Toni.
2 !
schlaflose Nacht mehr. Ich habe Sie kennen gelernt und kann ja bezeugen, daß nicht übler Wille die Schuld trägt. Ich verspreche Ihnen, die Tante zu bestimmen, daß sie wartet und Nachsicht übt".
Ich rief es nachdrucksvoll, wiewohl es mehr war, als ich versprechen konnte.
„Das wird Ihnen der Himmel lohnen!" sagte Frau Erhardt und der Tochter beredter Blick sagte das Gleiche.
„Sie werden sich wundern", hob die Frau nach einer Weile wieder an, wie Herr Binder dazu kam, meinem Manne so viel Geld zu leihen. Er hat es in der Absicht gethan, ein an ihm begangenes Unrecht wieder gut zu machen. Wenn nur die Geschichte Sie nicht langweilt . . . aber vorsetzen müssen wir Ihnen etwas ..."
Sie eilte hinaus, brachte eine Schüssel voll Kirschen, die im Gebirge so spät reifen und ich setzte mich dazu.
„Der Rath Binder", begann die Frau, „hatte jahrelang eine Vorliebe für meinen Mann, weil er bei der Arbeit immer heiter und guter Dinge war. Wenn eine Reparatur nöthig war, sagte er immer zu den Architekten: schicken Sie mir den Erhardt. Einmal — es sind nun viele, viele Jahre her, läßt Rath Binder Verzierungen mit Cement an der Vorderseite seines Landhauses anbringen und mein Mann, der ein gar geschickter Arbeiter in solchen Sachen war, hat es ganz allein auszuführen; nur ein Handlanger ist dabei. Es wird ein kleines Gerüst ausgesührt, knapp unter den Fenstern vom Herrn Rath Binder und hundertmal im Tage geht mein Mann da vorüber. Da geschieht einmal etwas Schreckliches. Aus einem Stübchen, das gelbe Cabinet genannt, wo ein Gast, ich glaube ein Anverwandter wohnt, kommt ein ungeheuer kostbarer Diamantring in Verlust — er war in einem Etui auf dem Schreibtisch gelegen — und der Rath, denken Sie nur -—, der Rath Binder, beschuldigt meinen Mann, ihn genommen zu haben! Denken Sie nur — einen Menschen, den er seit Jahren kennt.. ." Sie hielt inne, ihr Gesicht veränderte sich und düster setzte sie hinzu: Reiche Leute! reiche Leute!"
Auch ich wurde seltsam ergriffen. Ich wußte von der Geschichte. Dort — im gelben Cabinet wohnte damals der Oheim, der alte, jähzornige Mann aus Java, unseren Sitten entfremdet, gewohnt über Halbmenschen zu commandiren. Sein Ring war fort, der große, fast unschätzbare Diamant — und wer konnte ihn gestohlen haben? Natürlich kein anderer als der Maurer, der Schützling des Hauses ... Der alte Herr wollte von keinem Bedenken hören — schimpfte auf unsere zahme, schläfrige Justiz, tobte — und Rath Binder wagte kaum einen schüchternen Widerspruch.
„Auf meinem Mann", fuhr Frau Erhardt fort, „hat das schrecklich gelastet, denn es bleibt immer etwas hängen und er wurde von seinem Architekten fortgeschickt. Dreiviertel Jahre später kam Alles an den Tag Ein vier- oder fünfjähriger Knabe aus dem Hause hatte den Ring vom