Heft 
(1906) 51
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Wegschwemmen des Dammes am 22. Februar IM6.

können infolge der Pferdesterbe, einer Seuche, deren Ursache noch immer nicht ganz aufgeklärt ifi, die aber jährlich aufs neue geradezu vernichtend eingreift. Das einzig mögliche und auch allgemein einge­führte Beförderungsmittel in der Kolonie war der Ochsenwagen, ein meist mit Segeltuch über­spannter breiter Wagen mit riesigen, eisenbe­schlagenen Rädern, der durch etwa zwanzig Ochsen gezogen wird.

Eine Ausbeutung der Erzlager im großen Maßstab mittels eines so primitiven und kostspieligen Transportmittels war natürlich vollständig ausgeschlossen und die Mög­lichkeit des Bergbaus von vornherein von einer günstigen Lösung der Trans­portfrage abhängig. Die Otavi-Minen- und Eisenbahngesell­schaft, die das Recht des Abbaus der Fundstellen erworben hat, entschloß sich daher, auf ihre eigenen Kosten ^

ohne Staatssubvention eine Bahnverbindung von Swakopmund nach Otavi u Tsumeb, wo ihre Erzgruben gelegen sind, herzustellen, und übertrug die Ausführung dieses Projekts der Finna Arthur Koppel Aktien­gesellschaft.

Die vor drei Jahren be­gonnene Bahn, die jetzt fertig- gestellt ist und am 12.November d. I. offiziell dem Betrieb über­geben wurde, ist eine hervor­ragende Leistung des deutschen Unternehmungsgeistes. Die Schwie­rigkeiten, die sich gerade dem Bau dieser Bahn, der größten Eisenbahn in den deutschen Kolonien, entgegenstellten,

sind ganz außerordentlich gewesen. ^ Kostausgabe an schwarze Arbeiter. Bahnbau war kaum begonnen, als er rn-

die Transporte der Truppen und ihre Verpflegung sehr vereinfachen mußte.

Diese neuen, zumeist italienischen Arbeiter zeig­ten sich bald sehr widerspenstig. Als sie merkten, welches Gewicht auf die schnellere Fortführung des

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Der

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folge des Eingeborenenaufstandes auf mehrere Monate unter­brochen werden mußte. Das Personal der Bauunternehmung stellte sich in militärische Dienste, um den schwerbedrängten Ansiedlern in ihren Kämpfen gegen die Aufständischen beizustehen; der Chefingenieur des Bahnbaus übernahm die Wiederherstellungsarbeiten der teilweise zerstörten Regierungsbahn von Swakopmund nach Karibik.

Als der Weiterbau der Otavi- bahn wieder ausgenommen werden konnte, mußte eine neue Schwie­rigkeit überwunden werden: die Arbeiterfrage. Bei Beginn der Unruhen hatten sich nämlich die schwarzen Arbeiter davon­gemacht, und die Baufirma war genötigt, europäische Arbeiter so schnell wie möglich für Afrika anzuwerben. Es wurden erst 300 Arbeiter nach der Kolonie transportiert, dann wurden weitere X 700 Leute aus Europa beschafft, als die Regierung die Baufirma ersuchte, die Arbeiten gegen Ge­währung einer Prämie zu beschleunigen.

Für die Kämpfe mit den Eingeborenen war es nämlich von größter Bedeutung, eine Bahnverbindung zu haben, die

Baus gelegt wurde, fin­gen sie an, die un­möglichsten Forderun­gen zu stellen, und versuchten, aus

der Notlage der Kolonie Nutzen Zu ziehen, indem sie Streiks auf Streiks in- enierten. Erst nach lang­wierigen Verhandlungen konnten die Verhältnisse geordnet werden. Später gelang es auch wieder, eingeborene Arbeiter zum Bahn­bau heranzuziehen. Herero, die sich vor den siegreichen Trup­pen in ihre Schlupfwinkel in der Wildnis zurückgezogen hatten, wurden von den Ingenieuren aufgesucht indem ihnen humane Behandlung itens der Regierung versprochen wurde, veranlaßt, sich als Kriegsgefan­gene zu ergeben und Beschäftigung am Vahnbau anzunehmen. All­mählich meldeten sich immer größere Scharen von Herero, die sehr heruntergekommen und oft dem Hungertod nahe

waren, mit ihren Frauen und Kindern als Kriegsgefangene. Die Leute wurden bei der

guten Kost, die sie erhielten,

bald wieder kräftig und sind später bei weitem die besten Ar­beiter gewesen, die sich durch Fleiß und Intelligenz auszeichneten.

Der Bahnbau wurde, wie dies meist üblich ist, von drei Gruppen ausgeführt: von der

Studienabteilung, der Unterbau- und der Oberbauabteilung. Die Studienabteilung, die die Vermessungen vorzunehmen und die Trasse festzulegen hatte, bestand aus 10 Ingenieuren und 40 bis 50 Arbeitern. Die Abteilung war am Schluß ihrer Tätigkeit 200 Kilometer vom Hauptlager entfernt, mit dem die Ver­bindung durch - Ochsenwagen hergestellt wurde. Da solch ein Ochsenwagen, selbst wenn die Reise durch gün­stiges Gelände geht und ausreichend Wasser für die Zugtiere gefun­den wird, höchstens 40 Kilo­meter täglich zurücklegen kann und obendrein einige Ruhetage einschalten muß, waren die Wagen, die unter anderm die Lebensmittel heranzuschaffen hatten, oft 8 bis 14 Tage unterwegs. Die Zeltlager, in denen das Personal wohnte, wurden etwa wöchentlich verlegt; auch diese Transporte erfolgten durch die Ochsenwagen, von denen der Studienabteilung stets vier bis fünf Stück zur Verfügung standen. Felseinschnitt Die Unterbauabteilung hatte

am Ufer des die Erdarbeiten für den Vahn- Omaruru. bau auszuführen. Sie mußte