Heft 
(1881) 297
Seite
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Fontane: Ellern klipp.

Und sah den Vollmond, der, eben anf- gegangen, eine blutrothe Scheibe, groß und fragend über dem schwarzen Strich der Tannen stand.

Er starrte lange hinein, lange und trotzig fast; endlich aber wandte er sich und ging geraden Wegs auf seine Wohnung zu. Das Feuer, das ihn verzehrt hatte, brannte nicht mehr, und das Gewissen hatte seine Stimme noch nicht erhoben; er war nur wie von einem unerträglichen Drucke befreit und wurde auch nicht ver­wirrt, als er Hilden an der Thürschwelle stehen sah. Umgekehrt, ein Gefühl der Eifersucht regte sich wieder, und er sah sie scharf an, als er an ihr vorüber in die Thür trat. Ihr Blick indeß begegnete ruhig dem seinen und gab ihm eine halbe Gewißheit, daß Alles, was geschehen, ohne Noth geschehen sei. Aber er em­pfand eher Trost als Reue darüber. War es doch nichts Vorübergehendes, was ihn gequält hatte, nein, eine Qual durchs Leben hin. Und die war er jetzt los.

Er legte Hut und Hirschfänger ab, wechselte den Rock und machte sich's be­quem. Und gleich danach nahm er seinen Meerschaum aus dem Eckspind her­aus und trat an den Spiegeltisch, um sich ans einem dort stehenden Kasten die Pfeife zu stopfen. Und Alles ohne Hast und Unruhe. Er war sich aber des Spieles, das er vor sich selber spielte, voll bewußt und sagte, während er fest in den Spiegel hineinblickte:Bin ich doch wie der Trun­kene, der die Diele hält, um sich und Anderen weiß zu machen, er habe noch das Gleichgewicht... Und Hab' ich's nicht?" fuhr er nach einer Weile fort. Ist dies nicht der Spiegel? Und ist dies nicht mein Spiegelbild? Und seh' ich nicht aus wie sonst? ... Oder doch beinahe. Wahrhaftig, ich habe schon schlimmer ausgesehen."

Und dabei ging er über den Flur in die Küche.

Gieb mir Feuer, Griffel."

Griffel klopfte mit der Hand in der Asche hin und her und nahm eine Kohle heraus.

Du wirst dich verbrennen."

Nicht doch. Ich Hab' ja keine Haut wie die Hilde."

Der Haidereiter überhörte, was Spott darin war, und sagte:Wo nur der Martin bleibt? Der Junge hat keinen Appell, und mir wär's wirklich recht, er ging' unter die Soldaten. Da lernt sich's. Was meinst du, Griffel?"

Ich? Ich meine nichts. Unter die Soldaten? Da müßt Ihr die Hilde fragen... Aber sollen wir warten mit dem Abendessen?"

O, nicht doch. Nicht warten. Er muß pünktlich sein. Wenn's fertig ist, so bringst dn's. Wir wollen essen."

Und damit ging er wieder in seine Stube. Die Pfeife brannte nicht mehr, aber er schmauchte weiter und merkte nichts. Und wie konnte.es auch anders sein? In seinen Gedanken stieg er den Weg zurück, den er vor einer Stunde gekommen war, und nun war er oben, und die Mondesscheibe stand wieder über dem schwarzen Waldstreifen und sah ihn an und fragte wieder. Und ein Frösteln überlief ihn.

Ihr schuddert ja so, Haidereiter," sagte Griffel, als sie den Tisch deckte.

Ja ... das Fenster ist offen und die Thür. Mach' zu. Warum klinkst du nicht ein? Ich will den ewigen Zug nicht; die Fliegen sind längst weg; aber du ruhst nicht eher, als bis ich die Gicht in Händ' und Füßen Hab'." Und als Griffel das Fenster geschlossen hatte, setzte er hinzu: Was essen wir zu Nacht? Eine Suppe?"

Ja, Haidereiter, eine Zwetschensnpp'. Und ich werd' einen Nordhäuser einthun und ein Paar Gewürzuägelchen. Oder eine Zimmetstang'..."

Ah, das ist gut, das thu'!" sagte