Heft 
(1881) 295
Seite
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46 Jllustrirte Deutsche Monatshefte.

Demeter, Poseidon und Ares, Persephone und Hades, Asklepios und Hygieia zwei ganz besonders pergamenische Gott­heiten nicht Nachweisen können, kann nicht vollständig sein. Deshalb halte ich auch weiter für durchaus wahrscheinlich, daß das Reliefband alle vier Seiten des Ältarbaues umzogen hat trotz dein Fehlen von Funden und Fragmenten an der Westseite.

Allerdings lege ich im klebrigen auf Fundorte und Fundthatsachen auch bei der Anordnung dieses Bildwerkes ein großes Gewicht. Bei der letzten Zerstörung des­selben, welche wohl zum Behufs des Mauerbanes stattfand, wurden die Reliefs der Südseite unmittelbar nach Süden herabgestürzt; die Platten der westlichen Hälfte an der Nordseite und diejenigen der Westseite schleifte man zum Weststücke der Mauer, wo sie zum Theil noch neben einander, zum Theil aber auch mit den übrigen gemischt lagen, doch bisweilen so, daß man ihren Weg in einzelnen Fragmenten verfolgen kann. Nur eine Anzahl kleinerer, vielleicht schon früh los­gesplitterter Stückchen verräth dann noch öfter durch ihren Fundort den ursprüng­lichen Stand, für den endlich auch oft eine unverkennbare Analogie in der Aus­führung ins Gewicht fällt; doch mahnen in dieser Beziehung manche Fälle zur Vorsicht.

Zu diesen rein äußerlichen Kriterien kommen für die Anordnung noch zwei an­dere hinzu: das alte selbst gegebene und recht eigentlich griechische Gesetz der Sym­metrie hat auch hier wohl je an den einzelnen Seiten gewaltet, und dann ist gewiß, daß der Abstammung oder auch nur dem Sinne nach verwandte Gottheiten öfter auch räumlich einander nahe standen.

Hiernach gebe ich einige der Hauptzüge des Bildes, wie sie mir theils als wahr­scheinlich, theils auch nur als möglich sich ergeben haben. Ich greife dabei nur einiges Wesentliche heraus, wie es sich für einen Moment ziemt, in dem wir doch erst am Eingang der Kenntniß uns befinden. Fest stehen bisher nur zwei Ecken eine des Altars und eine der Treppen sowie die Thatsache, daß zwei Platten sicher an Ecken gehören und zwar rechts von ihnen.*

* Es wäre undankbar, an dieser Stelle nicht zu erwähnen, daß die Zusammenfügung ganzer Gruppen und einzelner Figuren zum Theil aus ganz kleinen Stücken besonders der unermüdlichen Ausdauer und

Nicht die südliche Seite des Baues, in welcher wohl aus besonderen räum­lichen Gründen die Treppe angelegt wor­den, war die feierlichste, sondern auch hier war das die östliche, an welcher vorüber wie jetzt so im Alterthum der Weg den Besucher zur Burgkrone hin­führte. Hier war merkwürdig genug vielleicht schon in der Nähe der Nordostecke, wohin auch die ganz kleinen Fragmente weisen, der Höhepunkt des ganzen Kampfes dargestellt sollte ihn der vorübergehende Beschauer erst am Ende seiner Wanderung als Abschluß finden? Athena mit gewaltigem Schritt nach rechts eilend, ohne Waffe, nur noch den Schild am Arm, faßt mit der Rechten einen geflügelten, vor ihr ge­stürzten Jüngling hinten am Kopfe; ähre Schlange hat ihm das rechte Bein zn- sammengeschnürt und gebrochen und ringelt sich nun empor, ihm in die Brust zu beißen. Vergebens sucht er die Hand der Göttin wie mit unwillkürlichem Griff seiner Rechten zu entfernen; der schmerz­liche Ausdruck des herrlichen, voll wirren Locken umwallten Antlitzes würde den völligen Sieg der Göttin verrathen, auch wenn nicht der Künstler Alles gethau hätte, um zu zeigen, daß an dieser Stelle, und zwar nur an dieser, der Sieg end­gültig entschieden sei. Denn schon fliegt die beschwingte Nike von der anderen Seite hinzu, die Göttin zu kränzen, und vor ihr steigt die Gestalt der Giganten­mutter, der Gäa, aus dem Boden empor, die klagenden Augen aufwärts gerichtet, die Hände erhoben, die siegende Göttin um Gnade anzuflehen. (S. Jllustr. S. 47.) Freilich hatte die Sage diesen Zug insofern vorbereitet, als die Gäa für die eigentliche Anstifterin des Kampfes galt, und es ist vielleicht erst der rückwirkende Einfluß der Kunst, wenn römische Dichter auch die Gestalt der Klagenden kennen; denn schon auf einem schönen Vasenbilde steigt sie so vor dem siegenden Poseidon ans. Aber es ist menschlich und gewiß mit Bedacht, daß hier das Weib sich auch an

dem geübten Auge des Italieners Herrn Freies (im Berliner Museum) versankt wird. Auch ist es eine Pflicht der Dankbarkeit, nicht zu verschweigen, wie bereitwillig und entgegenkommend Herr Conze ein eingehendes Studium der Bildwerke und Fund­thatsachen gestattet, erleichtert und gefördert hat.