Heft 
(1881) 297
Seite
275
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Fontane:

Aber du mein Gott, wenn mein Vater selig ihn jetzt so säh', immer mit Strümps und Strickzeug und wie er so klein thut, als könnt' er kein Wasser trüben, und dann Abends aufs Schloß in die kleine Capellenstnbe mit dem fliegenden Engel o, du mein Gott und Vater! und wenn er dann gar noch sah', wie sie jeden ge­schlagenen Freitag in den Saal geht und sitzt da mit auf der Bank und weint und schluchzt, als ob sie so wär' wie das arme Volk oder der alte Nagelschmied Eschwege, der immer vorsingt und er soll ihr auch das Abendmahl gegeben haben; aber das glaub' ich nicht, da wäre doch ein Blitz vom Himmel gekommen o, du mein Gott und Vater, wenn er das noch gesehen und erlebt hält', da würd' er noch ganz anders gesprochen haben! Und das soll auch nicht sein, Baltzer. Aber Sörgel ist zu gut und denkt bloß immer: es schadet nichts. Aber es schadet doch. Und von Ordnung ist keine Rede mehr, und weiß kein Mensch mehr, ob er ein Hirt ist oder ein Papst. Und was Ka­tholisches hat er, das sieht Jeder, und war auch mit nach'm Eichsfeld. Ihr müßt es ja selber wissen, Baltzer. Und was habt Ihr zuletzt davon? Was? Daß sie mit katholisch wird!"

Hilde?"

Ja, Hilde. Wer anders als Hilde. Denn den ganzen Tag ist das Püppchen oben, wenn nicht gerad' Regen ist oder Wind, und da priestert er ihr was vor und setzt ihr Raupen in'n Kopf und er­zählt ihr vornehme Geschichten von Schloß und Rittersleut', und wenn sie dann wiederkommt, sieht sie sich um, als ob sie selber so was wär'. Und Martin auch immer mit dabei, wenn er aus'm Wald kommt, und muß ja dran vorüber, ver­steht sich, weil es der nächste Weg ist und ist eigentlich die Meile Siebenviertel und da sitzen sie dann und haben ihr Convivchen oder ihr Conventikelchen oder

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wie Jhr's nennen wollt. Ja, Baltzer, der Martin auch. Aber mit dem hat's keine Noch nicht, der ist seines Vaters Sohn und den wird der Alte nicht katho­lisch kriegen. Und hört auch nicht recht zu, weil er immer bloß Hilden angafst, und ist immer Brüderchen und Schwester­chen. Ja, ja, Baltzer, seht mich nur an! Und ich weiß noch den Tag, wo die Mnthe gestorben und begraben war und Hilde mit Euch herüberkam und Martin und ich und Joost auf der Diele standen, dicht an der Treppe, wie Ihr da sagtet: ,Jhr sollt euch lieb haben. Wollt ihr?^ Und seht, Haidereiter, das ist aus guten Boden gefallen. Und immer wie Bruder und Schwester. Haha!"

Baltzer, während die Griffel so sprach, hatte sich auf eine der kleinen Erdstufen gesetzt, die zu dem Gatter hinaufführten, und riß einen breiten Grashalm ans, wand ihn um seinen Finger und warf ihn wieder fort. Er wiederholte das Spiel zwei-, dreimal und sagte nach einer Weile:Höre, Griffel, du bist eine hä­mische Person. Und ich habe dich für besser gehalten, als du bist. Du hast einen Haß gegen den alten Melcher, weil er, deinen Vater selig in Ehren, klüger ist als drei Cantoren oder Schulmeister zn- sammengenommen... Und was redest du da von den Kindern? Laß die Hilde! Wenn ihr der Melcher gefällt, so mag er ihr gefallen. Und ob er das Abendmahl giebt oder nicht, ist all eins. Und wenn die Gräfin es gehen läßt, so müssen wir's auch gehen lassen. Katholisch wird die Hilde nicht, und Keiner nicht, und was ich da gestern bei der Flasche gesagt habe, dessen schäm' ich mich heut', und war nichts, als was die Leute sagen, und was die sagen, ist immer Dummheit oder Lüge. Denn der alte Melcher ob ich ihn leiden kann oder nicht, das ist eine Sach' für sich ist von den strengen und den festen Lnther'schen und war letzte Woche nach

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