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Illustrirtc Deutsche Monatshefte.
ländischen Mädchen einfiel, sich „Tochter von New-Jork" oder „Tochter von Connecticut" zu tituliren. Sie würden sich äußerst lächerlich vorgekommen sein, hätten sie in so pomphaften Phrasen schwelgen wollen, während sie doch ihre südländischen Schwestern, die es durften, ohne lächerlich zu erscheinen, in aller Stille beneideten. Freilich muß matt bewundernd anerkennen, daß diese „Töchter Carolina's", als die Stunde der Prüfung an sie herantrat, das stolze Wort ganz und voll einlösten.
Noch eine der Erzählungen der Miß Woolson — und als Erzählung vielleicht die beste — mag den Stoff zu einigen weiteren Bemerkungen über die südländische Gesellschaft bieten. In „Miß Elisabetha" herrscht ein wunderlicher, altmodischer Duft, wie der von den getrockneten Rosenblättern, welche meine Großmutter in dem Besuchszimmer auf den Ofen zu streuen Pflegte, oder von dem Lavendel, den sie in die Falten ihres besten Seidenkleides streute, bevor sie es in die alte Commode mit den Messinggriffen legte. Miß Elisabetha ist der vortreffliche und in den lebendigsten Farben gemalte Typ jener fadenscheinigen südländischen Noblesse, die sich in ihren abgetragenen Prunk von vor hundert Jahren hüllt und die asfectirt „guten" Sitten von ehemals und die uralten ererbten Küchenrecepte mit gewissenhafter Treue bewahrt. Zu den antiqnirten Manieren und Küchenzetteln der guten Dame stimmen völlig ihre tremulirende Sangesweise und das Repertoire ihrer Lieder. Letztere singt sie ihrem jungen Neffen Doro vor, den sie erzogen hat. Natürlich langweilt sich der junge Mensch, schlägt trotz der Mustererziehung bei der ersten Gelegenheit über die Stränge und fällt in die Netze einer Opernsängerin, deren Coiffüre ihn entzückt und deren Gesangsmanier im echtesten Geschmack des „zweiten Kaiserreichs" ihm viel amüsanter däucht als die der alten Tante. Freilich die Ballade von „der Dame stolz", die „weint und weint und immer weint, bis mit dem Liebsten sie vereint" (welcher Liebste in der Schlacht gefallen ist), gehört zu einer Gattung, die längst ans unseren nordischen Salons verschwunden ist mitsammt dem obligaten Harfen
geklimper. Aber im Süden gab es bis vor Kurzem weit vom Wege abgelegene stille Winkel, wohin der dröhnende Schritt unseres Jahrhunderts nur wie das Murren eines weitentfernten Donners schallte; wo man Wagner, Chopin und Schubert nicht kannte und stolz war, sie nicht zu kennen; wo man den alten englischen Classikern (in dauerhaften Ledereinbänden) — jenen Classikern, die ja auch für jede anständige nordländische Bibliothek obligatorisch sind, die der Nordländer aber leider selten oder niemals öffnet — eine rührende Treue bewahrte; wo Männer bei den derben Scherzen von Fielding und Smollet sich die Seiten hielten und Damen, welche von Bret Harte und Mark Twain nie eine Silbe gelesen und von Dorothea's Schicksalen in Elliot's „Middle- march" ungerührt geblieben sein würden, über die von Richardson's Clarissa Harlow in Thränen zerflossen. Nun ist ja diese ablehnende Haltung gegen die Literatur des Nordens znm Theil gewiß eine Folge der Seltenheit der Eisenbahnen und der Armuth der Leute, die positiv das Geld nicht haben, um sich Bücher zu kaufen, und so gezwungenerweise hinter dem Jahrhundert Zurückbleiben; aber den größeren Theil der Schuld trägt doch die bewußte Opposition gegen Alles, was aus dem Norden kommt oder im Norden protegirt und geliebt wird. Und nicht bloß der Norden ist verfehmt: das ganze Jahrhundert ist's. Kann denn Gutes von einem Jahrhundert kommen, das — im Großen und Ganzen — den Siegen des Nordens zujubelte und die Abschaffung der Sclaverei als eine Ruhmesthat feierte!
Ein zweites Moment war für die Geschicke des Südens immer von hervorragendem Einfluß: seine intellectuelle Gefolgschaft Europa's. Wie die Creolen, die von lateinischer Abstammung sind, sich ihrer provinziellen Haltung gegen Frankreich und Spanien berühmen, so zeigen die virginischen Familien, die ihren Stammbaum von englischen Tories ableiten, für England eine sympathetische- Bewunderung, welche mit republikanischer Ueberzeugung und Gesinnung schwer vereinbar ist. Und in Wahrheit ist der Süden nur dem Namen nach republikanisch; man kann von ihm nicht erwarten,