Heft 
(1881) 297
Seite
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Illnstrtrte Deut s ch e M onatshefle.

Leibes und der Seele bin ich heraus, und ^ die gute Sitte, von der ich sprech', ist! Neid. Ich neid' es dem Jungen. Das > ist Alles. Ich neid' ihm das schöne, müde ! Geschöpf, das müd' ist, ich weiß nicht um ^ was. Aber um was auch immer, es hat ^ mich behext. Die Griffel hat Recht. Und ^ ich komme nicht los davon." ^

Und ohne daß er die Pein aus seiner Seele weggeschafft oder sich schlüssig ge­macht hätte, was zu thun, erhob er sich von dem Stein, auf dem er gesessen, und stieg an einer abgelegenen Stelle des Kirchhofs über die hier halb zerbröckelte Mauer fort. Und nun hielt er sich immer im hohen Grase hin, das hier zu beiden Seiten des Weges stand, bis er sich nmsah und mit eins gewahr wurde, daß er nur noch hundert Schritte bis Diegel's Mühle habe. Da bog er scharf rechts ein und stieg einen mit Geröll angefüllten Hohl­weg hinauf, der erst ans das Kamp und gleich daneben auf Ellernklipp zulief, auf Ellernklipp, dessen schrägliegende Tanne dunkel an dem gerötheten Abendhimmel stand.

Dahin zog es ihn, er wußte nicht, warum; und als er bis an die schwindelhohe Stelle gekommen war, von der aus Sörgel da­mals in die vor ihm ausgebreitete Land­schaft geblickt hatte, traf er auf Martin. Und Jeder prallte zurück. Auch der Alte. Dann boten sie sich einen frostigen guten Abend und standen einander gegenüber. Rechts die Klippe, links der Abgrund. Und am Abgrunde hin nur der Brom­beerstrauch und ein paar Steine.

Wo kommst du her?" fragte der Alte, dem rasch Alles wieder hinschwand, was er an guten Vorsätzen gefaßt haben mochte.

Bon den Holzknechten. Und ich Hab' ihnen den Wochenlohn gezahlt."

Ei! Hast du? Richtig; 's ist ja Freitag heut'... Und bist sonst Keinem begegnet?"

Nein."

Und auch der Hilde nicht?"

Nein."

Und weißt auch nichts von ihr?"

Ich denke, sie wird zu Haus sein oder bei dem Melcher Harms oben auf den Sieben-Morgen."

Oder auf Kunerts-Kamp! Oder bei der Muthe Rochussen Hans! Oder bei den rothen Beeren!" Und er packte den unwillkürlich einen Schritt zurücktretenden Martin bei der Brust und schrie:Wo ist sie?"

Laß mich los, Vater!"

Antworte, Bursch!"

Ich weiß es nicht! Ich will es nicht wissen! Ich bin ihr nicht zum Vormund gesetzt! Und nicht zum Hüter!"

Nein! Ihr Hüter bist du nicht! Aber ich will dir sagen, was du bist: ein Räuber, ein Dieb! Und ich will dir sagen, wo du bist: auf verbotener Fährte! Her­aus mit der Sprache! Wo hast du sie? Sprich! Aber lüge nicht!"

Ich lüge nicht!"

Doch! Lump, der du bist ..." Und sie rangen mit einander, bis der Alte, der sonst der Stärkere war, auf den Kien­nadeln ausglitt und hart am Abgrunde niederstürzte.

Martin erschrak und rief in bittendem Tone:Vater!"

Aber der Alte schäumte:Der Teufel ist dein Vater!" Und außer sich über die seinen Stolz demüthigende Lage, darin er sich erblicken mußte, stieß er niit aller Ge­walt gegen die Kniee des Sohnes, daß dieser siel, im Fallen sich überschlug und über einen der Steine hin in die Tiefe stürzte.

Baltzer starrte kalt und mitleidslos ihm nach und horchte, wie die Kuffeln knackten und brachen. Einmal aber war's ihm, als riefe es aus der Tiefe herauf, und es klang ihm wieVater".

Und nun erhob er sich und sah sich um.