- Die Herstellung der kurhessischen Verfassung. - 365
Am 24. besprach die amtliche Kasseler Zeitung die Verfassungsherstellung. Sie rühmte dabei mit Recht, daß „die Vieldeutigkeit des Bundesbeschlusses" nicht ausgebeutet worden sei, sondern daß man „ein rückhaltsloses Eingehen auf den entgegengesetzten Standpunkt einem Amalgam vorgezogen" habe. In der That verdiente Herr von Dehn-Rotfelser, der überhaupt weit mehr ein gemüthlicher, einsichtsvoller Lebemann war, als ein Fanatiker gleich Vilmar und zum Theil auch Aboe, die vollste Anerkennung, daß er viel klarer und entschiedener auftrat, als Mancher erwartet hatte. Wäre Wiegand rücksichtlich der „Provisorischen Gesetze" und der sonstigen verfassungswidrigen Erlasse mit offener klarer Entschlossenheit vorgegangen, so würde ihm v. Dehn auch darin gefolgt sein.
Nicht dem Kurfürsten, nicht den neuen Ministern, sondern einfach und allein dem Verhalten Wiegands und seiner Genossen ist es zuzuschreiben, daß das Ziel des langen Kampfes nicht vollständig erreicht wurde. Jetzt hieß es leider nicht einfach: Sieg! sondern meine nächste Ansprache lautete: „Sieg und neuer Kampf!"
Und dieser Kampf dauerte fort bis 1866, bis — zur Einverleibung! Und die Klagen über die „Provisorischen Gesetze" hörten auch dann noch nicht auf! Eines der verwerflichsten derselben besteht sogar noch bis auf den heutigen Tag; die einmüthigen, wiederholten Anregungen der hessischen Abgeordneten sind bis jetzt nicht im Stande gewesen, dasselbe aus der Welt zu schaffen.
Am heitersten war der Kurfürst. Er hatte sein wohlverdientes Vergnügen, alle Welt hinter's Licht geführt zu haben, hielt wiederholt große Tafel und befahl Herrn v. Loßberg zum Dienst, als wenn nicht das Geringste vorgefallen wäre. Als sich Loßberg einst über die erfahrene hinterhältige Behandlung beschwerte, soll er mit lächelnder Miene erwidert haben: „Aeh! wenn Coup machen will, nicht vorher Alles sagen können".