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anstieg. Nun, und diesen Abhang hinauf strebten die Krabben, um auf den freigelegten Stellen der Jagd auf die so wundervoll wohlschmeckenden Sandhüpfer obzuliegen. Seitwärts, eilfertig, huschten sie über den weißen Sand davon, rannten um die den Weg sperrenden Steine herum oder kletterten auch über sie hinweg, wie es eben am schnellsten ging.
Das Fischlein blieb allein zurück, und, nachdem es eine kleine Weile ernst nachgesonnen, wandte es sich wieder dem offenen Meer zu mit dem festen Entschluß, nicht eher zu ruhen, als bis es einen 8tiellopu8 gefunden habe.
So schwamm und schwamm es denn rastlos dahin, immer ängstlich umherspähend, und jedem Fisch, jeder Oualle, Seeblase, Meerschildkröte, oder was da sonst an Getier sich umhertreibt, geschickt ausweichend. Nach und nach kam es dann wieder ins tiefere Wasser, schwächer wurde das Tageslicht, blasser die Dämmerung der weiten, grünlichen, einförmigen Fluten. Unten lag wieder verschwommen der Algenteppich, nach oben zu nichts als Wasser, eine so hohe Schicht, daß all das zauberhafte Rot der Sonnenstrahlen keinen Rosenschein mehr zu hauchen vermochte. Übrigens hielt sich lüoraster jetzt doch näher am Grund, denn er sagte sich, daß er eine Seewalze nur dort unten finden könne.
Da erschaute er denn einmal ein seltsames Tier. Wie ein dicker, flacher Wulst lag es auf einem Stein, fleischfarben mit fast viereckigen weißen Flecken, diese besonders an den beiden Seiten entlang laufend. Ein Mensch würde lebhaft an einen ausgelösten und gespickten Hasenrücken erinnert werden. Aber der Schlangenaal war ja kein Mensch und hatte einen gespickten Hasenrücken nie gesehen
Doch, neugierig geworden, wünschte er, zu erfahren, wer das komische Tier sei. So schwamm er denn in schräg
senkrechter Richtung hinab und umkreiste den Gegenstand seiner
Neugierde erst einigemal mit Vorsicht. Da der flache
Wulst aber ganz ruhig lag, meinte er, daß ihm von dort gewiß keine Gefahr drohe, kam naher heran und redete das Tier sogar an:
„Du siehst ja sehr seltsam aus — wer bist du denn?"
Der Wulst rührte sich träge ein wenig. „Ich bin ein 8tiebopu8 ro^alis."
„Was — ein — 8tiellopa8?" schrie lüer^ter ganz beglückt — „dich suche ich ja!"
„So — mich suchst du?" Der Wulst richtete sich ein klein wenig auf. „Und wer bist denn du? — Ach so, ein Schlangenaal. Ja, mit euch halten meine Brüder ja recht gute Freundschaft."
„Dann laß uns auch Freundschaft halten", flehte das Fischlein innig.
„Na — meinetwegen", sagte 8tiellopu8 . . .
So hatte Schlangenalchen denn eine Heimat gefunden. Fröhlich und sorglos lebte es nun im Körper des neuen Freundes, der ihn: zum lebenden, Schutz gewährenden Haus und Heim geworden war. Karn ihn die Lust dazu an, so schlüpfte er hinaus ins freie, klare, grünliche Wasser, schwamm über den Algenteppich dahin, wiegte sich in der kühlen Flut und suchte wohlschmeckende Nahrung. Und dann fand er, daß das Leben ganz wunderschön sei. Nahte aber ein Getier, das ihn zu verspeisen wünschte, so war er blitzschnell in seinem schützenden Heim verschwunden. Und er freute sich ganz unbändig, daß in dieser gefräßigen Welt, in der immer ein Tier das andere verschlingen will, ihm nun doch keines mehr etwas antun konnte.
Und er wird auch wohl wirklich nicht eher gefressen worden sein, als bis ein ganz großes hungriges Maul. . . ihn mitsamt dem 8t1ellox>u8 verschlungen. . .
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Das Grab Karls des Großen.
