Emile Zola.
von
Ludwig Pfau.
— Paris —
I.
s hat mich einige Ueberwindung gekostet, die Arbeit einer ernstlichen Studie an eine literarische Erscheinung zu wenden, welche, für sich betrachtet, diese Mühe nicht verlohnt, und ohne Zweifel nach kurzer Frist eben so tief in die Stille der Vergessenheit zurücksinken wird, als sie jetzt hoch in den Lärm des Tages emporsteigt. Aber wie es auch mit dem Wertste des Werkes bestellt sein mag, die Wirkung desselben ist nicht zu bestreiten; und indem die Romane Emil Zolas — denn von ihnen soll hier die Rede sein — in rascher Folge eine Reihe zahlloser Auflagen erleben, nehmen sie, als ein Zeichen der Zeit, die Aufmerksamkeit der Kritik in Anspruch, wenn diese auch weniger den Schriftsteller und sein Talent, als das Publikum und seinen Geschmack zum Ausgangsund Zielpunkt hat.
Die Auflagen eines Buches sind leider kein Kriterium für dessen Vorzüge, und die Zeit ist noch fern, da der ästhetische Factor eine stärkere Anziehungskraft auf die Gemüther übeu wird als der pathologische; so hat denn auch der Skandal einen größeren Antheil an der Zola'schen Berühmheit als die Kunst. Es ist jene ungesunde Neugierde fiir das Grausame und Obscöne, mit der eine rohe Volksmasse an das Schaffott der Missethäter und eine feine Damenwelt in den Ballsaal der Courtisanen eilt; es ist jener geheimnißvolle Zug nach dem Abgrund, welcher dieser, mehr noch mit Schmutz als mit Blut besudelten Muse ihren Leserkreis zuführt. Um gerecht zu sein, darf man trotzdem nicht verkennen, daß — wenn überhaupt bei großen Erfolgen das Talent nicht abwesend zu fein pflegt — das Werk Zolas eine mit überlegter Absicht und energischer Consequenz durchgeführte Arbeit ist. Dasselbe läßt sich daher, trotz seiner bedenklichen Richtung und seiner ästhetischen