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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.
„Ich bin ein gesunder Mann, Doctor, und Hab' eine junge Frau."
Schliephake lächelte vor sich hin und sagte, während er seine Hand vertraulich aus des Haidereiters Knie legte: „Wohl, ich seh' schon, es mißfällt Euch, und Ihr hört nicht gern von dem welken Kind. Aber daß ich's Euch sage, Baltzer Bocholt, mit unserer Kraft ist nichts gethan, und ist nicht besser damit als mit unserem Wissen. Alles ist Stückwerk und nichts weiter."
Er schwieg eine Weile. Als er aber wahrnahm, daß ihn der Haidereiter immer noch verwundert ansah, nahm er wieder das Wort und sagte: „Ja, Baltzer Bocholt, Ihr starrt mich an. Aber seht, unsere Stunden sind nicht gleich, und an der Stunde hängt Alles. Und oft auch am Augenblick. Ihr seid ein rüstiger Mann, und Eure fünfzig haben Euch noch nicht viel gethan. Es stimmt noch in Brust und Rückgrat, und von dem bischen Grau sprech' ich nicht, das kleidet Euch. Aber wie steht es hier?" und dabei stieß er leise mit dem Finger aus Baltzer Bocholt's Herz.
Der verfärbte sich.
„Und," fuhr Schliephake fort, „wie steht es mit Eures Weibes Herz? Ihr sollt mir die Frage nicht beantworten, und vielleicht auch könntet Jhr's nicht. Denn wer liest in anderer Leute Herzen und nun gar in eines Weibes Herz! Aber das will ich Euch sagen: auf das Herz kommt es an; das Herz entscheidet. Und wo Freude wohnt, da giebt es Leben, und wo Leid wohnt, da giebt es Tod. Und das Leid hat eine große Gevatterschaft: Angst und Noth und Kummer und Reu. Und wenn Ihr so feste Rippen hättet wie der Halberstädter Roland , und es zehrte was hier, so wäre es nichts mit Eurer Kraft. Und an Jedem zehrt es mal,
mal so mal so, und wandelt ihm die Kraft in Unkraft. Im Letzten freilich ist
Alles Geheimniß, es heiße nun Leben oder Tod. Aber das ist gewiß, Eures Kindes Herz ist krank, und es muß sterben."
Ein Verdacht, ähnlich dem, den er gegen Melcher Harms hegte, schoß einen Augenblick in des Haidereiters Herzen aus. Aber er bezwang sich rasch wieder und dankte dem Alten für seinen Rath, so schmerzlich ihm derselbe gewesen. Und danach bat er ihn noch, ihm, wie er's vorgehabt, etwas für das Kind ausschreiben zu wollen, wenn auch nur zum Schein und um der Frau willen. Und als er den Zettel in Händen hatte, ging er murmelnd und kopfschüttelnd aus dem Hause, uni Hilden aufzusuchen.
Er war fest entschlossen, ihr von dem angeblich hoffnungslosen Zustande des Kindes nichts zu sagen, und fand sich um so leichter in diese Rolle hinein, als des alten Schliephake Wort ihn noch viel mehr verdrossen als betrübt hatte. Wohl, er liebte das Kind; aber wenn es doch nicht leben konnte, so war es am besten todt.
Er blieb nicht lange mit Hilde, ging vielmehr bald auf die Wiese hinaus, wo das Freischießen schon im Gange war, und freute sich, als er von der angeheiterten Gesellschaft mit einem Hoch empfangen wurde. Hart am Scheibeustande plätscherte die Ilse vorüber; am anderen Ufer aber stieg der Unterbau des alten Schlosses aus, und von allen Seiten her schmetterte Musik und klang aus den Bergen wieder.
„Nun, Haidereiter," rief ihm einer von den Jlseburgern zu, „schießt für mich. Ich bin an der Reihe, so habt Ihr den ersten Schuß." Und er nahm es an. Aber die Kugel traf nur den Rand, und allerlei Stichelreden wurden laut, die deu Alten in seiner Eitelkeit und Staudesehre verdrossen, so wenig böse sie gemeint waren. Und als auch ein zweiter Schuß wieder ein Fehlschuß war oder doch nicht viel besser, verließ er auf Augenblicke