Von Alois
ie zu Beginn des elften Jahrhunderts niedergeschriebene Chronik von Novalese bringt zuerst die Erzählung, daß Otto III. im Jahre 1000 in einer Gruft im Aachener Münster die Leiche Karls des Großen auf dem Thron sitzend, mit der Krone auf dem Haupt, Schwert und Reichsapfel in den Händen, angetan mit prachtvollen seidenen Gewändern, ausgefunden habe. Rethel hat diese dramatische Szene, wie Otto III. unter dem Glutschein der Fackeln seiner Begleiter in das Totengemach seines großen Vorfahren tritt, in einer der Fresken im Krönungssaal des Aachener Rathauses in großartiger Komposition in wirkungsvoller Weise festgehalten. Und im ältesten Teil des Münsters, in dem durch acht mächtige Säulenpfeiler gestützten Oktogon, bezeichnet seit Jahrzehnten eine große Steinplatte mit der einfachen Inschrift „O^UOUO die Stelle,
unter der der alte Frankenkaiser in der von der Chronik Novalese geschilderten Form beigesetzt gewesen sein soll. Heute wissen wir, daß diese Annahme ins Reich der zahlreichen kraftvollen Mythen gehört, die sich im Lauf der Jahrhunderte um die Gestalt dieses gewaltigen Herrschers geschlungen haben. Es ist das Verdienst des Aachener Geschichtsforschers Lindner, vor einigen Jahren unwiderleglich die Haltlosigkeit jener Fabel dargetan zu haben. Nachgrabungen an genannter Stelle in ganz gehöriger Tiefe, die auf Napoleons Anordnung vorgenommen wurden, haben außerdem den sichersten Beweis erbracht, daß die Ansicht, es habe sich jemals in der Mitte des Oktogons eine Gruft befunden, vollständig unhaltbar ist.
Daß der Kaiser im Münster, und zwar innerhalb dessen ursprünglicher Oktogonform, begraben wurde, geht unzweifelhaft aus dem Bericht Einhards, des Biographen und Zeitgenossen Karls des Großen, hervor, der die Bestattung wie
Nießner.
folgt beschreibt! „In der Pfalzkapelle wurde er am selben Tage, an dem er gestorben war, begraben, und über seinem Grab wurde ein vergoldeter Bogen mit Bildnis und Inschrift errichtet."
Wo war diese Grabstelle? Diese Frage beschäftigt seit den Feststellungen Lindners unausgesetzt einen großen Teil der rheinischen und namentlich der sehr eifrigen Aachener lokalen Geschichtsforschung. Die Buchstabenhistoriker konnten sich von der Oktogonmitte als einzigem würdigen Begäbnisort für den großen Kaiser nicht trennen, und wenn auch für sie seit Lindner die Mythe von der wunderbaren Beisetzung des Kaisers endgültig abgetan war, so glaubten sie dennoch, er sei in der Mitte des Oktogons in einfacher Weise bestattet worden. Sie vertrauten dabei der Tradition, die sich seit dem Aachener Geschichtschreiber a Beeck zu Anfang des 17. Jahrhunderts ausschließlich aus die Oktogonmitte bezieht. Wer einmal im Oktogon steht und seine Blicke hinaus wandern läßt zu der mit herrlichen Goldmosaiken ausgelegten Kuppel, von der die riesenhafte Lichterkrone Friedrich Barbarossas leise herniederschaukelt, wer den feingegliederten Säulenbau dieses Achtecks in seiner ganzen Schönheit empfindet, der wird, wenn er zu seinen Füßen die lakonische Inschrift über den Franken kaiser liest, überwältigt von geschichtlichen Erinnerungen, sich einer gewissen feierlichen Stimmung nicht erwehren können und darauf schwören, daß, wenn irgendwo in seiner Grabeskirche, der Kaiser nur hier in der Mitte des Oktogons begraben gewesen sein könne. Und doch irrten Gefühl und Tradition.
Professor Buchkremer von der Technischen Hochschule in Aachen machte während der ewigen Wiederherstellungsarbeiten im Münster im Jahre 1902 eine ganz überraschende Entdeckung.