Heft 
(1881) 297
Seite
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Literarische Mitteilungen.

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scheint freilich als durch den Parteistandpunkt mehr als billig gefärbt.

Eine vortreffliche wissenschaftliche Untersuchung über fundamentale Probleme der socialen Wissen­schaft bietet: Me social-ethische Bedeutung non Recht, Unrecht und Strafe. Von Georg Jellinck. (Wien, Alfred Hölder's Universitäts- buchh.) Der Verfasser geht mit Recht davon aus, die bisherige Philosophie habe sich vornehmlich mit den Problemen beschäftigt, welche Mathe­matik, Naturwissenschaft und Psychologie dar­bieten. Ethik, Rechts-, Staats- und Gesell- schaftslehre, Nationalökonomie, kurz alle jene Disciplincn, welche die Erkenntnis; psychischer! Massenbewegung und deren Gesetze zum In­halt haben, harrten noch der eingehenden Be­arbeitung ihrer Grundfragen von dem neu ge­wonnenen Standpunkte aus. Wie sehr es an der Zeit sei, auch für diese Wissenszweige neue Gesichtspunkte zu finden, welche dem fortge­schrittenen philosophischen Bewußtsein entsprä­chen, gehe daraus hervor, daß selbst in den Kreisen der Fachmänner das Bedürfnis; einer Revision der Grundbegriffe fühlbar werde.

Der Verfasser versucht vor Allem, den wissen­schaftlichen Begriff des Ethischen festzuftellen und von ihm aus einen Ausblick auf die Funda- mcntalfragen des Rechts zu gewinnen. Er verwirft jedes metaphysische Princip der Ethik und versucht eine empirische Grundlegung. Und zwar findet er diese nicht in der empirischen Betrachtung eines typischen sittlichen Indivi­duums, sondern in der Socialethik, d. h. dem sittlichen Leben des Menschengeschlechtes. Er schließt sich an die neueren anthropologischen Untersuchungen und glaubt in dem Urmenschen, wie ihn besonders englische Forscher construirt haben, den methodischen Anfangspunkt für eine wahrhaft empirische Untersuchung finden zu dür­fen. Und zwar unterscheidet er in diesem zwei einander cntgegemvirkende Triebe der mensch­lichen Natur, den egoistischen und den geselligen.

Indem man nun mit dem Antagonismus ausgcstattcte Individuen in den Beziehungen der Gesellschaft vorstellt, entstehen die Exi­stenz- und Entwickelungsbedingungen des Col- lectivums, das aus den Individuen zusam­mengesetzt ist, welche den Inhalt des durch menschliches Handeln zu Verwirklichenden, des Sollens, bilden. Die auf diesem Wege sich ergebenden Gesetze sind völlig anderen Wesens als die Naturgesetze. Das Naturgesetz ent­hält den Ausdruck für eine unbedingte Noth-

wendigkeit, das Sittengesetz für eine bedingte. So entsteht eine relative Ethik, deren Grund- formcl die folgende ist: Wenn du die Gesell­schaft und ihre Entwickelung heben willst, dann mußt du so handeln, daß deine Handlungsweise zur Erhaltung und Förderung der Gesellschaft beiträgt.

Der Verfasser übersieht freilich, daß aus em­pirischen Thatsachen solcher Art nie eine un­bedingte Forderung entsteht; in seiner Formel müßte das Wollen der Gesellschaft und ihrer Entwickelung ein ausnahmsloses sein, wenn sie einen Werth haben sollte; jedoch liegt fin­den, der seine Belehrung über ethische Dinge aus dem Studium der Wilden schöpft, kein Grund vor, zu den angenehmen Gaben der Gesellschaft unangenehme Forderungen mit in den Kauf zu nehmen.

Eine interessante Einzelarbeit auf socialem Gebiete ist: Das deutsche Element in den Ber­einigten Staaten von Nordamerika 18181848. Von Gustav Körner. (Cincinnati, Verlag von Wilde L Co.) Der Verfasser nimmt eine bedeutende Stellung in der politischen Geschichte ein. Körner war der erste eingewanderte Deutsche, der in einem der nordamerikanischen Vcreinsstaaten zu einem hervorragenden Staats­amte erwählt wurde. Auch hat er sich sowohl als Präsident des Staatssenats von Illinois und als Richter des höchsten Gerichtshofes dieses Staates wie auch auf dem zur Zeit besonders wichtigen Posten eines Gesandten der Vereinigten Staaten am Hofe zu Madrid aufs vortheilhaftefte ausgezeichnet. Das vor­liegende Werk und die Aufgabe, die ihm gestellt war, bedurfte gerade eines solchen Mannes von unbedingter Zuverlässigkeit, da die Dar­stellung und Würdigung so vieler Persönlich­keiten, die in der Geschichte der deutschen Ein­wanderung hervortreten, nur hierdurch vollen Werth erlangen konnte. Das Buch kann leb­haft empfohlen werden.

Ein anderer bemerkenswerther Beitrag für die Kenntniß der Gesellschaft in Amerika ist: Geschichte des Socialismus und Communismus in Nordamerika. Von Heinrich Semler. (Leipzig, F. A. Brockhaus.) Es giebt kein Versuchsfeld des Socialismus von solcher Be­deutung als Amerika. Was auf diesem Boden erwachsen, welche Erfahrungen hier gemacht sind, stellt das vorliegende Werk auf Grund selbständiger Untersuchung und mit gesunder Kritik zusammen.

Geographische Literatur.

Zwei Reisewcrke liegen uns heute zur Be- ! Phantasie herzustellen ist: Sm ewigen Eis von sprechung vor, zwischen denen eine Verbindung > Friedrich v. Hellwald (Stuttgart, Cottas nur mittelst des berühmten Faust-Mantels der > und: Der Orient von Amand v. S chw eig er-