Toni.
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wieder — recht bald wieder? Wenn Sie da den Hügel hier hinuntergehen und dort um die Tannen herum, schneiden Sie ein großes Stück ab. Da kommen Sie gleich zur Brücke und auf die Straße. Ich zeige es Ihnen".
Wir gingen ein Stückchen Wegs schweigend nebeneinander her.
„Da — da hinunter, rechts der Pfad".
Nun stand sie wieder still, legte die Hand an die Stirn und sagte ernst, gleichsam aus einem beklemmten Herzen heraus: „Ich muß mich sammeln und Nachdenken, wie das alles ist. Nein, es ist besser, ich sage Ihnen jetzt Lebewohl. Dort — sehen Sie dort zwischen den Tannen sieht man die Straße schon".
Sie gab mir die Hand ohne mich anzusehen, sagte noch einmal, also Adieu, Herr Armin, Adieu! und wandte sich rasch wie ein Gemslein den Höhe zu. Ich hörte ihre Schritte noch eine ganze Weile, dann wan alles still.
Ich konnte nicht weiter. Ich setzte mich auf den nächsten Stein, während ein Sturm in meinem Herzen tobte.
Nun wollte ich ihr Nacheilen, die ich bereits zu Hause dachte und ging den nächsten Weg durch Stock und Stein hinauf.
Ich war kaum dreißig Schritte aufwärts gegangen, als ich zusammenschrak. Knapp vor mir, zusammengekauert, als ob sie sich vor mir verbergen müsse, saß Toni auf der Erde.
Ich flog auf sie zu und kniete neben ihr hin.
„Liebe, liebe Toni!"
Ihr Haupt sank an meine Brust.
„Liebe, liebe Toni, wie muß ich Sie lieben ..."
Ich drückte sie lange und heiß an mich und war selig. Wünsche, Ahnungen, Hoffnungen hoben mich, tausend unbekannte Gefühle stürmten auf mich ein und versetzten mich in einen Zustand süßer Auflösung. Bald fühlte ich mich wie von Schwingen emporgehoben, bald meinte ich unterzutauchen — indeß erhob sich ein Wind und wirbelte Blätter um uns her, in der Ferne wetterleuchtete es.
„Fort! Fort!" rief Toni mich abwehrend.
„Leb wohl, meine Geliebte! Leb wohl!"
Ich riß mich los und eilte lautklopfenden Herzens vorwärts. Die schwüle Nacht, das herausziehende Wetter, die Hast der Wanderung peitschte mein Blut bis zum Fieber.
Zu Hause angekommen, versuchte ich mir alles Vorgefallene zu wiederholen. Es war wie ein süßer Rausch, aber etwas Grauen vor der Zukunft war doch mit dabei.
(Schluß folgt.)