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Jllustrirte Deut
Eisleben und nicht nach'm Eichsfeld. Und du, Griffel, wenn du deinem Vater im Grabe keine Schande machen willst, fo schreibe dir das achte Gebot hinter die Ohren: Du sollst nicht falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten!"
„O, das kenn' ich und halt' es auch!"
„Und das mit dem Martin," fuhr der Haidereiter fort, ohne der Unterbrechung zu achten, „das sagst du bloß, weil du mich ärgern willst und weil du meinst, daß ich mit der Hilde höher hinaus will. Ja, Griffel, das will ich! Und darin hast du Recht. Und ist Keiner hier herum und bis Jlfeburg hin und das Amt mit eingerechnet, dem ich sie gönne. Und auch dem Martin nicht. Er ist ein Jung' und weiter nichts. Und daß er sie lieb hat, ist mir recht. Ich habe sie auch lieb, und du hast sie wenigstens lieb gehabt. Aber du bist eine herrschsüchtige Person, und von dem Tag an..." er stockte, weil ihm plötzlich wieder das Bild von der Haide her vor die Seele trat und ihn verwirrte ... „ja, von dem Tag an, wo wir den Diseurs über die Hilde hatten, hast du sie gequält und bered't und hast sie's entgelten lassen, daß ich damals gesagt habe: ,Wir wollen es ändern, und so soll es sein? Aber du bringst sie bei mir nicht heraus. Und das mit den: Martin ist Kinderei."
„Bruder und Schwester!" lachte sein unerbittlicher Gegenpart und zeigte die großen weißen Zähne.
Bon drüben her aber gingen jetzt die Glocken, und das Gespräch brach ab, weil Jeder sich noch für den Kirchgang zurechtzumachen hatte.
Griffel half dem Alten in seinen Festrock und gab ihm Gesangbuch und gebügelten Hut. Und nun ging er vorauf, über Brücke und Weg, dann an der Kirchhofsmaner entlang, und vermied es, sich nach den Kindern umzusehen, die zwischen dem Stachelginster in einiger
sche Mo» atshefte.
^ Entfernung folgten. Er wollte sich in seine Ruhe und Zuversicht wieder hineinleben.
Und mit diesem Entschluß trat er in die Kirche.
Sörgel hatte seinen guten Tag heute und sprach eindringlich und aus der Fülle des Erlebten. Und des Haidereiters große Augen waren auch wirklich unablässig nach der Kanzel hin gerichtet, und wer ihn so beobachtete, hätte glauben müssen, er verschlänge jedes Wort.
Aber es war eine Täuschung; seine Seele war wie geschlossen, und er hörte nichts von dem, was der Alte sprach.
In der Kirche war es ihm nicht geglückt. Aber Baltzer Bocholt war eine Willensstärke Natur, und weil er's bezwingen wollte, so bezwang er's auch, und um so rascher, als er trotz allem Aufmerken nichts sah, was dem von Griffel hingeworfenen Verdachte Nahrung gegeben hätte. Martin und Hilde sprachen unbefangen mit einander, und wenn er sie zufällig im Hof oder Garten traf oder bei Tisch einen eindringenden Blick ans sie richtete, so sah er Wohl jenen Anslug von Scheu, den zu sehen er gewohnt war, aber kein Verlegenwerden und kein Er- röthen. Griffel hatte mal wieder über- schars gesehen und mehr gesagt, als sie verantworten konnte. Das war Alles.
So verging die halbe Woche bis Freitag, wo regelmäßig oben auf dem Schloß die Beamten und Verwalter ihren Rapport zu machen hatten. Das war schon zu des Grafen Zeiten so gewesen, und die Gräfin hatte nichts daran geändert. Immer um zehn begann es, und mit dem Glockenschlage zwölf wurde geschlossen. Was bis dahin nicht erledigt war, blieb für das nächste Mal. So war denn Jeder im Hause daran gewöhnt, den Haidereiter