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jdaul Lindau in Berlin.
malerischer Stellung auf Wolken sich lagern, einige mit dem Saitenspiel in: Arm, andere Palmenzweige schwingend re.".
So meint auch Dingelstedt. Ein Bild wie Murillo! Das wäre das Schöne und Richtige.
Dieselben Bemerkungen richten sich auch gegen die übrigens sehr schön gemalten Decorationen des Spaziergangs vor dem Thore. Da fehlt ganz entschieden Licht. Das ist kein sonniger Feiertag im Frühling, kein heitrer Gegensatz zu dem „verfluchten dumpfen Mauerloch!" „Jeder sonnt sich heut so gern", sagt Faust. Nun, die Sonne des Victoriatheaters schien sich griesgrämlich hinter Wolken verkrochen zu haben.
Ebenso vollkommen bewährt sich die Devrient'sche Einrichtung in der kaiserlichen Pfalz, die man sich nicht besser inscenirt denken kann. Es wird hier ein wunderschönes Bild geboten, in dem mit künstlerischer Feinheit die zerstreuten Theile der Dichtung wohlgefällig zu einem Ganzen gefügt sind. Die Gruppirung des kaiserlichen Hofstaates, der Carneval, der hier wortlos als Festzug an uns vorüberschreiten muß, das eingefügte Ballet, das Zauberspiel des Raubes der Helena mit den köstlichen Glossen der Hofschranzen, endlich die Katastrophe, die Explosion, alles das gelangt hier in vollendeter Weise zur Anschauung. Da wird ein jeder spätere Bearbeiter wohl daran
thun, Devrients verdienstliche und glückliche Arbeit in allem Wesentlichen zu acceptiren. Ueber Einzelheiten läßt sich ja natürlich streiten; aber ich wiederhole: in den Hauptzügen ist diese Jnscenirung des ersten Actes des zweiten Theils meisterlich und die Bühnenwirkung ist erstaunlich. Theatralisch steht dieser Aufzug in dieser Vorführung auf der höchsten Stufe.
Auch für die räumliche Vertheilung der bunten Scenen auf dem Blocksberg erweist sich die von Devrient eingeführte Dreitheilung der Bühne als überaus praktisch. Ich glaube kaum, daß sich für unsere Bühne, so lange man an der jetzt bestehenden Einrichtung der schwerfälligen Decoration festhält, ein besseres Resultat mit diesem vollkommen untheatralischen Theile der Dichtung erreichen läßt, als es hier erzielt ist, wenn auch dieses Resultat in keiner Weise schon als ein befriedigendes bezeichnet werden kann. Meine skeptische Auffassung über die Bühnenmöglichkeit dieses nordischen, wie später des hellenischen Höllenspuks hat sich noch nicht zerstreut.
Der Zuschauer wird in den Erwartungen, die der Leser sich versprochen hatte, grausam enttäuscht. Die Phantasie des Lesers malt sich von diesen Walpurgisnächten ein schauerlich wildes und unheimlich groteskes Bild aus. Man meint, wenn man nun diese tollen Spukgestalten leibhaftig vor sich veranschaulicht sehen, ihr Geheul und Gekreisch vernehmen würde, so müßte einem schier Hören und Sehen vergehen. Der an uns vorübersausende Hexensabbats) müßte uns blenden, und der wüste Lärm uns betäuben. Die Wirkung aber, die der Zuschauer empfängt, ist eine ganz andere. Die Verse bleiben wegen der Musik, die hier unerläßlich ist, fast durchgängig unverstanden. Selbst bei dem reichsten Aufgebot an Comparserie bleibt das Leistungsmögliche