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Das Llnklerden der Puppen.
Bas uns, als wir Kinder waren, der Inbegriff aller Lieblichkeit zu sein schien, würde der „Jugend von heute" nur ein mitleidiges Achselzucken entlocken; sie hat über Puppenschönheit ihre bestimmten und sehr „modernen" Ansichten.
Und der Modelleur trägt allen Wünschen Rechnung. Er übertrifft sich selbst und knetet und drückt, schabt und kratzt an der neuen Gipsform herum, bis das Mäulchen genau so lächelt, wie's ihm in Traum und Wachen vorgeschwebt, bis das Grübchen im Kinn und die Flügel des winzigen Naschens so reizend sind, daß auch die anspruchsvollste Mama nichts mehr daran auszusetzen findet.
Im Schmuckseiner schimmernden Lockenpracht, seiner Perlen- zähnchen und Schlafaugen wartet das Püppchen nun auf die Kleidung. Manch eines muß sich freilich vorläufig mit einem dünnen, spitzenbesetzten Hemdchen begnügen, denn es gibt heute noch Mütter, die Zeit und Lust haben, das rosige kleine Ding selbst herauszuputzen. Wohl den Kindern, für die Mutterhände so heimlich und lieblich beschäftigt sind, die noch hinter verschlossenen Türen auf das Rattern der Nähmaschine lauschen und sich nicht genug darüber wundern können, wie nur das Christkind im Himmel droben Zum Puppenkleidchen genau den gleichen Stoff gefunden, den Mutter hier unten im Laden für das Schulkleidchen der Puppenmama erstanden hat.
Zum Aus- und Anziehen müssen die Püppchen sein, sonst hat auch die prächtigste Toilette ihren Zweck verfehlt. Denn die
Puppe soll kein Schaustück sein für das Kind, kein „Rühr' mich nicht an", das nur bei besonderen Gelegenheiten einmal hervorgeholt wird, sondern der tägliche Spielgefährte, der seine Freuden und Schmerzen teilt und auch einen Puff vertragen kann.
Das Erziehungsmoment im Puppenspiel ist längst anerkannt und gewürdigt worden, ebenso sollte man der Gefahr eingedenk bleiben, die in der allzu großen Verfeinerung dieses Spielzeugs liegt. Es gibt einen Punkt, wo die Vervollkommnung keinen Fortschritt mehr bedeutet, sondern einen Rückschritt, ein Unrecht, das man am Kind begeht. Die wundervolle Kinderphantasie, die keine Hindernisse und Schranken kennt, die das Ärmlichste verklärt und anr Geringsten sich allmächtig erweist, schläft ein und verkümmert, wenn sie keine Gelegenheit mehr hat, sich zu betätigen.
Glücklicherweise ersteht dieser Gefahr der beste Helfer im Kind selbst. Ist es gesund und unverbildet, wie ein wirk-
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Fertige Puppen.
liches Kind es sein muß, so wird es dem überfeinerten Spielzeug den Rücken kehren und statt zu der Puppe, die ihm nichts mehr sagt und gibt, wieder zur — Fußbank greifen, wie schon Mutter und Großmutter getan.
Professor Dr. A. Zaöktdowskr ch. (Zum Bildnis auf der nächsten Seite.) Am 25. November d. I. ist in Berlin Professor I)r. I. Zabludowski im Alter von 55 Jahren gestorben. Die Ärzte Berlins betrauern in ihm einen hervorragenden Kollegen, die Heilkunde einen ihrer eifrigen Förderer, und auch die „Gartenlaube" wird ihm ein treues Andenlen bewahren, da er zu ihren Mitarbeitern gezählt hat. Zabludowsli wurde zu Bialystok in Rußland geboren, er widmete sich dem medizinischen Studium und wurde russischer Militärarzt im Preobraschenskischen Garderegiment. Anfang der achtziger Jahre ließ er sich in Berlin nieder, nachdem er das deutsche ärztliche Staatsexamen gemacht hatte. Um jene Zeit kam eine Heilmethode, die verschiedenen Völkern seit langem bekannt war, in Europa aber vernachlässigt wurde, in Aufnahme. Es war dies die Massage. Zabludowski widmete sich ihr mit vollem Eifer. Die Kunst des Massierens, die so lange von Badern und Schäfern oder Streichfrauen geübt wurde, stand damals noch auf schwachen Füßen. Es galt, sie wissenschaftlich zu prüfen, ihre Wirkung auf den Körper
festzustellen, die Krankheitsfälle zu ermitteln, für die sie sich besonders eignete. Es lag natürlich nahe, sie mit der Heilgymnastik zu verbinden. Auf beiden Gebieten bewährte sich Zabludowskis ärztliche Tätigkeit, und er darf heute zu den Gründern der modernen, auf wissenschaftliche Grundsätze gestellten Massage zählen. Ganz besonders widmete er sich dem Gebiet der Beschäftigungsneurosen, wie Klavierspielerkrampf, Schreibkrampf und dergleichen. Die Ersahrungen, die er in dieser Hinsicht gesammelt hatte, führten ihn auch zum Ersinnen von Mitteln, die solche Erkrankungen verhüten könnten. Vor nicht langer Zeit überraschte er die Welt mit der „Jugendklaviatur". Sie kann, wie unsere Leser sich erinnern werden, an die Stelle der gewöhnlichen eingeschaltet werden; da sie in ihren Maßen der kleineren Hand der Kinder angepaßt ist, ist sie wohl geeignet, einer frühzeitigen und schädlichen Übermüdung der Muskeln zu steuern. Auch die hygienische Seite der Massage wurde von Zabludowski berücksichtigt, und in einer der letzten Jahrgänge der „Gartenlaube" (1904) gab er treff-