Heft 
(1881) 297
Seite
386
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Illustrirte Deutsche Monatshefte.

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der Sclaverei, während des Krieges die verbissensten Secessionisten und sind noch heute die illoyalsten und widerspenstigsten Bürger der Republik. Hätte Napoleon, als er im Jahre 1804 Louisiana an die Vereinigten Staaten verkaufte, die Herzen der Bewohner mit verkaufen können, so wär's für uns ein vorteilhafterer Handel gewesen. So empfingen wir eine völlig fremdartige Bevölkerung, welche Frank­reich eine unausrottbare Treue bewahrte und unfähig war, sich mit der anglo- amerikanischen Race zu assimiliren, die doch die herrschende auf diesem Continent bleiben muß und wird. Bis auf den heutigen Tag haben die Creolen die Ver­einigten Staaten gezwungen, sie als eine besiegte Nation zu behandeln. Sie sind die Beute gieriger nordländischer Aben­teurer geworden, die viel geriebener waren als sie und welche bis 1876 die Regie­rung in der arrogirten Gewalt schützte und erhielt. Die Creolen schäumten vor ohnmächtiger Wuth und schrien Zeter über die grausame Tyrannei, ohne zu be­denken, daß eine Regierung gegen offen und hartnäckig illoyale Bürger ihre Pflichten nicht in regelrechter Weise er­füllen kann; und daß sie selbst es waren, welche es ehrlichen und loyalen Nord­ländern unmöglich inachten, friedlich in ihrer Mitte zu leben. Deshalb waren es jene durch den Krieg aus ihren Aemtern und Beschäftigungen geworfenen, von keinen Scrupeln geplagten Abenteurer, die sich in der Hoffnung unermeßlicher Beute über den Süden stürzten und mit Hülfe General Grant's und der Stimmen der befreiten Neger die Südländer in den Staub traten und alle Südstaaten mit Schulden und Bankerotten erfüllten. Als 1876 Präsident Hayes an das Re­giment kam, änderte sich allmälig diese trostlose Lage der Dinge. Die Truppen, welche dieReisesack-Regierung" geschützt hatten, wurden zurückgezogen, locale Selbstverwaltung wurde wieder herge­stellt, hier und da zeigten sich Symptome wiederkehrenden Wohlstandes. Aber das söhnte die südländische Bevölkerung keines­wegs mit der Republik aus; sie will sich nicht für befriedigt erklären, bis sie mit Hülse der Demokraten des Nordens wie­der im Besitz der nationalen Regierung ist; und eben das suchen die Republikaner

in der gegenwärtigen Campagne* mit allen gesetzlichen Mitteln zu verhüten.

Nun behandelt freilich Mr. Cable's oben genannter, merkwürdiger Roman die Periode, welche unmittelbar der Session Louisiana's an die Union folgte; aber diese Periode gleicht in vieler Hinsicht völlig der Reconstructionsperiode, welche 1876 endigte; und ich zweifle nicht, daß Mr. Cable seine Geschichte siebzig Jahre zu- rückdatirte, um die Moral derselben desto eindringlicher zu machen. Die Moral: so wäret ihr damals, so seid ihr noch heute; heute wie damals kämpft ihr mit euren feudalen Velleitäten gegen eine höhere Civilisation und kämpft vergebens!

Es ist ein Glück für Mr. Cable und seine Leser, daß besagte Velleitäten dem pittoresken Zug im Charakter der Creolen nur günstig sind und ihre feindliche Hal­tung gegen das neunzehnte Jahrhundert das romantische Interesse nur erhöht. Eben diesem Interesse kommt auch die offenbare Ungleichheit und Hoffnungs­losigkeit des Kampfes zu Gute. Jene Frau, die mit Wischtuch und Schrubber den atlantischen Ocean wegzufegen ver­suchte, der während einer Ueberschwem- mung durchaus in ihre Hütte wollte, ist mehr eine pathetische als eine lächer­liche Figur. Sie wußte eben nicht, wo­gegen sie kämpfte, so wenig, wie der tapfere, todesmuthige Creole ahnt, daß er zum Gegner keinen Geringeren hat als das neunzehnte Jahrhundert.

Dies ist der springende Punkt und das Problem von Mr. Cable's(U-nnckissi-

INS8".

Es ist nicht meine Absicht, die Geschichte zu erzählen oder auch nur ein volles Re- sumü derselben zu geben. Dazu ist der Plan zu complicirt, sind der auftretenden Personen zu viele, sind die Verzweigun­gen des Hauses derGrandissimes" sowohl über der Erde in legitimen Spros­sen als unter der Erde in illegitimem farbigen Gesindel zu dicht und kraus in einander geflochten. EinGrandissime"' sein riotn bc>r>6 ein weißer! heißt ein Gentleman sein. Nichts in der Welt wird von ihm gefordert, als den ökono­mischen Ruin der Familie mit Anstand zu tragen. Gegen Honorü, den Helden

* Der Präsidentenwahl. Anmerkung d. Red.