284 Jllustrirte Deut
Bocholt. „Aber mache flink! Ich will allein sein und früh zu Bett. Und lege mir einen heißen Stein an das Fußende."
Griffel murmelte was vor sich hin, weil sie bestimmt gegebene Befehle nicht gern hörte, widersprach aber nicht und brachte die Suppe. Zugleich kam Hilde. Alle Drei setzten sich an den Tisch, und Bocholt sagte: „Wir wollen beten."
Und Griffel und Hilde falteten sofort die Hände und warteten; denn gemeinhin sprach er das Gebet. Aber heute sah er vor sich hin, und als Alles schwieg, rief er barsch: „Wird es? Bete, Hilde!"
Und Hilde betete: „Segn' uns, Vater, Speis' und Trank, Du giebst den Segen und wir den Dank."
„Du sprichst es immer so leise, Hilde. Glaubst du nicht dran?"
„Ich glaube dran."
„An was?"
„An Gottes Segen. Und an seine Gnade."
Der Haidereiter lächelte vor sich hin: „Ist das von Sörgel oder von dem Alten oben? ... Aber die Supp' ist so heiß..."
„Ihr hattet einen Frost vorhin."
„Ja, vorhin. Aber jetzt ist es vorbei. Geh', Hilde, mach' das Fenster auf, alle beid'. Es ist eine wahre Höllenhitze hier... Und wo nur der Martin bleibt? Ich möcht' etwas Kühles, 'ne Satte Milch..."
Und Hilde wollte gehen, um die Milch zu holen. Aber er hatte sich inzwischen eines Anderen besonnen und sagte: „Nein, laß nur. Es geht vorüber. Ich ärgere mich über den Jungen, das ist Alles. Immer unpünktlich, und weiß doch, daß ich's nicht leiden kann."
„Es ist heute Lohntag," antwortete Hilde. „Vielleicht daß er sich bei den Holzknechten verspätet hat. Ich denk' ... er kann jeden Augenblick kommen."
„Meinst du?" sagte der Haidereiter,
sehe Monatshefte.
und der Löffel flog ihm in der Hand, während er an Hilde vorbei nach der Thür sah.
Aber es blieb Alles still, und der Alte fand sich wieder zurecht und erzählte von den Franzosen und aus seiner Soldatenzeit. Und dann erzählte Griffel eine Gespenstergeschichte, „aber eine wahre".
„Dummheit," sagte Baltzer und erhob
sich.
Und auch Griffel und Hilde standen auf und waren froh, als sie das Zimmer verlassen konnten. Sie setzten sich draußen an den Herd, um sich in Möglichkeiten zu erschöpfen, wo der Martin geblieben sein könne.
„Der Alte läßt ihm zu wenig freie Hand," sagte Griffel, „und das ärgert ihn, und er will's ihm zeigen. Und hat auch Recht. Ich wett', er hat Gesellschaft gefunden und ist unten im Dorf. Es wird noch manchen scharfen Tanz geben. Aber er setzt es durch, und muß auch so sein."
Und damit trennten sie sich, und Hilde ging hinauf und hielt oben an der Treppe.
Die Thür zu Martin's Kammer stand weit offen, und sie sah, wie der Vollmond ins Fenster schien, ernster und größer als sonst, als suche er wen. Oder als wolle er etwas sagen.
Und von einer unendlichen Angst ergriffen, wandte sie sich ab und lief in ihre Stube hinüber.
-st -st
-st
Baltzer Bocholt athmete tief auf, als er allein war. Er hatte sich bezwungen, ein Paar Mal unter Daransetzung seiner ganzen Kraft; nun endlich war er's los und konnte sich gehen lassen, ohne Furcht, durch eine Miene das Geschehene zu ver- rathen. Er schritt auf und ab und fühlte von Minute zu Minute, wie's ihm freier und wohler um die Brust wurde. Doch mit eins überfiel's ihn wieder, und die