M. E. von Sosnowski in Posen.
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gewissenhaft erfüllte. Die Persönlichkeit dieses tüchtigen Mannes war durch ihre sehr niarkirte Erscheinung auch in den Kreisen der Mitschüler Fischers wohlbekannt. Noch in diesen Tagen hat mich einer derselben, jetzt Kaufmann in Posen, auf einige Züge aus Kuno Fischers Jugendleben aufmerksam gemacht.
Sein Vater war ein nur der idealen Sphäre des Lebens zugewandter Mann, dessen Beruf als Prediger seinen Neigungen und Gemüthsbedürfnissen vollkommen entsprach. Nach dem Tode seiner Gattin lebte er in tiefer ländlicher Zurückgezogenheit nur der Seelsorge seiner Gemeinde und der Erziehung seiner beiden Söhne mit aufopferungsfrendiger Liebe hingegeben. (Er starb, 83 Jahre alt, nachdem er als Superintendent seinen Abschied genommen und zu seinem Sohn nach Jena gezogen war, im Februar 1870.)
Ich glaube nicht sehlzugreisen, wenn ich annehme, daß Kuno Fischer heute noch es keineswegs bedauern wird, auf das Posener Gymnasium gekommen zu sein. Das neu gebildete Lehrercollegium, das aus frischen, ja aus einigen ganz vortrefflichen Kräften bestand, wirkte unter der sehr energischen und disciplinarisch strengen Leitung des Directors Wendt (dessen auch ich stets mit liebevoller Hochachtung gedenke), näch allen Seiten anregend und fördernd. Die methodische Strenge und Pünktlichkeit des Schulunterrichts mochte der an die gemüthlichen Verhältnisse seines Vaterhauses gewöhnte Knabe Anfangs recht unbequem und peinlich empfinden, doch bald durchdrang ihn völlig die in allen ihren Theilen systematisch gegliederte Schulordnung und schon in den Mittelclassen gehörte er zu den ausgezeichnetsten, und in den Augen der Lehrer hoffnungsvollsten Schülern. In den oberen Elasten konnte seine hervorragende, allgemeine Befähigung recht klar hervortreten: er zeigte eine rasche und sichere Auffassung, ein entschiedenes, ,selbstständiges Ilrtheil, eine von Lehrern und Schülern anerkannte Rednergabe und eine große Empfänglichkeit für die Dichtkunst und die Schönheit ihrer Formen. Man glaubte daher allgemein, daß er sich später ganz diesem Gebiete zuwenden würde. Da die Schule durch ihren Lehrstoff für die directe Erweckung der Fähigkeit für die Philosophie wenig Gelegenheit bietest so hatten wir, seine Mitschüler, ein besonderes Interesse für diese Wissenschaft bei ihm nicht wahrnehmen können. Seine Lehrer und näheren Bekannten waren daher überrascht, als sie hörten, daß er sich gänzlich dem Studium der Philosophie gewidmet und dieselbe zu seinem Lebensberufe gewählt habe.
Zu Ostern 1844, nach abgelegter Maturitätsprüfung, ging Kuno Fischer nach Leipzig, um Philologie und Theologie zu studiren. Das Vorbild seines Vaters hatte früh schon in ihm den Wunsch erregt, Prediger zu werden, und es ist ihm schwer gefallen, diesem Wunsch zu entsagen.
Nach dem ersten Semester siedelte er nach Halle über, wo er bis zur Beendigung seiner Studien blieb und die Anregungen fand, die er bedurfte und suchte. Neben theologischen und philologischen hörte er philosophische Vorlesungen und fühlte sich durch die letzteren, namentlich durch den Einfluß,