Heft 
(1881) 295
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Ecker: Hand und Fuß des Menschen.

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Möglichen Glieds, an dessen unterem distalen* Ende sie befestigt ist, dem Arm. Was eine Hand werden will, muß oben schon anfangen. Wir müssen daher auch den Arm in den Kreis unserer Betrach­tung ziehen, und zwar zunächst die eigent­liche Grundlage des ganzen Apparats, das knöcherne Skelet.

Am Skelet der vorderen Extremität (Vorderbein, Arm) aller Wirbelthiere unterscheiden wir zwei Abtheilungen: den Schnltergürtel und die eigentliche Extre­mität. Der Schnltergürtel, das ver­mittelnde Glied zwischen Rumpf und Arm, durch welchen der letztere am Rumpfe be­festigt ist (im gewöhnlichen Leben zum

^ von der Hand ersaßt werden können, ein I ungemein ausgedehnter ist. Der zweite i Knochen des Schnltergürtels ist das schon erwähnte Schlüsselbein; es zieht sich als ein (besonders bei mageren Büsten auf­fallender) Querbalken über dem bei heftigem Athmen, wie z. B. nach einer anstrengenden Galoppade ans einem Balle am deutlichsten zu sehen, die Haut tief einsinkt, Brust und Hals trennend, vom Brustbein znm Schulterblatt, mit beiden durch Gelenke verbunden. Dieser Knochen ist für die Freiheit der Bewegung der oberen Extremität von ganz besonderer Wichtigkeit, indem er, wie insbesondere Figur 5 zeigt, einen Stützbalken oder

Fig. 5.

Ansicht des Schnltergürtels des Menschen von oben, zur Verdeutlichung der Bedeutung des Schlüsselbeines

als Strebepfeiler.

VV Wirbelsäule. N Rippen. Schulterblatt. 6 Schlüsselbein. 0 Oberarm.

Rumps gerechnet, weil er von der Haut des Rumpfes überzogen ist), besteht beim Menschen aus zwei Knochen, dem Schulter­blatt, einem flachen, dreieckigen, hinten zu beiden Seiten der Wirbelsäule aufliegenden Knochen, der bis auf eine quere Gräte ganz von Muskeln bedeckt ist. Der Um­stand, daß dasselbe größtentheils nur durch Muskeln mit dem Rumpfe verbunden ist und nur an einer Stelle (vermittelst des Schlüsselbeines) durch Gelenkverbindung mit demselben zusammenhängt, verleiht demselben eine große Beweglichkeit in jeder Richtung, die natürlich in gleichem Maße auch dem am Schulterblatt einge­lenkten Arme zu gute kommt, so daß der Umkreis, innerhalb dessen Gegenstände

* Mitdistal" bezeichnet man das vom Mittel­punkt des Körpers entserntere Snde eines Gliedes; mitproximal" das näher gelegene.

Strebepfeiler bildet, welcher das Gelenk zwischen Schulter und Oberarni weit vom Leibe entfernt hält und demselben somit eine weit größere Excnrsionssähig- keit sichert. Bei allen Vierfüßern, d. h. bei allen Säugethieren, welche ihre vor­dere Extremität nur zur Ortsbewegung benutzen, fehlt dieser Knochen ganz, und damit sinkt, wie z. B. beim Pferde (Fig. 6). das Schulterblatt vom Rücken an die Seite des flachen Rumpfes herab. In den Ueber- gangssormen tritt dasselbe allmälig auf, erreicht aber erst bei Affe und Mensch die volle Entwickelung.*

Das Skelet des Armes selbst besteht aus einem Knochen des Oberarmes, wel- z cher durch das Schultergelenk ein nnge-

^ * Bei den fliegenden Sängethieren (Fledermäuse),

! die ich hier außer Acht lasse, ist dasselbe ebenfalls sehr entwickelt. (S. Fig. 2.)