s8 . - Alfred Meißner in Bregenz.
„Von den Schlangen habe ich gehört, daß man sie mit Musik zähmt und sogar zum Tanzen bringt. Von den Eidechsen ist es mir neu, lassen Sie mich doch Ihre Harmonien sehen. ..."
„O, da ist nichts d'ran!" lachte das Mädchen, indem es das ureinsache, kleine, blechbeschlagene Instrument aus der Tasche zog und an ihren Lippen vorbeiführte, daß die sieben Töne nacheinander erklangen. „Doch nun sagen Sie, wie kommen Sie wieder her? Zum Glück ohne den Hund? Die Hausbesorgerin wird Ihnen doch das kleine Beutelchen zurückgestellt haben, das Sie hier verloren hatten?"
„Ich hatte es nicht verloren, ich hatte es absichtlich zurückgelassen", sagte ich. „Wir haben Ihnen Schaden verursacht und Leid — Sie sollten eine kleine Entschädigung annehmen".
Das Mädchen erschien mir so schön, daß ich das Alles nur mit einer gewissen Befangenheit sagte.
„Wenn man ein Thier, das sonst so scheu ist, aufgezogen hat, und es Einem so zugethan ist, daß es uns auf Schritt und Tritt folgt, da thut es Einem leid, es so zu verlieren. Aber Geld ersetzt das nicht . . ."
„Ich weiß, wie man ein Thier liebgewinnen kann", erwiderte ich. „Ich habe einst ein Windspiel ebenso geliebt. Es kam unter ein Wagenrad, und seitdem ich es verloren, mag ich keinen Hund mehr haben".
„Der große Schwarze war also nicht Ihr Hund?" rief das Mädchen. „Das freut mich! Wie kann man doch mit einem so blutgierigen Thier umgehen? Gehört er etwa der großen Dame, in deren Gesellschaft Sie waren?"
Ich bejahte es.
„Sie hat etwas Hartes im Gesicht, so schön sie auch seiu mag", sagte das Mädchen. „Schließlich hat sie ihn noch gestreichelt, den häßlichen Mörder!"
Das Kind ahnt richtig, dachte ich bei mir. Wie oft hat die Frau den tragischen Dolch geschwungen!
„Sie wohnen in der Nähe", sagte ich nach einer Weile. „Darf ich bei Ihnen eintreten — das Steigen hat mir gewaltig heiß gemacht. — Ich wollte mich auch erkundigen —"
„Kommen Sie!" erwiderte das Mädchen, „es sind nur wenige Schritte. Meine Mutter ist daheim".
Sie ging voran; ich folgte.
Ein Häuschen, von Obstbäumen umgeben, stand in einer Senkung. Wir traten ein: meine Begleiterin wies mich in eine niedrige und ärmliche, aber äußerst sauber gehaltene Stube. Eine Frau in einfacher Kleidung, von ehrbarem Aussehen, etwa vierzig Jahre alt, doch an den Schläfen schon grau, saß am Fenster über ihr Klöppelkissen gebeugt. Es war ein eigenthümlich sorgenschweres fast hartes Gesicht mit tiefliegenden Augen, das mir entgegensah. Die Frau grüßte leichthin, ohne sich in ihrer Arbeit stören zu lassen.
„Also hat die Toni Sie gefunden, und Sie kommen sich bedanken, daß