Heft 
(1881) 297
Seite
394
Einzelbild herunterladen

WM

Literarische MiLtheilungen.

Sociale

ls Uebersicht des gegenwärtigen Zustandes der Gesellschaft auf der Erdoberfläche ist das vorzügliche Werk von Kolb unentbehrlich, wel­ches in neuer und zwar in der achten Auflage vor uns tritt: Handbuch der ver­gleichenden Statistik. Von G. Fr. Kolb. Achte, auf Grundlage der neuesten staatlichen Gestaltun­gen bearbeitete Auflage. (Leipzig, Verlag von Arthur Felix.) Das Werk hat längst seine feste Stellung erworben. Nachdem sich seit Erschei­nen der letzten Auflage im Jahre 1875 infolge staatlicher Umgestaltungen und der allscitigen inneren Ausbildung der Statistik ein so be­deutendes Material angesammelt, daß man dasselbe nicht mehr in einem Handbuch dieses Wissenszweiges, der so zu sagen täglich Ver­vollständigungen und Ergänzungen erfährt, vermissen durfte, so konnte mit der Herausgabe einer neuen Auflage nicht länger gewartet werden, sofern das Ganze sein gutes Renomms behaupten sollte.

Die Anordnung ist im Wesentlichen dieselbe geblieben. Das Werk zerfällt in eine Statistik der einzelnen Länder und in eine Vergleichung der Verhältnisse, insbesondere der europäischen Länder unter einander. Die Statistik der ein­zelnen Länder geht von dem deutschen Reiche aus, bespricht alsdann Land und Leute, Fi­nanzen, Militärwesen und die socialen Ver­hältnisse in den einzelnen deutschen Staaten, sodann bei den übrigen europäischen Groß­mächten, wendet sich zu den kleineren euro­päischen Staaten und giebt schließlich eine Uebersicht über die Verhältnisse in Amerika und den anderen Welttheilen.

Die Richtung, von welcher aus dieses um­fassende Material bearbeitet wird, gelangt in dem Werke selbst zu klarem Ausdruck. Es giebt nach demselben keine Wissenschaft, welche bei dem Streben nach Verbesserungen aller

Schriften.

menschlichen, aller socialen Verhältnisse einen gleich sicheren und verlässigen Leitfaden gewährt wie die Statistik. Sie zeigt zunächst die Wir­kungen mit mathematischer Bestimmtheit; sie ermöglicht nicht nur, sondern sie fordert auf zum Erforschen der Ursachen dieser Erschei­nungen und bietet Mittel zum Ergründen der hier maßgebenden Gesetze. Auf der von ihr gesicherten festen Basis ist zunächst zu ermessen, nach welchen Punkten die Anstrengungen zu richten sind, um die menschlichen Zustände zu vervollkommnen und zu verbessern. Der For­scher sieht sich dabei nicht mehr darauf be­schränkt, von bloß individuellen und vagen, für das Ganze unzuverlässigen Wahrnehmungen oder gar bloßen Vermuthungen auszugeheu, woraus bisher so viele und nicht selten so schwere Jrrthümer und Fehler entsprangen; er steht auf fester Grundlage.

Eine Fülle von Material, geleitet von geist­reichen Gesichtspunkten, enthalten die: Ouu- 86ri68 86i6ir1ikt<lN68 pur Hanr^ clo kae- vilte (Paris, Rothschild), deren 18. Jahrgang eine vortreffliche Uebersicht über die Ergebnisse der Weltausstellung von 1878 in Bezug auf die Industrie der verschiedenen Länder enthält. Die Uebersicht ist gefördert durch 253 vorzüg­lich ausgeführte Abbildungen.

Eine Reihe von Erörterungen über die all­gemeinen Fragen, welche sich an das Studium der socialen Thatsacheu anschließen, giebt: Wichtige Tagesfragen. Von Carl Birnbaum. (Berlin, Verlag von Theodor Hofmann.) Es sind Vorlesungen, welche zuerst die gegenwär­tigen ökonomischen Parteien schildern und so­dann zur Discussiou der Hauptprobleme der Nationalökonomie übergehen. Das Buch darf als eine belehrende und angenehme Lectüre bezeichnet werden. Sein Zweck liegt offenbar nicht aus dem Gebiet der Wissenschaft, sondern auf dem der Praxis. Manche Aeußerung er-