Heft 
(1881) 295
Seite
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Jtlustrirte Deutsche Monatshefte.

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was Frankreich außer seinen Staats­sammlungen besitzt. Die vorjährige Aus­stellung in Brüssel wieder bewahrte ihren Charakter einer belgischen auch in der Section, welche der älteren Kunstindu­strie gewidmet war, indem die Auf­nahme in dieselbe an die Erfüllung einer von den beiden Bedingungen geknüpft war: entweder belgische Herkunft oder belgischer Besitz. Und das hatte einen vernünftigen Sinn. In den meisten Fäl­len aber besteht für diesen Theil einer Ausstellung gar kein Programm, man be­müht sich einfach, so viel als möglich Ob­jecte geliehen zu erhalten, oder man macht, wie erwähnt, den Versuch, ein knnsthistorisches Museum zu improvisiren.

Das Recept hierfür ist ganz einfach. Das Jnhaltsverzeichniß eines Musenms- kataloges liefert dasSystem", und für diejenigen Rubriken, welche durch die Beiträge der Liebhaber und allenfalls auch der Antiquitätenhändler nicht ans­gefüllt werden, sollen die öffentlichen Sammlungen sorgen. Die Zumnthung ist etwas stark, nicht allein wegen der obenberührten, dem Zweck der Museen zuwiderlaufenden Zersplitterung derselben, sondern auch wegen der Gefahren, welchen oft unersetzliche Gegenstände auf dem Transport und in interimistischen Ge­bäuden ausgesetzt werden sollen. Und es ist begreiflich, daß die Sammlungsvor- siände dergleichen Anforderungen gegen­über immer schwieriger werden, wie sich der bereits citirte Hofrath v. Lehner ans­drückt. Der kann freilich «n Lied davon singen, denn die Kleinodien des fürstlichen Museums zu Sigmaringen, dessen Direc- tor er ist, mußten in letzter Zeit Jahr für Jahr weite Wanderungen antreten. Und ähnliche Erfahrungen werden überall gemacht.

Die Einwände gegen die jetzige Methode ergeben sich indessen keineswegs nur unter dem Gesichtspunkte des Sammlungsvor­standes. Nicht nur weil die jetzt überall nach wissenschaftlichen Grundsätzen ge­ordneten und für das Studium des Künstlers und Gelehrten mundgerecht ge­machter: Museen zerrissen werden, wehrt man sich gegen das ausgedehnte Leihwesen. Angenommen, es gelänge auf diese Weise wirklich, eine gewisse Vollständigkeit zu erreichen, so würde eine sogenannte Ama­

teurausstellung doch aus verschiedenen Gründen niemals die Aufgabe eines Museums erfüllen können. Schon die Bedingungen, unter welchen manche Sammler allein ihre Sachen hergeben, machen dies unmöglich. Dem Einen liegt daran, sein Eigenthum als Ganzes hin­zustellen, er verbittet sich die Eintheilung der einzelnen Dinge nach dem Material oder der Zeit, und wird ihm das nicht zugestanden, so ist er überhaupt nicht zu haben. Der Andere hat jedem Stück einen berühmten Künstlernamen angehängt, oder doch einen berühmten Fabrications- ort und eine für den betreffenden Knnst- zweig elastische Zeit; kann man ihn durch Widerspruch kränken, ihm seine Dürer und Cellini streichen, seine Cameen und Majoliken als modern bezeichnen? Un­möglich! Echt und unecht, alt und neu, Schularbeit und Fälschung werden daher neben einander aufmarschiren und den Besucher, der lernen will, verwirren.

Und dennoch können die Landes- und Localansstellungen auch in dieser Richtung sehr Verdienstliches leisten, wenn sie sich innerhalb ihrer Schranken halten. Sie sollen sich ernstlich anstrengen, einerseits den heimischen Kunstfleiß in seiner Ver­gangenheit vorzuführen, andererseits den in den: Bezirke zerstreuten Knnstbesitz vor­übergehend zu vereinigen. Eins wie das Andere kann sich höchst fruchtbringend er­weisen, Forschung und Production, Künst­ler, Handwerker und Gelehrte werden mit Dank die Gelegenheit zu Studien wahrnchmen, welche sonst gar nicht oder doch nur mit großem Aufwand von Zeit und Kosten zu machen sein würden. Kommt auch nicht jedesmal ein bedeuten­der Künstler ans Tageslicht, wie in Münster der Goldschmied Anton Eisenhoit, so kann man doch immer darauf rechnen, daß eine gründliche Durchforschung der Schatzkammern der Klöster, Kirchen und Schlösser und ein systematisches Heran­ziehen der Liebhaber, der Besitzer von alten Erbstücken u. s. w. zur Vermehrung unserer Kenntnisse und zur Anregung der Schaffenden Erhebliches beitragen werde.

Um aber etwas Ordentliches zuwege bringen zu können, darf mau selbstver­ständlich nicht zu oft an die Besitzer mit dem Ansinnen herantreten, sich ihres Eigenthums, wenn auch nur auf kurze