Heft 
(1906) 51
Seite
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Herr, was fragst da lang, hätt' i dir an Sechser hin- leg'n soll'n? Wärst nacher auf d' Gretenburg ganga, oder war dir der zweit' Schuß besser brocha?"

Ich schwieg betroffen von dem Argument. Das Alm­mandl sprang hastig ins Holz, als ob uns der Aufbruch reuen könnte.

Wohin denn?" rief ich ihm nach.

Hoam, zu meiner Brottragerin, alloan schmeckt's ma net."

Das Almmandl is scho' recht," sagte plötzlich der Jakl, hätt' ihn ja an' Lump'n a verrat'n könna."

Ich war ärgerlich über diese Inkonsequenz.

So, gestern warst du anderer Meinung."

Ja, so a Gamsbock am Buckl, der draht allerhand um in ein'm die Brottragerin nahm i a no' zum Wei', wenn's alleweil' so gang..."

Ein Jahr darauf ging das Almmandl und die Brot­tragerin ab.

Man hatte sie gegen die Bodenscheid zu aufsteigen sehen im tiefsten Schnee, in das Rottachersche hinüber wohl. Man hörte nichts mehr davon. Das war im Winter nichts Auf­fallendes. Als das Frühjahr kam, fand der Almer von der Fürst zwei Leichen gleich unterhalb der Gretenburg, noch halb von Schnee bedeckt, man erkannte das Almmandl und die Brottragerin.

Ein zerfetzter Wettermantel und ein Rock waren über das Weib gebreitet, das Almmandl hatte nur ein zerflicktes wollenes Hemd an.

Er saß aufrecht an eine Fichte gelehnt, der Kopf des Weibes war in seinen Schoß gebettet. Im Sack fand man nichts als ein altes Stück Brot und ein bißl Freimanteikraut, mit dem er seine Viehkuren trieb, und ein schmutziges Spiel Karten leider hatte der Finder sie verbrannt in seinem Aberglauben, ich hätte mir sonst das Grasas aus­gebeten zur Erinnerung an das wackere Almmandl!

^ Sprüche

Gesunder Baum und gesundes L>erz Verwinden viel Schaden, verwachsen viel Schmerz; Vernarbte Riffe deckt frisches Grün,

Aus altem Jammer sproßt neues Blühn.

II.

Manchem, dem der Lenz verregnet. Den des Sommers Glut gedrückt, Einst der Äimmel, fruchtgesegnet, Einen Äerbst voll Sonne schickt.

Hl.

Warum aus dem Becher der Freude, dem vollen.

Oft deine Lippe den Zug nicht tut?

Fehlt dir nicht manchmal zum Glücklichseinwollen,

Liebe Seele, nur Mut?

ZUelkeiU Stier.

Oie Olavibakn in Oeutscb - SUclwestafrika.

von Hanns M. Hirsch.

(^eulschland als junge Kolonialmacht beginnt jetzt Nutzen aus seinen Kolonien zu ziehen. Die für die landwirtschaft­liche Erschließung geeigneten Besitzungen, besonders Kamerun, Togo und Deutsch-Ostafrika, sind im Zug gesunder Entwicklung;

weniger Vertrauen fand bis- her Deutsch-Südwest- afrika, das Land, um das unsere braven Truppen so heiß ge-

/.,...ch kürnpft

haben die Expeditionen, die infolge der früher im Herero­land gernachten Goldfunde nach dort unternommen wurden, die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllt; dagegen ist inzwischen festgestellt worden, daß der Norden der Kolonie reiche, abbaufähige Kupferlager birgt. Das wertvolle Erz ist in der vorzüglichsten Beschaffenheit vorgefunden worden und liegt vielfach frei zutage, so daß es eigentlich nur nötig ist, es fortzuholen.

Indes scheiterten an der Frage des Transports viele Jahre lang die Projekte der Ausbeutung dieser so reichen Minen. Die wichtigsten Kupferlager befinden sich im Bergkomplex des

Die Oberbaukolonne bei der Arbeit.

haben. Und doch scheint es, als ob Deutsch-Süd- westafrika eher als jedes andere unserer Schutzgebiete dazu berufen sein könnte, in unserm wirtschaftlichen Leben eine wichtige Rolle zu übernehmen.

In Deutsch-Südwestafrika bietet wie in den benachbarten britischen Kolonien der Erzbergbau Aussicht auf Erfolg. Zwar

Vobosgebirges, fast 600 Kilometer von den: allein für die Verschiffung in Betracht kommenden Hafen Swakopmund ent­fernt. Um zu den Fundstellen zu gelangen, brauchte man viele Wochen. Der Weg dorthin geht durch weite Sand­wüsten und Buschlandschaften, die von riesigen Grassteppen unterbrochen werden. Dazu kommt, daß das Wasser fast gänzlich fehlt und Pferde nur beschränkt Verwendung finden