Toni.
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„Wir begegnen uns in unseren Gedanken", sagte er. „Das heutige Gespräch hat mich ganz ernst gemacht. Es hat tausend Erinnerungen und Nebenvorstellungen in mir geweckt. Die Vergangenheit hat mich angesehen wie ein Gespenst. Ja wohl ist die erste Liebe einer der wichtigsten Momente unserer geistigen Entwicklung. Wie entscheidend über die Richtung, die wir einschlagen! Wie nachwirkend für's Leben! Doch was ist sie im Grunde? Ein ganzer Lenz von Blumen in einen Strom geworfen, der sie erbarmungslos verschlingt. Je köstlicher sie sind, desto mehr Schade um sie. Sie sind ja dem Tode verfallen. Wenn Sie mich so sehen, wie ich bin, da ich freudelos durch eine verödete Welt hinwandle, die erste Wahl, die ich traf, ist schuld daran. Manche Wege stehen dem jungen Menschen offen — auf jedem drohen eigenthümliche Gefahren —"
Endlich, wie von einer inneren Gewalt getrieben, sagte er, indem ein wehmüthiger Ernst seine Züge überstrahlte:
„Wollen Sie meine Geschichte — die Geschichte meiner Wahl hören?"
„Es steht bei Ihnen —"
„Mittheilung ist oft Wohlthat. Es wird mich erleichtern, mein Herz zu öffnen. Vielleicht höre ich auch ein Urtheil, das mich entlastet. Ich erzähle Ihnen die Ereignisse, die zwölf und mehr Jahre zurückliegen. Hören Sie zu?"
Ich nickte, und Hammer begann.
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Ich bin ein Deutschböhme und stamme aus einer Fabrikanten-Familie. Mein Großvater hat einen in der Geschichte der böhmischen Glasindustrie wohlbekannten Namen, ein Onkel von mir lebt heute als reicher Mann in Batavia. Nach dem frühzeitigen Tode meines Vaters zog meine Mutter mit mir in das alte, ruhmwürdige, romantische Prag. Wir besaßen ein Haus auf der oberen Neustadt, mit einem schönen Garten daran. Nichts fehlte mir von dem, was ein Leben geordnet und glücklich machen konnte. Ich hatte gute Lehrer, liebe Gespielen, ich war ein vielversprechender Knabe, ein Glückskind. Meine Mutter war die Güte selbst. Nie versuchte sie den Eigensinn des Knaben durch Strenge zu brechen, immer nur ihn durch Liebe zu leiten.
Sehr frühe war in mir ein ausgeprägter Sinn für die Kunst und alles Schöne erwacht. Ich las mit Leidenschaft, jeder Augenblick war mir kostbar. Bilder sprachen zu meiner Seele, ich vermochte nicht leicht Rührendes ohne Thränen zu lesen. Musik regte mein ganzes inneres Leben aus. Doch hinderte mich eine leidenschaftliche Unruhe, die mich planlos heute dies, morgen jenes treiben ließ, auf irgend einem Gebiete selbständige Fortschritte zu machen.
Ich übergehe den Aufenthalt am Obergymnasium, die romantische