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Die Uunst und der Aaufmann.
Vor Allem im den Radirungcn des großen Meisters sich darlegt, ist geistesverwandt den ähnlichen Arbeiten Dürer's, als dessen Nachfolger und Fortsetzer Rembrandt erscheint; auch darin, daß beiden großen Künstlern das Element des Charakteristischen, Empsindungsvollen weit mehr als das einer höheren Frauenschönheit eigen ist. Aber der Hauptnachdruck dieser Knnck liegt doch darauf, daß sie zum ersten Male mit rücksichtsloser Energie sich der bloßen Wirklichkeit überliefert, ideale Stoff- und Formenwelt abweist nnd in der tüchtigen Ausprägung eines scheinbar alltäglichen Daseins ein neues Gebiet für die Kunst erobert. Ihre Religion ist die Verherrlichung des einfachen Menschenlebens, die Schilderung realer Existenzen, die Darstellung der Zeit- und Landesgenossen im Ernst ihrer Berathuugeu, wie in der gehobenen Stimmung ihrer Festmahle oder in dem kriegerischen Feuer ihrer Schützeuanszüge. So entstehen jene „Schützen- und Negentenstücke", die an charaktervoller Wucht der Erscheinung und malerischer Freiheit der Schilderung einen Höhepunkt in der Geschichte der Malerei bezeichnen. Jede Stadt ha darin ihre Meister: Delft seinen Miarevelt, der Haag seinen Ravesteyn, Harlein den mächtigen Frans Hals, dessen acht große Bilder im Stadthause daselbst seine ganze Entwicklungsgeschichte durch fast ein halbes Jahrhundert erzählen Dazu gesellen sich Thomas de Keyzer, namentlich aber die großen Rivalen Bartholomäus van der Helft und Rembrandt, deren beider Hauptbilder im Museum zu Amsterdam einander gegenüber hängen, jeden in seiner eigen- thümlichen Bedeutung repräseutirend: van der Helft in der unergründlich treuen Sorgfalt realistischer Detailausführuug, Rembrandt in der fast dämonischen Poesie seiner Lichtesfecte.
Dieselbe Freude an der bloßen täglichen Existenz treibt denn auch jene Gattungsbilder hervor, welche den Menschen in seiner Umgebung in scheinbar trivialen Zuständen verführen, denen aber durch die Feinheit der Auffassung und die höchste malerische Vollendung das Bürgerrecht im Reiche der Kunst gewonnen wird. Vornehmlich sind es die Zustände eines verfeinerten C ultur lebens, wie es den reichen Handelsstädten geläufig war, welche von Künstlern wie Teruch, Gerard Don, Metzbor, den beiden Mieris, Netscher und anders bald mit Eleganz, bald mit gemüthlichem Behagen geschildert werden. Als Gegensatz dazu findet auch der Sinn für die Komik derb bäuerlichen Treibens seine Bewährung in den lustigen Bildern eines Teniers, den täppischen Schilderungen eines Ostade, den wilden und tollen Erfindungen eines Brouwer und den geistreichen novellistischen Scenen eines Jan Steen. Weiterhin wird da ganze Naturleben, von der Landschaft und dem Seestück bis zu den Blumen und Fruchtstücken, mit höchster malerischer Feinheit geschildert und so zum ersten Mal an die Stelle kirchlicher Andacht die Naturandacht, die Freude an der Schöpfung, die Poesie der Diesseitigkeit im Contrast zu der des Jenseits zur Herrschaft erhoben. So erobert diese bürgerliche Kunst von de Grundlage eines scheinbar nüchternen Realismus aus das Universum.
Das Gediegene und Tüchtige der holländischen Kunst empfängt eine