Heft 
(1881) 297
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Fontane: Ellernklipp.

nicht vor ein Uhr zurückkomnien zu sehen, oft aber später, weil unmittelbar nach dem Rapport noch ein Imbiß genommen und ein vertraulicher Diseurs geführt wurde, der oft besser war als Hin- und Herschreiben und Botenlänferei.

Martin und Hilde hatten auch diesmal wieder dem Freitage mit Sehnsucht ent­gegengesehen, ja mehr denn je, weil er sie, wenigstens so lange der Vortrag oben dauerte, vor dem Erscheinen des Vaters sicher stellte. Jeden anderen Tag ent­behrten sie dieses Gefühls der Sicherheit vor ihm, denn wenn er auch weit in den Wald hinaus war, er konnte sich anders besonnen haben, war plötzlich wieder da und stand zwischen ihnen, als wäre er aus der Erde gewachsen.

An all' das war aber heute nicht zu denken, und da Griffel außerdem noch im Küchengarten zu thun hatte, wo sie ge­meinschaftlich mit Joost die Saatbohnen abnahm, so saßen die Geschwister auf ihrem Lieblingsplatz in Front des Hauses und blickten auf den Bach, der heute brausender und schäumender als gewöhn­lich über die großen Steine hinschoß. Denn die letzten Tage waren Regentage gewesen. Aber seit gestern war Alles wieder hell und heiter, und ein Paar gelbe Schmetterlinge, die der verspätete Sommertag aus ihrem Schlupfwinkel her­vorgelockt hatte, haschten sich in der sonnigen Luft. Und um der Sonne willen standen auch im Hause selbst alle Thüren und Fenster offen, und nur in des Haide­reiters Stube, die gerade hinter ihnen, aber infolge des hoch ausgemauerten Fun­damentes um ein paar Stufen höher lag, waren die Vorhänge bis auf einen hand­breiten Streifen, durch den die Luft zog, heruntergelassen.

Nun schlug es drüben vom Schloß her, und Martin und Hilde zählten die Schläge.Elf," sagte Martin.Eine Stunde noch, und es ist wieder vorbei;

dann kann er jeden Augenblick wieder da sein. Und ein Glück noch, daß wir ihn kommen sehen. Er muß über die lichte Stelle weg, dicht neben der Kiesgrube, wo der alte Rennecke seine Geis einge- hürdet hat. Siehst du? Da. Und der blanke Beschlag an seinem Hut ist auch ein Glück und blitzt beinah' wie der Wetterhahn oben."

Und Hilde, die während dieser Worte die Hand an ihre Stirn gelegt hatte, blickte nun auch aus den Punkt hin, auf den Martin immer noch mit dem Finger wies, und Beide gewahrten im Hinüber­sehen in der That nichts als den ein- gehürdeten Grasplatz und die Geis, die hin und her sprang, und die Lichter und Schatten, die mit einander spielten.

Aber hätten sie fünf Minuten früher ihren Blick ebenso scharf auf die Lichtung drüben gerichtet, so würden sie den blan­ken Beschlag an ihres Vaters Hut, von dem Martin eben gesprochen, wohl haben blitzen sehen. Denn es war heute kein Vortrag gewesen, da die Gräfin krank, und gerade, als Beide die Glockenschläge gezählt, hatte der Haidereiter schon das unten gelegene kleine Haus des Park­hüters Passirt und ging im Gespräch mit dem ihm seit lange befreundeten Jlsebur- ger Obersteiger aus die große Straße zu. Hier aber verabschiedeten sie sich, weil sich ihre Wege trennten.

Das Gespräch mit dem alten Freunde, der ihn unter Anderem gefragt hatte: warum er so vor der Zeit versauern wolle? er solle sich was Junges ins Haus und in die Ehe nehmen, das mache selber wieder jung, hatte doch eines Eindrucks aus ihn nicht verfehlt, und er dachte noch halb ärgerlich und halb vergnüglich da­rüber nach, als er keine zehn Schritte vor der Brücke stehen blieb und durch den ! Werft hin, der hier mannshoch den Weg einfaßte, Martin's und Hildens ansichtig wurde. Sie hatte den Kopf müde und