Heft 
(1880) 37
Seite
146
Einzelbild herunterladen

gegeben, dem er sie freilich überlassen und auf den er sich, obwohl die Bibel davor warnt, auch verlassen konnte, wie denn die Harveys ein schönes Familienleben geführt zu haben scheinen. Als er sich aber über den Stand desselben es war nicht gering, denn er war, wie die Engländer sagen, 240,000 Mark Werth vergewissert hatte, fing er sofort an, sich eines Theiles desselben aus edle Weise zu entledigen.

Demgemäß frug Harvey zuerst beim College zu London an, ob es ein von ihm zur Aufnahme einer Bibliothek, einer Präparaten- und Jnstrumenten- sammlung u. s. w. zu errichtendes Gebäude annehmen wolle. Das College gab seine Zustimmung und beschloß zugleich, am 12. Dec. 1652, die Büste des edlen Mitgliedes im Versammlungssaale aufzustellen und dieselbe zugleich mit einer die Verdienste des Entdeckers des Kreislaufs feiernden Inschrift zu versehen. Harvey beschleunigte nunmehr den Bau so sehr, daß er denselben schon am 2. Februar des folgenden Jahres dem College übergeben konnte, nachdem er die Mitglieder zu einem geselligen Mahle eingeladen hatte. Durch Geschenke von Büchern aus der Medicin, Astronomie und Geometrie, Optik Geographie, Naturgeschichte und Reisebeschreibungen bildete er einen Grund­stock zur Bibliothek. Durch diese Auswahl aus den verschiedensten Gebieten thut aber Harvey dar, wie großes Gewicht er auf universale Bildung des Arztes legte. Die Bibliothek war Freitag-Nachmittag geöffnet, die Mitnahme von Büchern aber nicht gestattet.

Dem Casus-College zu Cambridge schenkte er das Haus seines Vaters. Und als ihn Bruder Eliab davon abhalten und den Werth desselben in Geld geben wollte, weil doch die Brüder und Schwestern alle in jenem Hause geboren waren, gab er zur Antwort, daß durch Schenkung desselben an jene Anstalt, auf der er gebildet worden, ihrer aller Andenken' am besten gewahrt bleibe.

Sein Lehramt legte Harvey im Jahre 1654 nieder. Das College trug ihm nun den Vorsitz an. Aber Harvey war so wenig ehrsüchtig, daß er unter Verdankung der guten Absicht zwar, aber bestimmt diese höchste Ehre, welche einem englischen Arzte von seinen Standesgenossen übertragen werden kann, ablehnte und den seitherigen Präsidenten Prujean zur Wiederwahl empfahl, die denn auch erfolgte. Die Versammlungen des Colleges besuchte er aber trotz seines hohen Alters weiter. Er unterhielt sich hier nach erledigter Tagesordnung gerne über Politik bei einer Tasse Kaffee. Persön­lich war Harvey liebenswürdig, fröhlich, leutselig, bescheiden. Wenn seine eigenen Verdienste berührt wurden, verhielt er sich eher ablehnend, fremdes Verdienst erkannte er aber um so lieber an. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Biederkeit, Treue gegen Freunde und Wohlthäter, eigne Wohlthätigkeit, tiefe Religiosität zierten seinen Charakter. Eine gewisse Lehrhaftigkeit in der Unterhaltung war wohl die natürliche Folge seines langen Professorenthnms, gewiß nicht der Selbstüberschätzung. Er hatte auch ein offenes Auge für schöne Natur und für die Kunst: hatte er doch das von ihm gestiftete