Heft 
(1880) 42
Seite
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Der schöne Lhecco.

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auch, wie man die Schönheit lieben kann: o hätte ich es nimmer, nimmer erfahren, daß ein Weib so schön sein kann! Nun ist Alles aus für mich, sie ist so engelschön wie eine Heilige, und der schöne Checco ist so grausam häßlich! Ich liebe sie erst, seit ich weiß, wie schön sie ist, und sie flieht vor mir, da ich so häßlich bin! O Carmela, Carmela, auch sie hat mich belogen! Sagt mir doch, Herr, warum that sie das? Nein, sagt es mir nicht, denn ich weiß es: sie that's, um mich desto sicherer betrügen zu können. O die Schlange, die wunderschöne Schlange! O, daß ich nimmermehr das Licht gesehen hätte! Herr, Ihr habt nicht wohl an mir gethan, ich war so glücklich ohne diese Augen".

Da war's, das Unheil Don Elementes! Ich fühlte mich bang' erschüttert und verstört, denn das sah ich wohl, mit vernünftiger Rede war vorläufig garnichts bei dem Jüngling auszurichten, dessen Geist haltlos und eigensinnig im höchsten Jrrthum schweifte. Da eilte ich, Carmela aufzusuchen und zu ihm zu bringen: ihre Liebe, ihre Freude mußte ihn doch von der Sinnlosigkeit seiner blinden Verzweiflung überzeugen! Freilich, so ganz sicher fühlte ich mich auch hier nicht mehr. Ihre Liebe galt ihrem Schützling, dem blinden Knaben: wer mochte voraussehen, welch' Gefühl sie dem sehenden und selbstständigen Manne entgegenbrachte, der eine andere Liebe von ihr forderte! Wenn er Recht hatte mit seinem Jammerruf: Wie kann man lieben, was so häßlich ist?! War das nun Don Elementes Meinung gewesen? Ich schauderte vor dem Gedanken, daß er Recht behalten könnte.

Ich fand Carmela im Innern ihres alten Hauses, und ich merkte betroffen, daß sie sich hier wie zu dauerndem Aufenthalt wieder einzurichten im Begriff stand.

Carmela", rief ich,Unglückliche, warum laßt Ihr Euern Gatten grade jetzt allein?"

Sie erröthete und stand verlegen an ihrer Spindel zupfend.Ach, lieber Herr", sagte sie endlich,ich erschrak so sehr, wie ich seine Augen sah. Mir war es, als sei er nun auf einmal ein ganz anderer Mensch geworden, seit er mich sehen kann, ein ganz Fremder, den ich kaum wieder­erkenne! Und was er für wunderschöne Augen bekommen hat! Und wie seltsam er mich anblickte! Seht, Herr, da schämte ich mich so sehr, denn es kam mir plötzlich so vor, als hätte ich bisher immer im Dunkeln mit ihm gelebt, wo man sich doch nicht schämt, und nun auf einmal schien die grelle Sonne herein, und ich konnte nicht anders, ich mußte mich vor ihm verbergen. Denn ich war sonst mit ihm verfahren, wie man mit Kindern thut: aber das hätte ich mit einem Manne nicht gedurft; und darum schäme ich mich, denn in dem einen Augenblick schien er mir ein Mann geworden".

So ist es auch, Carmela: in diesem Augenblick hat sein neugeborenes Auge sich berauscht an Deiner Schönheit und sein schlafendes Herz ist auf-