Heft 
(1881) 297
Seite
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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.

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glühende Kohlen ans das Haupt deines Feindes sammeln. Sein Erzieher aber bedeutete ihn, die Christen seien nicht die Feinde der Juden.

Nicht Haß leitete seine Feder, noch weniger, wie Andere meinten, eine Leber­krankheit.Nein," sagt Börne (das. 166), ich bin nur krank an meinem Vater­lande; es werde frei, und ich gesunde." Er schrieb seiner Freundin schon 1825 (am 2. März, Nachg. Schr. III, 88): Ich ertrage es, ich ertrage es in Deutsch­land nicht... Das Herz möchte mir brechen über diese Wölfe von deutschen Ministern, die Alles unbarmherzig zer­reißen, und über diese Schafe von deut­schen Bürgern, die sich so geduldig zer­reißen lassen. Es glaubt es Keiner, und Sie selbst wissen es nicht, wie mich das bewegt." Solche Aeußerung hatte er schon einmal öffentlich gethan (Ges. Schr. V, 111):Es ist nicht Heuchelei, nicht Spott, nicht Ziererei, es ist Ernst und Wahrheit, wenn ich meine Leser versichere, daß mich die Vorstellungen auf unserer Bühne oft krank machen, daß mir der Kopf brennt, das Herz zittert, die Brust beklommen ist, wenn ich an den Theaterabenden diese fürchterliche Pein der Langeweile zu er­tragen habe." Nicht etwa die schlechten Schauspieler, sondern die Dramen hatten ihn so gequält, und zwar nicht bloß und nicht so sehr die aufgeführten, sondern noch mehr der Umstand, daß man andere Dramen, die echten großen, nicht zu sehen bekam. Nun nannte er freilich das Schau­spiel an sich eineLumperei" (Nachg. Schr. II, 45); aber eben schon dies, daß doch alle Anderen ein so großes Gewicht auf das Theater legten und von nichts Anderem redeten, das verdroß ihn; und dann: ersah im Schauspiel das Spiegel­bild des Lebens" (Ges. Schr. IV, 6), und, sagte er,wie ein Volk, so seine Schauspiele." So sah er denn im Theater nur das Elend des deutschen Volkes jener Zeit und fühlte in Frankfurt jeden Abend die von Oesterreich dictirte Sclaverei.

Wie nun Börne's Geist einmal ange­legt war, so hätten wir ihm ^ priori die Briefform als die seinem Wesen ge­eignetste empfehlen müssen. Da kam das Geschick zu Hülfe. Der einzige warme Sonnenstrahl, der in Börne's Leben fiel, ist sein liebevolles, höchst inniges Ver-

hältniß zu seiner Freundin. Ihr schrieb er, und seine Briefe an sie sind nicht er­dichtete, sondern wirkliche Briefe und Kunstwerke. In diesen seufzte und klagte er, jubelte, hoffte und verzweifelte er, fluchte und segnete er; vor der Freundin ergoß er, was er dachte, urtheilte, wünschte, glaubte. So ist auch seine schriftstellerische Thätigkeit als solche an die Wirklichkeit gebunden. Er hatte gar nicht den Trieb, sein Inneres vor dem Volke zu offen­baren, zumal ihm dies so schmerzhaft war; nur der Drang, zur Freundin zu reden, drückte ihm die Feder in die Hand.

Wer nun objectiv darstellt, wie Goethe, der stellt seine Gemüthserregung, seinen Schmerz in seinem Kunstwerk ans sich heraus und befreit sein Inneres. Wer aber seinen Schmerz in sich hineinschant, wie Börne, dem thnt die Darstellung weh, und obenein schüttet er nichts ans und schüttelt nichts ab, sondern er be­trachtet und prüft nur seine Wunde und macht sie um so schmerzhafter.

Ein Mensch, dem es in allen Nerven ohne Unterbrechung prickelt, der muß wohl bald merken, daß es ihm an Ge­duld fehle. Schon 1825 (2. März) klagte er scherzend:Wo kaufe ich Ge­duld?" Wie ernst ihn: aber diese Klage war, zeigte er 1830 (Ges. Schr. VIII, 10), als er sein Gebet an die Geduld nieder­schrieb:

Geduld, sanfte Tochter des grausam­sten Vaters; schmerzerzeugte, milchherzige, weichlispelnde Göttin, Beherrscherin der Deutschen und der Schildkröten; Pflege­rin meines armen kranken Vaterlandes, die du es wartest und lehrest warten.

Die du hörest mit hundert Ohren, und siehest mit hundert Augen, und blutest an hundert Wunden und nicht klagest.

Die du Felsen kochst und Wasser in Steine verwandelst.

Sieh, mich Plagt die böse Ungeduld ... mir zucken die Lippen; ich zapple mit den Füßen wie ein Windelkind, das ge­waschen wird; ich renne toll wie ein Secundenzeiger um die schleichende Stunde ... ich verzweifle, ich verzweifle, o rette mich!

. . . berühre mit kühlen Fingern meine heiße Brust. Hänge Blei an meine