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Alfred Meißner in Bregenz.
Tische genommen, damit gespielt und ihn dann in eine Vase fallen lassein die in einem anderen Zimmer ruhig auf dem Kamin stehen blieb. Der Besitzer des Ringes war abgereist. Da kommt Rath Binder aus freien Stücken zu meinem Mann gelaufen, erzählt ihm Alles, bittet ihn, ihm seinen Verdacht zu verzeihen, fragt ihn, was er für ihn thun könne? Mein Mann wollte in seine Heimat zurück, dort selbständig arbeiten, Rath Binder leiht ihm das Geld. Aber wir hatten wenig Glück vom Hause, das wir bauten. Mein Mann fällt vom Gerüst und bleibt jahrelang krank".
So ungefähr war's, was die Frau erzählte, ich hörte aber Alles nur undeutlich. Ich war ja selbst der Knabe, der den Maurer in den ungerechten Verdacht gebracht! Die Mutter hatte mir die Geschichte vom gelben Kabinette oft erzählt. Ein eigenthümliches Gefühl der Befremdnng, in einer Beziehung zu diesen Leuten zu stehen, mit ihrem Schicksal verflochten zu sein, ergriff mich, gleichsam voll Furcht, daß meine Schuld, von der ich nur durch Erzählung etwas wußte, an den Tag kommen könnte, schwieg ich und senkte betroffen den Kopf.
Ich verließ das Häuschen unter den Bäuinen und versprach wiederzn- kommen, sobald ich über die schwebende Angelegenheit mit meiner Tante Rücksprache genommen. Die Leute baten mich darum; wie gern sagte ich zu!
Meine Tante war, während ich in Kranberg weilte, auf andere Gedanken gekommen. Sie ließ zwar meist die Dinge so gehen, wie sie eben gehen wollten, doch von Zeit zu Zeit regte sich wieder in ihr eine Thatenlust, die aus den Vorwürfen entsprang, die sie sich über ihre Lässigkeit machte, und dann glaubte sie doppelte Energie entwickeln zu müssen. Ich traf sie jetzt lebhaft eingenommen gegen ihre säumigen Schuldner. Ihr Einnahme- und Ausgabebuch vor sich, berechnete sie, wie viel sie an Zinseszinsen verloren, selbst wenn ihr jetzt Capital und Zinsen zurückgezahlt würden. Nur ein Advocat konnte ihr rasch zu ihrem Gelde verhelfen, es handelte sich für sie nur darum, an wen sie sich wende.
Die Wittwe und ihre Tochter schienen mir jetzt von einer ernstlichen Gefahr bedroht. Ich aber fühlte einen leidenschaftlichen Drang, ihnen zu helfen. Wie ich jetzt zu den Leuten stand, schien es mir eine Pflicht, ich beschloß, die Angelegenheit ganz auf mich zu nehmen. Um ganz und radical zu Helsen, waren, wie man sich denken mag, meine Mittel unzureichend, teilweise konnte ich ihnen doch zu Hilfe kommen. Ich schilderte also meiner Tante die Leute, wie ich sie getroffen, entschuldigte sie nach Möglichkeit, und sagte: sie bäten ihre Schuld ratenweise abtragen zu dürfen. Diese Raten wollte ich aus meinem Eigenen zahlen und zwar wollte ich so Vorgehen, daß die Wittwe Erhardt vorerst Nichts erführe. Erst wenn ihre Schuld ganz getilgt, wollte ich ihr sagen oder schreiben, daß sie sich von aller Sorge erlöst betrachten dürfe.