leugnen, Fräulein Rasmussen!" sagte Erich Bardefleet, während sie nebeneinander durch den weiten Palmenpark des Ghezirehpalastes gingen. „Sie haben sich ganz merkwürdig verändert in den letzten acht Tagen!"
„Mag sein!"
j „Und wollen Sie mir nicht irgendwie verraten, wodurch
i diese Wandlung bei Ihnen eingetreten ist?"
1 „Sie würden das nicht verstehen, Herr Bardefleet!" sagte
Thomasine Rasmussen. „Und wenn Sie es verständen, würden 's Sie es nicht billigen! Das weiß ich im voraus..."
„So? . . . Und ich Zerbreche mir inzwischen den Kopf, wie ich Sie aufheitern soll — ich veranstalte jeden Tag was Neues — ich Hab Ihnen durch die italienischen st Sänger ein Ständchen bringen lassen, und Sie haben kaum
hingehört — wir waren draußen beim Polospiel, bei s den heulenden Derwischen, beim Empfang des Khedive, bei
! der großen Parade des Sirdar — Sie haben überall ge-
1 gähnt — ich habe eine Dahabye für Sie gemietet, und
1 Sie sind beinahe eingeschlafen, mitten im lustigsten Segeln
den Nil hinauf — — ich weiß kaum mehr, was ich
^ Ihnen noch bieten soll, damit Sie nicht mehr so gelangweilt
^ aussehen ..."
> „Es ist eben kein Vergnügen, sich fortwährend zu amü-
-! steren!"
^ Ihre Antwort verblüffte ihn. Stumm schleuderten sie
weiter, zwei hohe, ganz in Weiß gekleidete Gestalten — blond-
- - haarige, blauäugige Fremdlinge inmitten der Palmen- und
! Blumenpracht, des morgenländischen Farbentraums des Gartens
von Ghezireh. Der war so groß, daß man sich darin verlor.
! Ganz in der Ferne schimmerte das ehemalige Schloß des
s. Vizekönigs, wo jetzt, was in der Alten und Neuen Welt
! Millionen und Fürstenkronen besaß, den Winter über am Nil
sich sonnte. Aber dazwischen gab es weite Rasenflächen ^ dichte Baumgruppen — blumenübersätes Buschwerk. — Niemand beobachtete einen, wenn man da wandelte, und nun
- begann Erich Bardefleet wieder: „In kurzem reisen Husebecks
mit Ihnen nach Europa zurück, Fräulein Rasmussen. Und es ist noch Vieles zwischen uns nicht gesagt, was einmal gesagt werden muß ..."
Er wartete einen Augenblick auf irgend eine Antwort von ihr, und da keine erfolgte, fuhr er lebhaft fort: „Sie sagen, Sie langweilen sich beim Vergnügen! Ja — dann ist's eben
keines! Das Leben ist eine Kunst. Die muß man lernen und üben. Dann lohnt sie sich. Und ich habe sie mir zu eigen gemacht. Ich könnte solch einen guten Lehrmeister für Sie abgeben."
Sie schwieg. Darin lag für ihn keine Ermutigung. Aber er blieb dabei: „Sie ahnen ja nicht, wie schön die Welt zu zweien ist. Und sie ist so groß. Man kann überall zu Hause sein. Diese sonnige Erinnerung, die Sie jetzt von Ägypten mitnehmen, die läßt sich doch immer wieder in die Gegenwart übertragen. Ich kannte einmal einen alten Engländer — der reiste immer dem Frühling nach — über die ganze Erde — um seine Knochen zu wärmen. Im Winter in Algier, im März in Palästina, im April in Italien, im Mai in Paris und London, im Sommer im Hochgebirge, im September an der See, im Oktober auf der Jagd und dann wieder nach Süden, nach Teneriffa, nach Ceylon, Herrgott ja, heutzutage gibt's ja keine Entfernungen mehr, — was würden Sie zu solch einem Jahr sagen?"
„Nichts!"
Zuerst stutzte er, dann lenkte er ein: „Nun ja, man
macht sich dann natürlich auch seßhaft. Aber auch da hat man die Wahl, eine Burg am Rhein, eine Villa am Gardasee, ein Jagdschloß in Oberbayern, ein alter Palast in Venedig, wir sind ja ganz frei. Wir können tun und lassen, was wir wollen, und wo wir find, finden wir den Tisch für uns gedeckt. Denken Sie nur, Fräulein Rasmussen, so alles hinter sich lassen, die Sorgen, die Arbeit, die langweiligen Menschen, die sich an einen hängen, sich um nichts kümmern, immer nur dahin gehen, im eigenen Auto, in eigener Jacht, wo die Welt noch ein bißchen nett ist, und wo man gleichgestimmte Seelen findet, und das alles dann gemeinsam doppelt genießen, weil man geistesverwandt ist, Sie und ich . ."
„Was ist denn dabei nun eigentlich zu genießen?"
„Herrgott ja . . Fräulein Rasmussen, was ich Ihnen eben jetzt schilderte, dies Leben in höherem Sinn ..."
„Das ist kein Leben in höherem Sinn, Herr Bardefleet! Das ist einfach Müßiggang. Leere nach innen und außen. Die fühle ich schon jetzt. Die würde schließlich ja ganz gräßlich werden."
„Aber erlaube!: Sie mal! ..."
„Nein! Ich erlaube nicht! In Ihrem eigenen Interesse nicht, daß Sie so fortfahren! Sie konnten gar nichts Um
1906. Nr 39.