Alfred Meißner in Bregenz.
Fidele schoß zum Zimmer heraus.
„Sie sehen mein Talent mit allzu nachsichtigen Augen an —" begann ich nach dieser Unterbrechung. „Ich bin ein Anfänger —"
„Natürlich sind Sie das!" sagte die Gräfin. „Freuen Sie sich, daß Sie das sind! Aber — Sie bleiben es nicht lange — ich prophezeie Ihnen Glück, ein hohes Gelingen. Wäre ich noch Schauspielerin — Sie sollten mich bald als Arethusa sehen".
„Diese Hoffnung ist leider für immer dahin".
„Hm" — sagte die Gräfin und dieser langhingezogene Laut war unendlich vielsagend. Es war, als ob sie sagte: ich verschwöre es nicht, daß man mich noch einmal auf den Brettern sieht! . . .
Das brachte mich ganz außer Fassung, ich sah sie groß an. Sollte sie aus den Tod des Grasen warten? oder war sie gesonnen —
„Lesen Sie, lesen Sie!" rief die Gräfin, den Gedanken nicht weiter verfolgend. „Ich will die große Scene zwischen Arethusa und Myron von Ihnen selbst hören".
„Aber Sie kennen sie bereits".
„Ich will sie von Ihnen hören".
Und nun soll ich wirklich den Vortrag der Scene zwischen dem jungen Jäger und der mächtigen Nymphe beginnen, bei deren Niederschreiben ich mich als Myron, Sophie Wallberg als Arethusa gedacht! Das Blut schießt mir in die Wangen. Alles geht so gut, daß ich davor erschrecke — die Liebeserklärung steht vor der Thür.
Wirklich, ich begann, mit kurzem Athem und pochenden Herzen; aber ich kam nicht weit.
„Genug, genug!" hörte ich die Gräfin schon nach einer Weile sagen und sie hatte ihre Hand auf die meinige gelegt. „Es ist heute ein so unglücklicher Tag — es ist, als habe man es darauf abgesehen, uns zu stören . . . ."
Ich schwieg, es ward wieder still. Aber mein Herz hörte ich laut weiterpochen.
Ta öffnete sich die Thür des Nebenzimmers. Graf Greifenklau zeigte sein Haupt. . Auf feinem immer ernsten Gesichte war nichts weniger als gute Laune zu lesen.
„Ich bedauere", sagte er, „ein llsts-u-Ms zu stören. Darf ich Dich bitten, Sophie — auf einen Augenblick —"
Die Gräfin erhob sich und flog in's anstoßende Zimmer hinüber, ich blieb allein mit meinem Manuscript.
Eine Zeitlang hörte ich die Gatten miteinander sprechen, eifrig in kurzen Sätzen, und da ich vermuthen mußte, daß es mich anging, war es wohl verzeihlich, daß ich mich der Thür näherte:
Der Graf sagte:
„Erinnern Sie sich unseres Vertrags nicht mehr? Keine Schauspieler