Heft 
(1880) 42
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Hans Hoffmann in Stettin.

Sie wird schon wiederkehren zu Euch, guter Checco, gönnt ihr nur Zeit, sich zu besinnen und zu fassen, vielleicht wird auch sie von einem neuen Gefühl bewegt, das ihr selbst noch nicht zur Klarheit gekommen ist. Nicht wahr, Don Elemente hat Euch ein wenig erschreckt mit seiner dunklen Rede? Doch fürchtet Euch darum nicht: er ist ein kluger und guter Mann, aber zu trübsinnig in seinen Gedanken".

Er hat sonst immer Recht behalten, mit dem, was er prophezeit hat, und mir ist bange darum, daß Carmela mich so verlassen hat. Aber nun habe ich einen Wunsch, Herr: ich möchte mein eigenes Gesicht erblicken und wissen, wie ich aussehe".

Etwas unbehaglich erschien mir die Erfüllung dieses Wunsches; dennoch dünkte es mich allerdings das Beste zu sein, wenn er jene unvermeidliche bittere Enttäuschung in meiner Gegenwart und unter meinem tröstenden Beistand erführe, und nicht etwa aus Zufall und ohne einen Berather.

So begab ich mich denn in's Nebenzimmer und trieb dort einen leidlichen Wandspiegel auf, den ich herbeitrug und dem Checco vorhielt. Ich erwartete ein heftiges Erschrecken und darauf etwa einen jener tobenden Ausbrüche der Verzweiflung, welche diese Kinder des Südens so leicht übermanneu. Statt dessen blieb er ganz stumm und still, nur seine Augen wurden immer größer und starrer, die Wangen bleicher, und allmählich verzerrten seine Züge sich so schreckhaft, daß sein Spiegelbild ihm dann freilich doch ein allzu häßlich entstelltes Conterfei seiner selbst zeigen mußte. Ich entzog ihm deshalb den Spiegel und stellte denselben umgekehrt an die Wand. Er ließ es ruhig geschehen, und sagte mit einer müden, tonlosen Stimme:

O Herr, sie haben mich alle betrogen!"

Dann setzte er sich still auf sein Lager zurück und blickte mit mattem, stumpfem Ausdruck vor sich hin. Grade diese Ruhe erschien mir furchtbar und unheimlich; vielleicht stand mein Gemüth noch unbewußt unter der Nach­wirkung der schlimmen Rede des Don Elemente, ich gerieth in eine nervöse Aufregung und suchte dem schwer Betroffenen mit einer unruhigen Geste zu­zureden, von der ich nicht weiß, ob sie sehr geeignet war, seinen Kummer zu beschwichtigen. Vielmehr schien er von Minute zu Minute mehr zusammen­zubrechen und sich selbst zu verlieren; ich merkte bald, daß er kein Wort von dem hörte, was ich zu ihm sprach. Seine Gedanken waren unterdessen offenbar andere, verworrene Wege gegangen, denn auf einmal fragte er, ganz nur zu sich selbst, ohne mich anzusehen:

Also darum flieht sie vor mir!"

Checco", rief ich erschrocken,welche unsinnige Einbildung! Das von Eurem treuen, liebenden Weibe! ..."

Da stöhnte er auf wie ein Schwerverwundeter, und mit herzzerreißender Klage kamen die Worte leise von seinen Lippen:

Lieben! Wie kann man lieben, was so häßlich ist! Es ist unmöglich, ganz unmöglich! Ich weiß doch jetzt, was Schönheit ist, und ich weiß nun