von denen es hier wimmelte. Die Thierchen scheinen das Mädchen gar nicht zu fürchten, vielmehr wohl zu kennen. Wenn es die Harmonien an die Lippen setzt, kommen sie näher und näher, halten endlich still und scheinen andächtig zuzuhören. Jetzt kauert das Mädchen nieder — bläst immer leisere Töne — verstummt — die winzigen Lindwürmer im braunen Panzer rücken ihr wieder näher, so daß sie mit der Hand zu greifen sind, dann springt das Mädchen unerwartet auf, schüttelt ihre Röckchen, oder klappert mit den Schuhen — die Thierchen verschwinden oder zucken in scharfen Windungen auseinander. Aber gleich sind sie wieder da. Wieder bläst das Kind einige Töne, dann springt es plötzlich in entgegengesetzter Richtung davon, macht einen Satz über eine Mauerlücke — die Eidechsen wieder dicht hinter ihr ....
Mir war es wie ein Märchen, das Mädchen so hin und herlaufen zu sehen auf der schmalen, rissigen Mauer, wo die gelbe Königskerze blühte und die Mauerwurz wucherte; mehrere Minuten sah ich ihrem Spiel mit den Eidechsen zu. Nun aber gedachte ich es mir aus der Nähe anzusehen. Ich wollte mich von der Brüstung aus Herunterschwingen, aber das wäre ein gefährlicher Sprung gewesen, ich nahm meinen Weg durch den inneren Bnrg- ranm und trat durch einen Thürbogen in's Freie.
Das Mädchen, durch die Schritte eines Herannahenden gestört, hatte ihr Spiel aufgegeben, war heruntergesprungen, und stand neben mehreren Ziegen, die zwischen den Felsblöcken grasten. Sie strickte eifrig an einem Strumpf von grauem Garn. Und nun sah ich auch, daß es meine Bekannte von vorgestern, das Mädchen mit dem Rehe sei!
„Sie sind es!" rief ich freudig überrascht, indem ich näher trat. „Welches wunderliche Spiel haben Sie doch mit den Eidechsen getrieben, Ich habe Ihnen zugesehen wie einer Zauberin" ....
„Dabei ist gar keine Zauberei im Spiele", sagte das Kind, — „das geht ganz einfach zu". . . .
„Aber die Eidechsen sind doch so scheu — Sie schienen sie zu kennen . . . ."
„Gewiß kennen sie mich", sagte das Mädchen. „Und in dieser Mauer wohnen einige Paar, die sich von mir mit Händen greifen lassen. — Sie müssen nur wissen, daß man ihnen nichts thut — dann sind sie ohne Scheu, und lassen sich locken" ....
„Das glückt wohl nur Ihnen" . . .
„Bewahre!" war die Antwort. „Diese Thierchen sind wohl sehr furchtsam und sehr gescheit -— aber sie sind auch schrecklich neugierig und schrecklich naschhaft! Alles Auffällige lockt sie heran, sie wollen es ansehen, und wenn man ihnen ein paarmal einen kleinen Schmetterling hingehalten hat, oder eine Heuschrecke — nur lebendig muß sie sein —, da sind sie auch dankbar und werden zahm —- beinahe zahm".
„Aber wie ich sehe, scheinen sie auch die Musik zu lieben?" meinte ich