Heft 
(1906) 42
Seite
903
Einzelbild herunterladen

903

in Bewegung, umVerdienst zu erwerben". Auch Gebetsmühlen, die regelrecht durch Wind oder Wasser getrieben wurden, sahen die Reisen­den mehrsach. Das Hauptnahrungsmittel der Tibetaner in den von Aßmy durchzogenen Gebieten ist ein Gericht aus Mehl, verriebenem Käse und Salz; es wird mit Tee in den hölzernen Eßnäpfen zu­sammengeknetet. Höchst merkwürdig berührt uns der Gruß Die auf ihren Ponys oder Vals (Grunzochsest) reitenden Tibetaner, die stets auf den: Rücken die lange Luntenflinte und die zweizinkige Auflegegabel tragen, grüßen nämlich, indem sie eine Hand mit emporgestrecktem Daumen

und Angeschlagenen Fingern erheben und die Zunge weit hervorstrecken, vr. A. Hn. Adelaide Mstori ck- (Zu dem nebenstehenden Bildnis.) Keiner aus der jüngeren Generation hat die große Tragödin je in ihren: Glanze gesehen, und die ältesten unter uns müssen fast drei Jahrzehnte in ihren Erinnerungen zu- rückblttttern, um ihr schönes Bild aus den mählich ver­blaßten Farben wieder in sich er­stehen zu sehen! Am 29. Januar 1822 zu Cividale in Frianl geboren, ging sie ganz jung zur Bühne, wo anfangs ihre Be­gabung mehr für das Lustspiel geeignet erschien. In der Zwanzig­jährigen aber schon offenbarte sich die große Tragödin. Nach ihrer 1847 erfolgten Verheiratung mit dem Marchese Ginlino del Grillo unterbrach sie während einiger Jahre ihre künstlerische Tätigkeit. Als sie sie wieder von 1855 ab mit eigener Truppe aufnahm, hatten ihr Wesen und ihre Kunst die Steigerung und die Fülle der Vollendung erlangt. Der Medea und Franeesea da Rimini, Legouvas Beatrix und der Maria Stuart lieh sie ihr schönes, reinwie eine antike Gemme"

geformtes Antlitz, die tiefe, hinreißende Leidenschaft ihrer Seele, den warmen, tönende:: Klang ihrer Stimme. Ihr lauschte die Welt: quer

durch Europa, dann durch ganz Amerika, schließlich selbst nach Australien führte sie die bunte Fahrt.

Nun starb sie au:

9. Oktober in Rom,

84jährig. Zwei Kin­der trauern um sie.

HinHemmelwers- Denkrnal in Buda­pest- der Geburts­stadt des genialen Entdeckers der Ursache des Kindbettfiebers, wurde am 30. Sep­tember d. I. ent­hüllt. Semmelweis'

Leben (18181865) ist ein tragischer Kampf gegen Dumm­heit und Böswillig­keit gewesen. Seine feste Überzeugung, daß das mörderisch austretende Kindbeltfieber (es starb oft die Hälfte der in den Kliniken behandelten Kranken, während jetzt nur durchschnittlich ein Todesfall auf 2000 Geburten entfällt) durch die schlecht desinfizierten Hände des behandelnden Arztes bedingt werde, stieß ans den leidenschaftlichen Widerspruch der Fachgenossen. Haß und Hohn war die bittere Ernte dieses Forscherlebens, das unverhältnis­mäßig früh und im Wahnsinn schloß. So war denn also diese Denk- malsenthüllung eine jener Ehrungen, die an den: großen Toten gut­zumachen suchen, was an den: Lebenden gesündigt wurde. Das Denkmal, von Alois Strobl aus karrarischem Marmor gebildet, erhebt sich in einer kleinen grünen Parkinsel der Innenstadt, in einer Höhe von sieben Metern. Es trägt auf hohem Sockel, den Amoretten um­spielen und Efeu- und Eichenzweige anmutig umkränzen, die über­lebensgroße und dennoch schlichte Bildnisfigur. Semmelweis ist stehend dargestellt, in ungarischer Tracht, mit Büchern in der Linken. Der stille, gütige Blick ist nach abwärts gerichtet, dahin, wo am Fuß des Denkmals eine junge Mutter sitzt: sie hat ihr

Adelaide Mstori -h.

Denkmal für I. PH Semmelwels tn Budapest Ausgeführt von Alois Strobl.

Die Vorstandsmitglieder des Vereins der deutschen Sortimenter.

OE?