Heft 
(1881) 297
Seite
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Boycsen: Literarisches Leben

der Geschichte, erhebt sich von allen Sei­ten wüthende Feindschaft, weil er Kauf­mann wird und dadurch die Familienehre schauderhaft compromittirt. Das hindert aber seine noblen Widersacher keineswegs, ihm (er ist ja ein Grandissime und als solcher von absoluter Integrität!) ihre armseligen Gelder anzuvertrauen; und nach und nach etablirt sich eine kleine Armee dieser Herren hinter den Pulten in seinen Büreaux, und aus den martia­lischen Bummlern werden sehr wenig pittoreske, aber desto nützlichere Mitglie­der der Gesellschaft. Sie murren freilich noch immer, aber trösten sich mit dem Gedanken, daß ein Grandissime auch als Handlungscommis schließlich immer ein Grandissime bleibt. Dagegen nimmt dann Honorä seinen farbigen Halbbruder zum Partner und Protestant mit der FirmaOi-Lncllssjms lleäi'68" gegen den creolischen Glaubensartikel, welcher die Halbbrut" ein für allemal von der guten Gesellschaft ausschließt.

Leider fürchte ich, daß es unmöglich sein wird, dieGrandissimes" zu über­setzen, und ich glaube das ohne patriotische Selbstüberhebung bedauern zu dürfen, nicht bloß, weil der Roman vom rein ästhetischen Standpunkte hohes Lob ver­dient, sondern weil er und das würde doch gerade für das Ausland ins Gewicht fallen ein treuer Spiegel höchst origi­neller und verhältnißmäßig völlig unbe­kannter gesellschaftlicher Verhältnisse ist. Aber wie darf man hoffen, daß auch der geschickteste Uebersetzer ein Werk reprodu- ciren könnte, dessen Reiz nicht zum ge­ringsten Theil in dialektischen Feinheiten liegt, die sich wohl nachempfinden, aber in keinem anderen Idiom wiedergeben lassen!

Eine weit geringere Schwierigkeit wür­den dem ausländischen Interpreten die Otä Oools Os.^8" bieten, welche in ihrem engeren Rahmen ein Bild gewäh­ren, dessen Farbe nicht weniger reich, dessen Pathos nicht weniger ergreifend ist und das, mag man es nun vom rein menschlichen Srandpunkt betrachten, mag man den Hauptaccent ans die exotische Selt­samkeit legen, in der Fremde nicht weniger Bewunderer finden würde als in der Heimath. Ich möchte nur anNackams OellaiouZs" mit ihrer köstlich leichten Denkungsart und ihrer reizenden Bettel­

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Hastigkeit erinnern, anllsan-nb-k'ngns- lin" undLsll68 I)6moi86>Is8 kllantntinn" Geschichten, die uns von den verschie­densten Seiten in eine Gesellschaft führen, welche, so weit sie creolisch ist, seit einem Jahrhundert von einer chinesischen Mauer umschlossen war und erst neuerdings ein paar vorsichtige Züge moderner Luft ge- athmet hat.

Von einem ganz anderen Standpunkte hat die südländische Gesellschaft Alb ion Tourgee betrachtet, dessen beide letzten Romane I?ooI'8 llllranck" undl^i-WKs vritbout 8travv" sich eines beispiellosen Erfolges rühmen können. Tourgee war bereits vorher wiederholt als Novellist aufgetreten, aber Niemand fiel es ein, seinen Namen in der Liste der bedeuten­den Autoren unseres Landes aufzuführen; und ich vermuthe, er selbst würde diese Ehre nicht beansprucht haben. Das ist mit einem Schlage anders geworden. Die leidenschaftliche, mit grausamen Be- weisfacten ausgestattete Anklage gegen die im Süden herrschende Gesellschaft ist Hochwasser für die Mühle der Partei. Was schiert die Partei Mr. Tonrgee's banaler Stil oder die Gewagtheit seiner Erfindungen, die mit der Wirklichkeit nicht immer zusammenfallen dürften!

Mr. Tourgee gehört zu jener edlen Armee derReisesäcke", so genannt, weil man von ihnen annahm, daß sie ans ihrer Expedition in den Süden nicht mehr des persönlichen Besitzes bei sich führten, als man bequem in einem Reisesack unter­bringen kann. Er ging, als der Krieg beendet, nach Südcarolina, wenn wir ihm glauben dürfen: mit den edelsten Absichten. Von Politik wollte er nichts wissen; aber l'bomms proposs, und wie hätte er taub bleiben sollen gegen den Schmerzensschrei der in der Aus­übung ihrer heiligsten, eben erworbenen Rechte von ihren einstigen Gebietern grausam verhinderten Neger! Mag sein, daß llool'8 blli-aml" zu nicht gerin­gem Theil als Autobiographie zu nehmen ist und Mr. Tourgee die Erlebnisse des OberstServasse" an sich selbst erfahren hat Parteileidenschaft ist ein Etwas, das dichterische Objectivität ich will nicht sagen: aufhebt, aber ganz gewiß, je nach dem Grade der Leidenschaft, mehr oder weniger beeinträchtigt.

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