Toni.
mehr im Hause — keine Receusenten — keine Dichter? Dieser junge Mann — gestern, den ganzen Nachmittag haben Sie sich von ihm den Hof machen lassen. Heute laden Sie ihn zu sich. Ihre unbefangene Vorliebe für sehr junge Leute wird noch Sie und mich lächerlich machen. — Mit vierzig Jahren —"
Sie entgegnete leidenschaftlich, doch mit leiser Stimme; er fuhr drein:
„Er interessirt Sie nicht? Sie verhandeln mit ihm über die Aufführbarkeit seiner Trauerspiele? Das ist dumm. Ich weiß nicht, was mich abhält, ihm die Thür zu weisen —"
Ich fuhr zornig auf, in meinem Studentensinne entschlossen, dem Grafen cutgegenzutreten und ihm derb meine Meinung zu sagen. — Doch schon legte sich eine nachdrückliche Hand aus die Klinke, ich hörte nur noch, als die
Thür wich, die Worte:
„Bin Philosoph — schmeichle mich dessen — aber Augen immer offen — Augen immer offen —"
Ich hörte, wie er sich entfernte, die Gräfin trat ein.
„Unser Plauderstündchen", sagte sie leichthin, „erleidet eine unwillkommene Störung. Eben eingetroffene Briefe unseres Gutsverwalters haben meinen Gemahl verstimmt und aufgeregt. Ich eile zu ihm — verzeihen Sie, daß ich Sie in so brüsker Weise verabschiede. Auf Wiedersehn, lieber Armin, auf Wiedersehn ..."
Ich nahm mein Manuscript und empfahl mich. Als ich aber über den Corridor ging, war mir, als hätten mir durch die halbgeöffnete Thür
Fidelens blitzende Augen schadenfroh uachgefehn.
Der Morgen des nächsten Tages traf mich auf dem Wege nach Kranberg. Ich hatte wenig und unruhig geschlafen und fühlte jetzt, daß Bewegung mir
wohlthat. ^Es war noch sehr früh am Tage, ein zarter Duft lag auf den
Gebirgen. Die Büsche, die Wiesen funkelten von Thauperlen. Die Lerche fang über den Feldern, da und dort läuteten die Glocken zur Messe. Alles athmete Frieden und Freude ...
Während ich so hiuzog, gab mir die gestern erlebte Scene viel zu denken. Ich war von meiner Bewunderung der großen Tragödin sehr stark zurückgekommen. Sie war, bei Tageslicht besehen, doch eine ganz Andere, als ich sie mir gedacht. War sie wirklich die Hohepriesterin ihrer Kunst? Nie wäre Medea solch einem Jason gefolgt, trotz seines goldenen Vließes! Dieser Aufwand von Toilettenmitteln — die vierzig Jahre, die mir ihr Gatte verrathen — kürz, ich war entschlossen, mich sachte zurückzuziehen und der Eifersucht seiner Erlaucht keinen Vorwand mehr zu bieten . . .
Weit mehr als die große Tragödin gefiel mir heute ihre kleine Zofe. Das war doch unverfälschte Natur. Ihr pikantes Gesicht, die schelmischen
Nord und Süd. XIII, 37. 2