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Jltu stellte Deutsche Monatshefte.
sindel nicht eigens noch einladen, ihm die Blumenbeete zu zertreten oder die Aepfel von den Bäumen zu stehlen. Und so ging es noch eine Weile fort. „Aber das ist der Joost," schloß er endlich. „Der kann's nicht bequem genug haben und will sich partout die fünfzig Schritte sparen. Er soll's aber nicht. Er soll den großen Weg nehmen oder die Hecke."
„'s ist nicht der Joost," sagte Griffel. „Joost ist ein Gewohnheitsthier und geht immer die große Straße."
„Nun?"
„'s ist unsere Hilde; die geht hier, wenn sie nach den Sieben-Morgen will."
„Und was hat sie da?"
„Nun, da sind ja doch unsere drei Kühe oben; und wenn's ihr Paßt, da fetzt sie die Butt' auf den Kopf und den Arm in die Hilft', und heidi geht's in die Höh'. Und sie weiß wohl, es kleidet ihr, und das Mannsvolk sieht ihr nach... O, sie kann schon, wenn sie will! Es muß sich ihr bloß verlohnen. Und das muß wahr sein, wenn sie so geht, so prall und drall, ist es gar nicht die Hilde mehr."
All das hörte Baltzer nicht gern, und er sah sie scharf an. Aber sie kannte seine Schwächen, und weil sie sie kannte, hatte sie keine Furcht vor ihm. Und nun gar heute; wenn sie sich auch gefürchtet hätte, es brannte ihr zu Vieles auf der Seele, was herunter mußte. „Ja, Haidereiter, Ihr habt es ja selber so gewollt, als Ihr damals ein Frölen aus ihr machen wolltet und als sie mit eins zu gut für die Griffel war, obwohlen ich ehrlicher Leute Kind bin und einen richtigen Namen habe, was nicht Jeder von sich sagen kann. Ja, ja, Haidereiter, damals, als sie mit eins die Kammer allein haben mußt' und ich in die Küche kam oder doch dicht daneben. Und das Alles mitten im Sommer und immer die warme Waüd und die Sonne von vier Uhr Morgens. Und sowie die Sonne
da war, waren auch die Fliegen da und summten und brummten, und waren auch Stechfliegen dabei, weil es das Hoffenster ist, kleine, rothe, die giftig sind und wo Einem die Hand abgenommen werden kann. Und ich habe keine Nacht geschlafen."
„Aber bist doch nicht abgefallen," sagte der Haidereiter in einem Tone, darin sich gute lind schlechte Laune die Wage hielten, und setzte dann, während er, ohne recht zu wissen, was er that, ein paar Samenkapseln abbrach und die Körner in feine Hand schüttete, hinzu: „Und nun sage mir, was soll das? Was meinst du?"
„Was ich meine? daß Ihr selber schuld seid, Haidereiter, schuld mit Eurer neuen Einrichtung und mit Allem... Und du lieber Himmel, die Milchwirth- schaft! Ja, da hat sich was mit Milch- wirthschaft, und ich möchte Wohl sehen, wie's damit stünd' ohne die Rentschen oder ohne die Christel. Aber versteht sich, immer so gethan, als ob es was wär', und immer geklappert und immer unterwegs und immer auf die Sieben- Morgen. Und da sitzen sie."
„Wer?" fragte Baltzer, in dem der Aerger allmälig das Uebergewicht gewann.
„Wer? Nn, mein Gott, wer! Der alte Melcher sitzt da, mit feinem Kamm unterm Hut und mit feinem Hochmnth unterm Hut. Und ist auch gut, daß er ihn festhält, er könnt' ihm sonst wegfliegen. Und ist eine alte Geschichte, daß die Con- ventikelschen alle den großen Nagel haben, das hat mir schon mein Vater selig ins Gewissen gered't, und sein letztes Wort war immer: ,Und der Melcher Harms, das ist der schlimmste? Ja, das ist nun freilich schon eine kleine Ewigkeit, aber Kamm- Melcher hieß er auch schon, und bloß den Saal hatten sie noch nicht und noch keine Freitagabend-Andacht, und der alte Graf war noch gut bei Weg und dachte noch an kein Sterben. Und war das Jahr vorher, eh' der preußische Krieg anfing.